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Mirakelhaft

Mirakelhaft

Christoph Gumpp d. J. (1600-1672) muss man in Innsbruck wohl nicht großartig vorstellen. Als Hofbaumeister war er an der Errichtung von bedeutenden Bauwerken wie der Pfarrkirche Mariahilf maßgeblich beteiligt. Allerdings dürfte jemand mit seiner Arbeit ganz und gar nicht einverstanden gewesen sein, denn eines nachts – Christoph und seine Frau Anna lagen bereits im Bett – flog ein Stein ins Gumpp’sche Schlafzimmer. Dem nicht genung, war um den Stein ein Schreiben gewickelt, in dem Unbekannte damit drohten, dem Baumeister „den Khopf zu zerschmettern“.

Verständlicherweise versetzte diese Morddrohung das Ehepaar Gumpp in Angst. Die beiden Eheleute suchten daher Zuflucht beim Mariahilfbild in der Stadtpfarrkirche und gelobten „unßer Gebett alda 9 Tag / sambt einen Zuesaz aufzuopfern / zu Verhietung gresserer Übl oder / Mortdaten die Däter ofenpar / zu werden“. Und tatsächlich konnte nach neun Tagen zumindest ein Täter ausgeforscht und verhaftet werden. Zwar hätte dieser zunächst die Tat geleugnet, dann „aber /von der wunderparlichen / Mueter Gottes die Genad, / nit gehabt die soliches zu / Bangen sondern mintlich / auch schriftlich ohne Zwang / herauß bekhent, der ander / sich mit der Fluecht salutiert.“ Mit anderen Worten – der Täter hatte, Dank der Gnade der Muttergottes, schließlich ein Geständnis abgelegt, während der andere geflohen war.

Diese kleine Episode findet sich in den Mirakelbüchern der Stadtpfarrkirche St. Jakob. Aurelia Benedikt hat diesen ebenso umfangreichen wie fasziniernden Quellenbestand in ihrer Dissertation erforscht. Das Ergebnis ihrer akribischen Forschungen ist vor wenigen Tagen in den „Veröffentlichungen des Innsbrucker Stadtarchivs, Neue Folge“ erschienen. Der Band eröffnet nicht nur Einblicke in die Alltagskultur des Barock sondern hält auch viele neue stadt-, regional- und kirchengeschichtliche Erkenntnisse bereit. Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, finden Sie hier nähere Informationen zu diesem Buch.

(StAI, Bi-k-934)

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Ein Treppenwitz der Geschichte ist, dass dieses von den katholischen Gläubigen so innig geliebte und verehrte Gnadenbild von einem lutherischen Maler geschaffen wurde.

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