„Jetzt helft uns weiterbauen“ – Die Heilig-Jahr-Siedlung
Bischof Rusch thematisiert in seinem Hirtenbrief vom 12. März 1950 das Problem der Wohnungsnot mit über 4200 Wohnungssuchenden in Innsbruck. Und es bleibt nicht nur bei Worten, sondern Bischof Rusch kündigt die Erbauung einer Heilig-Jahr-Siedlung an, die durch Caritas-Sammlungen finanziert werden soll. Bei der ersten Sammlung kommt fast eine Million Schilling zusammen.
Die bescheidenen Einfamilienhäuser mit einem kleinen Hausgarten sind für kinderreiche Familien gedacht. Mit dem erstmalig angewandten „Tiroler Bauplan“ haben bedürftige Bauwerber die Möglichkeit, zinsenloses Geld aus dem Baufonds zu bekommen. Sobald die ganze Bausumme zurückbezahlt wird, geht das Haus in das Eigentum über. Die Größe der Siedlung wird sich nach dem Sammelergebnis richten. Mithilfe der tatkräftigen Unterstützung von Freiwilligen wird zusätzlich versucht, die Kosten gering zu halten. Die Unterstützung aus der Bevölkerung ist groß. Eine kleine Ziegelei spendet 1000 Ziegeln, ein Lastwagenbesitzer stellt seinen Wagen für einige Zeit zur Verfügung.
Die Voraussetzungen für die Bewerbung werden vom Siedlungsreferat der Heilig-Jahr-Siedlung festgelegt: Wohnungsnotstand, wirtschaftlicher Notstand und Kinderzahl (Kinder unter 18 Jahren). Die Einteilung erfolgt in drei Gruppen: Bewerber mit 1 bis 3 Kindern, Bewerber mit 4 und 5 Kindern und Bewerber mit 6 Kindern und mehr.
Architekt Emil Tranquillini plant das Bauprojekt auf den Gießengründen in der Höttinger Au. Er konzipiert die Heilig-Jahr-Siedlung als Reihenhaussiedlung. Damit spart man Grund, vermeidet Nachbarschaftskonflikte – die Einsicht in die Häuser ist begrenzt, die Aufschließungskosten sind geringer. Der geplante Flachbau benötigt kein Stiegenhaus, kein Gerüst und auch keinen Aufzug. Mitgedacht wird auch schon die Möglichkeit, kommenden benötigten Wohnraum unkompliziert anzubauen.
Am 11. November 1951 weiht Bischof Paulus Rusch die fertiggestellte Heilig-Geist-Siedlung. 41 Familien finden nun ein neues Zuhause.
Bis 6. Feber haben Sie noch die Möglichkeit, mehr über das prekäre Wohnen in Innsbruck in der Ausstellung „Suche Wohnung! Von der Baracke zum Leerstand“ zu erfahren. Wir freuen uns über Ihren Besuch.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Sammlung Walter Kreutz, KR/NE-7751, um 1953)