Le Grand Vide
ist der schöne französische Begriff für ein übergroßes Nichts. Das kann eine innere Leere sein aber auch eine klaffende Lücke oder ein großer Verlust. Dieses neulich aus der Sammlung Wilhelm ans Stadtarchiv gelangte Bild aus einer Serie von Fotos, die in Albumform mit unterschiedlich genauer Beschriftung unter anderem die Bombenschäden Innsbrucks dokumentieren, konnten wir nicht gleich zuordnen. Erst aus dem Kontext des Spazierganges und nach der Konsultation von Vergleichsbildern waren wir sicher: Das ist das rechte Portal der Jesuitenkirche nach dem 15. Dezember 1943, dem Tag, als Innsbruck das erste Mal von alliierten Bombenangriffen getroffen wurde und an dem sich hier in der Stadt, was die Wahrnehmung des Krieges betraf, alles auf den Kopf stellte.
Einige Uniformierte und andere Personen, die vergessen haben ihre Hüte in der Kirche abzunehmen, scheinen hinter dem stehen gebliebenen schmiedeeisernen Gitter das pulverisierte Gotteshaus zu bestaunen. Hinten sieht man bis zum Gymnasium Angerzellgasse durch, vor dem Tor liegt ein hingeworfenes Rad.
Die Türme der Jesuitenkirche zum Karl-Rahner-Platz blieben stehen und retteten so das Gebäude vor dem Abriss. Es gibt (mehrere verschiedene) Personen, die nach dem Krieg davon berichten, dass Gauleiter Hofer die Gelegenheit beim Schopf packen wollte und, ähnlich wie bei der Servitenkirche, schon mit der völligen Schleifung liebäugelte. Ein Sprengmeister sollte rasch die Türme weiter beschädigen, womit ein Wiederaufbau völlig unrealistisch geworden wäre und man hier eine praktischere Zufahrt in den Hof des aufgelassenen Jesuitenklosters legen hätte können – für die dort zwischenzeitlich eingezogene Polizei.

Weitere Bilder aus dem Album zeigen die Kirche vom Hof der Angerzellgasse aus… das sieht es nicht so wild aus aber man sieht wo die Bombe in die Kuppel eingeschlagen ist. Und eine weiteren schweren Treffer im Innenhof der Universität.

Immer wieder verblüffend, wie genau das alles in die hier wie bereits ödters interaktiv zu sehende bekannte Bombentreffer-Karte eingegangen ist.
