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In Stein Gemeißelt (XII.)

In Stein gemeißelt (XII.)

Nach den friedlichen Abbildungen der letzten Beiträge sehen wir auf diesem Relief wieder eine Schlacht in vollem Gange. Es handelt sich dabei um die Schlacht am Wezenberg, die Maximilian am 12. September 1504 schlug.

Die Geschichte der Schlacht beginnt mit dem Testament Georgs des Reichen, der den bayrisch-pfälzisch Erbfolgekrieg auslöste. Ein Blick auf seinen Beinamen lässt bereits erahnen, weshalb man bereit war, wegen seinem Erbe in den Krieg zu ziehen. Der alte Herzog hatte ein Testament verfasst, nachdem sein gesamtes Erbe an seine Tochter Elisabeth und deren Gatten Ruprecht fallen sollte, da er keinen Sohn hatte. Obwohl matrilineare Erbfolge oft mit Streitigkeiten verbunden war, kam in seinem Fall erschwerend hinzu, dass es sich bei seinen Territorien um ein „Schwertlehen“ nach Recht des Heiligen Römischen Reiches handelte – es durfte also explizit nur patrilinear vererbt werden, gab es keinen männlichen Erben, galt es als heimgefallen oder „erledigt“ und es lag am Kaiser es neu zu vergeben. Was die Sache für das nach dem Testament begünstigte Paar nicht leichter machte, war die Tatsache, dass einer der nächsten männlichen Verwandten des Herzogs, sein Vetter Albrecht, natürlich einer der ersten Rivalen um das Erbe, der Schwager des Kaisers war. Der besagte Vetter hatte auch Ansprüche aus älteren Erbverträgen, über die sich der Herzog nun hinweggesetzt hatte.

Maximilian hatte zur Zeit der Streitigkeiten eigentlich andere Sorgen, er hatte seinen Zug nach Rom sorgfältig geplant und wollte aufbrechen, um endlich in der ewigen Stadt die Kaiserkrone zu empfangen. Seine ständigen Konflikte hatten ihm diese Gelegenheit bis jetzt verwehrt, nun war es gelungen, Frankreich ruhigzustellen und auch an den anderen Fronten war es ruhig – eine solche Möglichkeit würde sich kein zweites Mal bieten, dessen war sich Maximilian vielleicht schon bewusst. Doch der Konflikt hielt ihn im Reich fest, er konnte den Erbstreit vor seiner Haustür unmöglich ignorieren.

An sich war der Kaiser sehr an einem friedlichen Kompromiss interessiert. Er wollte keine der Parteien zu stark werden lassen, aber auch keinen Krieg, der ihn nur von Rom fernhalten würde. Doch Ruprecht schlug konsequent alle Vorschläge aus und versuchte auch nicht, den Kaiser durch die beträchtlichen finanziellen Mittel, die ihm zur Verfügung standen, seiner Position gegenüber verständnisvoller zu stimmen – was ihm von vielen Historikern als beachtlicher Fehler ausgelegt wurde, darunter Hermann Wiesflecker, auf dessen ausgezeichnetes mehrbändiges Werk sich viele der Beiträge dieser Serie u.a. stützen. Ein weiterer schwerer Fehler war sein direkter Angriff am 17. April 1504 auf mehrere Städte in Bayern-Landshut, um seine Einsetzung zu erzwingen. Er stand als Brecher des Landfriedens da, wofür über ihn, seine Frau und seinen Vater, Philipp von der Pfalz, die Reichsacht verhängt wurde. Die hussitischen Knechte, die er aus Böhmen anwarb, brachten ihm die auch noch Feindschaft des Papstes ein. Dennoch geriet Albrecht in Bayern bald in Bedrängnis, während Maximilian bei den Gebieten der Pfälzer am Rhein kämpfte. Er verlor zahlreiche Gebiete an seinen Rivalen, darunter auch Kufstein, das gerade als Teil der Entschädigung für seinen Aufwand im Prozess um das Erbe an Maximilian übergeben worden war. Er begab sich nach Osten und unweit von Regensburg kam es zur offenen Schlacht zwischen dem kaiserlichen Heer und den Truppen Ruprechts.

Die Kaiserlichen waren in der Überzahl, sie konnten 9.000 Mann ins Feld führen, ihre Gegner 6.000. Dank zweier Spione, die das gegnerische Lager infiltriert hatten, war Maximilian gut über ihre Zahl und ihre Bewaffnung informiert. Das Heer der pfälzischen Partei wurde in seinem Lager überrascht, nachdem Maximilian seine Soldaten bereits um Mitternacht in Marschbereitschaft versetzt und im Morgengrauen aufs Feld geführt hatte. Über anderthalbtausend Reiter flohen beim ersten Feindkontakt – die restlichen Soldaten waren auf sich gestellt und zogen sich auf den Wenzenberg um sich dort zu verschanzen. Auf dem Relief sind die Pavesen, die großen Turmschilde, mit denen sich die Verteidiger vor den Angriffen der Kaiserlichen schützten, gut zu sehen. Es gelang ihnen, die ersten Angriffe zurückzuschlagen, Maximilian formierte seine Hauptmacht in drei Kontingente, das rechte davon führte er selbst. Über fünftausend Mann bliesen zum Angriff auf den Hügel, doch die Verteidiger wehrten sich standhaft. Der Kaiser geriet selbst in Lebensgefahr, ehe es gelingt, den Wall zu durchbrechen. Auch die Wagenburg, welche die böhmischen Soldaten vorbereitet hatten, wurde erstürmt. Maximilian schlug noch auf dem Schlachtfeld manche seiner Mitstreiter zu Rittern, darunter Georg von Frundsberg, den berühmten Landsknechtführer, mit dem Familiensitz bei Schwaz. Das pfälzische Heer verliert insgesamt über 2000 Mann, Maximilians etwas über 200.

(Signatur Ph-A-10171-013)

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  1. Georg der Reiche war Enkel von Margarethe von Österreich und Urenkel von Cimburgis von Masowien, welche in der Innsbrucker Hofkirche bei den Schwarzen Mandern dargestellt ist. Cimburgis von Masowien war auch die Großmutter von Kaiser Maximilian. Kaiser Max ist damit der Onkel 2. Grades von Georg dem Reichen.

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