Mode für Olympia
Obwohl die olympischen Winterspiele schon vorbei sind, dasselbe gilt auch für die Paralympics, bleibt das Thema im Archiv allgegenwärtig. Immer wieder tauchen neue Fotos und Dokumente zu den Winterspielen in Innsbruck auf und erweitern unseren Bestand. Olympia ist vielfältig und je nachdem wen man fragt, verbinden die Menschen damit die unterschiedlichsten Dinge. Mode steht dabei vermutlich nicht an erster Stelle. Ich persönlich habe nicht gedacht, dass sie bei Olympia eine Rolle spielen würde. Umso überraschter war ich, als ich diese Fotos von Richard Frischauf für unsere Datenbank bearbeitet habe. Darauf ist die Einkleidung des olympischen Komitees für die Winterspiele 1964 in Innsbruck zu sehen. Zumindest schrieb der Fotograf dies auf die Verpackung seiner Negativstreifen. Bei diesen Fotos dreht sich alles nur darum, angemessene, warme und vor allem die gleiche Kleidung zur Verfügung zu stellen. Ohne die obligatorischen Ringe auf einheitlichen Kleidungsstücken wäre es gar nicht so leicht gewesen, Sportler*innen, Helfer*innen, Trainer*innen, Würdenträger*innen und viele Weitere vom Publikum zu unterscheiden. Schließlich waren bei den Winterspielen 1964 allein 1.091 Athlet*innen vor Ort, deren Begleitung und die Politik sind bei der Zahl noch nicht mitgezählt.

Auf dem obigen Foto sind die Vorbereitungen für die Vergabe der Kleidungsstücke zu sehen. Zwei Personen packen dicke Wintermäntel aus Kartons aus und stapeln diese auf Turnmatten am Boden. Wie man anhand der Sprossenwand im Hintergrund der Bilder unschwer erkennen kann, wurden Pullis, Jacken, Capes und mehr in einer Turnhalle aufgelegt und für die Abholung vorbereitet. Dies wirkt nicht besonders glamourös, wie man sich die olympischen Spiele vielleicht sonst vorstellt. Jedoch ist es zweckmäßig und genug Platz gibt es in einer Turnhalle auch. Da die Schulgebäude und Turnhallen in Innsbruck und der Umgebung für Olympia gebraucht wurden, hatten in ganz Tirol die Schulen geschlossen.
Auf dem Titelbild bildet eine größere Gruppe Frauen eine Warteschlange, um ihre Sachen anzuprobieren und mitzunehmen. Die Verpackung, aus der sie ihre Pulli auspacken, trägt die Aufschrift eines Mode-Labels. Könnte das Carlo Gruber heißen?
Eine Besonderheit beim Titelbild ist es, dass man die genaue Uhrzeit bestimmen kann. Dies kommt selten vor, doch die Uhr im Hintergrund macht es uns ausnahmsweise leicht. Es ist 10:25 Uhr, vermutlich morgens. Praktisch wäre noch ein Kalender daneben, der uns den genauen Tag verrät, doch das wäre wohl zu viel verlangt. Ein bisschen Recherchespaß darf schließlich auch dabei sein.
(Stadtarchiv/ Stadtmuseum Innsbruck, FR-NE-0186-4, FR-NE-0186-1)