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In Stein Gemeißelt (IV.)

In Stein gemeißelt (IV.)

Die nächste Szene auf dem Hochgrab zeigt ein Ereignis, dessen Auswahl auf den ersten Blick seltsam anmutet. Zu sehen ist die Schlacht von Calliano im Jahre 1487, die zwischen der Serenissima und Tirol ausgetragen wurde. Maximilian jedoch war weder in irgendeiner Form an der Schlacht beteiligt, noch war er im fraglichen Jahr Landesherr von Tirol. Die Relevanz für das Leben Maximilians ergibt sich erst durch seine späteren Konflikte mit der Markusrepublik.

Die Auseinandersetzung zwischen Tirol und Venedig, während der sich die Schlacht ereignete, war ein Abenteuer des damals bereits hochverschuldeten Sigismunds. Er, „der Münzreiche“ ebenso wie sein Vater, Friedrich IV. „mit der leeren Tasche“ verfügen über eher irreführende Beinamen, bzw. treffen sie nur auf einen Abschnitt ihrer jeweiligen Herrschaft zu. Sigismund hatte gewaltige Summen von den Wittelsbachern geliehen, die sich dafür immer größere Herrschaftsrechte in Tirol aneigneten; für zusammen über 250.000 Gulden gingen u.a. Rottenburg, Freundsberg, Landeck und die Silberbergwerke von Schwaz an die bayerischen Herzöge, Albrecht von Bayern-München und Georg von Bayern-Landshut. Nicht nur im Lande sondern auch am Hof Sigismunds verschafften sich die Wittelsbacher Einfluss, indem großzügige Spenden an bedeutende Personen flossen, unter ihnen auch der Landeshauptmann und Obersthofmeister Gaudenz von Matsch. Um diesen gewonnen Einfluss weiter auszubauen heiratete Albrecht am 2. Januar 1487 in Innsbruck Kunigunde, die Tochter Friedrichs III.

Anfang 1487 überschrieb Sigismund schließlich dem Herzog Albrecht von Bayern Tirol als Pfand für eine Summe von einer Million Gulden, mit der Fußnote, dass die Wittelsbacher die Herrschaftsrechte nach seinem Tod solange ausüben sollten, bis diese exorbitante Summe von seinen Erben zurückgezahlt werden konnte – wobei Sigismund kinderlos war. Es wird angenommen, dass Friedrich in den Konflikt mit Venedig getrieben wurde, um seine finanzielle Lage weiter zu verschlechtern.

Der Feldzug schien eigentlich gut zu verlaufen. Rovereto, welches unter Friedrich IV. abhandengekommen war, wurde zurückerobert, ehe dann am 10. August die besagte Schlacht von Calliano geschlagen wurde. Das italienische Heer wurde von dem Aufgebot unter Friedrich Kappeler geschlagen und musste den Rückzug antreten. Es war eine der Schlachten, in der die Landsknechte ihren Ruf festigten, den eidgenössischen Truppen ebenbürtig zu sein. Für Sigismund jedoch hatte die Kampagne keine positiven Folgen.

Die Tiroler Stände fanden sich erst in Hall und anschließend in Meran zusammen, wo Sigismund die Herrschaft de facto an sie übergeben musste. Die „bösen Räte“ wurden entlassen, später verhängte der Kaiser die Reichsacht über sie; der entmachtete Landesfürst schwor den Abkommen mit den Bayern ab. Nach weiteren Konflikten, wobei Sigismund versuchte, die Herrschaft mit Hilfe der Wittelsbacher wiederzuerringen, wurde er letztlich von Maximilian auf einem Landtag in Innsbruck am 16. März 1490 zum endgültigen Verzicht zugunsten des jungen Königs überredet.

Team Stadtarchiv (Signatur Ph-A-10171-005)

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Ich bedanke mich für die Vermittlung des mit den Reliefs verbundenen historischen Hintergrundwissens. Es ist interessanter als die eigentlichen, sich einander doch ähnelnden bildhauerischen Leistungen, an denen ich Zeit meines Lebens zugegebenermaßen bisher vorbeigeschaut habe.

    Das Schulwissen hat diese Tafeln als siegreiche Schlachten Kaiser Maximilians, und Punkt! in Erinnerung behalten.

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