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In Stein Gemeißelt (XXIV.)

In Stein gemeißelt (XXIV.)

Nachdem der letzte Artikel mit einem der größten diplomatischen Fehlschläge Maximilians endete, zeigt dieses Relief einen seiner großen Erfolge: Die Wiener Doppelhochzeit zwischen Ferdinand I. und Anna Jagiello, sowie Ludwig II. und Maria von Habsburg im Juli 1515.

Bereits fast zehn Jahre zuvor war über eine solche Heirat verhandelt worden, bis schließlich in Pressburg am 20. Mai 1515 der Vorvertrag unterzeichnet wurde. Dabei standen die dortigen Verhandlungen scheinbar unter einem schlechten Stern – ein Gesandter des Kaiser ertrank auf dem Weg zur Stadt, zwei andere verstarben ebenfalls unerwartet und schließlich brach ein schreckliches Feuer aus, das weiter Teile der Stadt verwüstete. Indes ließ der Kaiser die Jagiellonen-Könige Vladislav (König von Böhmen und Ungarn) und Sigismund (König von Polen) warten, weil erst das Geld für das Treffen in Wien und die Hochzeit auftreiben musste, was ihm letztlich u.a. durch noch gewaltigere Schulden bei den Fuggern, die sich nun auch die Kupferbergwerke in Tirol als Pfand sicherten, gelang.

Die Festlichkeiten verschlangen gewaltige Summen – Wiesflecker hebt hervor, dass es den Kaiser wohl kaum billiger kam als ein Feldzug. Mit einem gewaltigen Gefolge traf er sich mit den Königen: Reichsfürsten, der hohn Adel der Erbländer und tausende Soldaten folgten ihm. Die Vorverträge wurden nur noch wenig verändert – Anna von Ungarn würde Karl oder Ferdinand heiraten (es sollte Ferdinand werden, auch wenn Vladislav der erstgeborene Karl lieber gewesen wäre), Maria von Habsburg sollte Ludwig II. heiraten. Die Mitgift, für beide auf je 200.000 Gulden vereinbart, hob sich auf. Die gegenseitige Erbfolge wurde festgelegt, die Streitigkeiten um den Deutschen Orden vorläufig beigelegt (der Orden stand unter dem Schutz des Reiches und war in einen Konflikt mit Polen verwickelt) und Maximilian löste sein Bündnis mit den Muskovitern, mit denen Polen ebenfalls im Konflikt stand. Ludwig II. wurde von Maximilian adoptiert und zum einem „Generalreichsvikar“ gemacht, zu seinem Stellvertreter im Reich, wobei dieser Titel wenig tatsächliche politische Bedeutung hatte. Die Hochzeit wurde am 22. Juli gefeiert, wobei Maximilian seine Enkel vertrat (welcher stand noch nicht fest).

Das große Vertragswerk wurde v.a. unter dem Eindruck der Bedrohung durch die Osmanen möglich gemacht, gegen die sich die christlichen Königreiche verbründeten. Dass die Bedrohung so schnell eskalieren sollte, dass die Osmanen bereits in vierzehn Jahren vor Wien stehen würden, ahnte man vermutlich nicht, ebenso wenig, wie dass Ludwig II. schon bald im Kampf gegen sie fallen und die Erbregelung in Kraft treten sollte.

(Sigantur Ph-A-10171-23)

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