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Holz-trifft-Kanal Oder Holztriftkanal?

Holz-trifft-Kanal oder Holztriftkanal?

Kürzlich war in diesem Forum von diesem heute in Vergessenheit geratenem Gewässer die Rede. Diesmal gibt es einen Plan vom sog. Holztriftkanal zu bewundern. Der Kanal führte von der Rechengasse über den Prügelbau (Innrain 34) von der heutigen Universitätskreuzung nördlich der Gebäude am Innrain bis fast hinter das Fleischbankgebäude. Möglicherweise war die einzige Funktion dieses Kanals, dass er mit seinem Sog das Holz vom Rechen im Inn absaugen sollte. Ich kann nicht beurteilen, ob es wirklich einen so langen und in der Erhaltung teuren Bach benötigt, um diese Wirkung zu erzielen.

Auf den ersten Blick würde ich den Plan um 1860 datieren, aber ich weiß, dass es unter der LeserInnenschaft Fachkenntnisse gibt, die das Entstehungsdatum wahrscheinlich auf wenige Monate einschränken können.

Interessant sind die großzügigen Grünflächen in der Stadt. Die sind heute fast zur Gänze verschwunden. Dafür steht mit dem Fleischbankgebäude ein Gebäude, wo heute nix mehr ist. Aber auch keine Grünfläche.

Es gibt aber noch viel mehr zu entdecken oder zu suchen: Zum Beispiel die Bürgerstraße. Oder die heute in Vergessenheit geratenen Straßennamen.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum)

Dieser Beitrag hat 23 Kommentare
    1. Kaum vorstellbar, dass die heutige Bürgestraße einst so ein schmales Gässchen war. Aber die Situation auf diesem Plan ist ja auch schon ein Zeitl her. Am Franziszeischen Plan, wenn ich ihn richtig lese, müsste sie sich dann zwischen 300 und 301 befinden. Der Straßenname wurde im Laufe der Zeit offensichtlich zweimal verwendet: für die heutige Wilhelm-Greil-Straße, die früher nicht nur Karlstraße, sondern vorher auch Bürgerstraße hieß und später dann für die aktuelle, die zwischen 169 und 170 bzw. 300 und 301 in den Innrain einmündet, nicht wahr, Herr Morscher?

  1. Wollte schon beim letztem Beitrag, indem über den Sillkanal kurz geschrieben wurde, etwas vom Ende des Innkanals unterbringen!

    Die Innsbrucker Nachrichten schreiben am 25.5.1895:

    „(Der Inncanal,) dieser Gegenstand berechtigter Klagen in gesundheitlicher Beziehung seitens der Anwohner und von Interpellationen im Gemeinderathe, wird nun endlich zugeschüttet werden. Damit wird ein Herd für Miasmen aus der Welt geschafft, gleichzeitig verschwindet aber auch ein Überbleibsel alter Verkehrsverhältnisse, die durch die Arlbergbahn modernen Charakter angenommen haben.“

  2. Lt. Franziszeischem Kataster gab es diesen Holztriftkanal, von dem ich zum ersten Mal hier in diesem Forum gehört habe, https://innsbruck-erinnert.at/ein-echter-schatz-aus-alter-zeit/ zumindest schon im Jahre 1856. Der Marktgraben hieß damals Ursulinengraben und die Schlossergasse hieß Judengasse. Die Seilergasse hatte diesen Namen nur von der Herzog-Friedrich-Straße (damals Oberer Stadtplatz) bis zur Kreuzung mit der Kiebachgasse (damals Schulgasse). Ab da bis zur Einmündung in den Ursulinengraben hieß sie Bäckerthorgasse. Und die Verbindungsgasse von der Seilergasse bis zur Herzog-Friedrich-Straße (damals Unterer Stadtplatz) beim Sporereck/Gold. Adler hieß Ballhausgasse.
    Was für ein Glück, dass die Herren k. u. k. Beamten seinerzeit so gründlich kartographiert haben. Ganz ohne Computer.

    1. Liebe Frau Stolz, wie Elmar Berktold weiter unten freundlicherweise bemerkt hat, gibt es seit fast drei Jahren das Buch „Innsbruck im historischen Kartenbild“, das Sie im Stadtarchiv einsehen (ja sogar erwerben) können. Dort finden Sie die kartografische Entwicklung des Innrains mit dem Triftkanal von 1712 bis heute auf 6 Seiten abgebildet. Dazu werden Sie noch weitere Detailpläne sowie auch den obigen darin finden. Und ich bin sicher, dass Sie auch mit den übrigen 400 Seiten Ihre Freude haben werden .

      1. Haben Sie vielen Dank für den Hinweis, Herr Schönegger! Wenn ich das nächste Mal in Innsbruck bin, werde ich dem Stadtarchiv gerne einen Besuch abstatten – hatte ich mir ohnehin vorgenommen.

  3. Fragen, die sich mir stellen: aus heutiger Sicht müsste das Bett des Innkanals doch sehr tief bzw. die ihn einfassenden Mauern sehr hoch gewesen sein, der Kanal damit ein deutlich mächtigeres Bauwerk als der Sillkanal oder der Rhombergkanal. Wie hätte dieser Kanal sonst bei Normal- und Niedrigwasser des Inns Wasser führen können? Oder lag das Erdplanum damals deutlich tiefer und waren damit die Uferhöhen des Inns entsprechend geringer?
    Die Mauern müssten und die Brücken könnten respektable Kunstbauten in Steinbauweise gewesen sein – ob davon irgendwo unterirdisch noch etwas übrig ist, so wie im Sommer am Zeughausgelände das erhaltene Bett des Sillkanals zu Tage trat?
    Wie verhinderte man seine Verlandung trotz der oft starken Strömung des Inns – ein sperrendes Einlaufbauwerk kann es ja kaum gegeben haben, wenn der Zweck des Gewässers das Auffangen von Triftholz war.
    Und: wenn der Innkanal „erst“ 1895 zugeschüttet wurde, was Herr Roilo recherchiert hat und oben erwähnt – danke! – und ich sehr interessant finde, weil ich angenommen hatte, dass das schon viel früher geschehen wäre, dann könnte er doch auch das eine oder andere mal fotografiert werden sein.
    Sorry, dass ich hier nur Fragen aufwerfe und nicht beantworte!

  4. Der Holtriftkanal wurde auf jeden Fall für die Holztrift verwendet. Ein heute weitgehend vergessenes, sehr eindrucksvolles und interessantes Ereignis.

    Dazu wurde das Holz vom Engadin bis nach Innsbruck getriftet und hier wieder aus dem Wasser geholt. Der Name Prügelbau zeigt an, dass sich hier die ärarische Holzlände befand, wo die „Holzprügel“ gelagert wurden.

    In den Zeitungsarchiven findet sich 1878 folgende aufschlussreiche Kundmachung zur Funktion des Holztriftkanals:

    „Bei der Anfangs Oktober 1878 beginnenden Holztrift
    von Strada im Engadin bis nach Innsbruck und bei der
    ungefähr Mitte Oktober 1878 beginnenden Auslendung und
    Aufstockung von Bauholz im Innsbrucker ärarischen Holz­-
    garten finden bei 200 gute Arbeiter und ferners im Holz­
    garten Fuhrwerke mit beiläufig 10 Paar guten Pferden,
    wobei Gutsbesitzern mit starken Pferden der Vorzug gegeben
    wird, gegen gute Entlohnung Verwendung.

    Hierauf Reflektirende wollen sich bei dem Gefertigten melden!
    Brixlegg, am 25. September 1878.
    Josef Hillepold.“

  5. Nachdem sich Herr Schönegger noch nicht persönlich in die Diskussion eingeklinkt hat, habe ich in seinem Opus magnus „Innsbruck im historischen Kartenbild“ nachgesehen.
    Darin ist auf Seite 157 unten ein Plan C. Redlich, 1878 abgebildet, auf dem zu erkennen ist, dass für die Errichtung der Bürgerstraße das Gebäude 168 auf „unserem“ Plan hier abgerissen worden ist. Im Begleittext steht „Durch die 1872 errichtete Bürgerstraße wird der Innrain an das neue Stadtviertel um die Anichstraße angeschlossen.“
    Der Triftkanal ist bei Schönegger bereits im ältesten Planausschnitt von F. H. Rindler aus dem Jahr 1712 dargestellt.

  6. Wie ich gerade mittels diverser Googlebelehrungen angelesen habe, ist das Holztriftwerkl eine kompliziertere Sache gewesen als man meinen möchte. War der Transport des Holzes auf dem Wasser durch seine eigene Schwimmfähigkeit die primitivste Form der Schiffahrt, so schwierig wurde es, diese Baumstämme entgegen der enormen Naturkräfte des Wassers und der daherschießenden schweren Stämme wieder aufzufangen und zu sortieren, und das alles mit ausgeklügelten Wehr- und Aufstauanlagen bis zur Einleitung in den Kanal. Jedenfalls gab es Triftsaisonen, es war zu manchen Jahreszeiten egal, ob der Kanal Wasser führte oder nicht. Was mir bei der Lektüre auch vor Augen geführt worden ist, ist der enorme Holzbedarf der damaligen Zeit.

    Ein weiterer, wenn nicht wichtigerer Brennpunkt der Holztrift scheint Hall mit seinem Holzbedarf wegen der Salzgewinnung gewesen zu sein. Dort begann auch die Innschiffahrt und damit das Ende der Triften.

    Warum es keine Fotos von diesem Kanal gibt ist auch mir ein Rätsel. Aber auch vom Sillkanal kenne ich kaum Abbildungen. War wohl kein Motiv, diese Schwerarbeit.

    Das lange Zeit noch bestehende Loch im Bereich des Einlasses auf Höhe der Universität war das letzte Relikt dieses Kanals. Und eine nach Metern gemessene Mutprobe für die Höhlenforscher spielende Jugend der Umgebung.

    1. Ja, schade, dass es von der Holztrift und dem Holztriftkanal kaum Fotos gibt.
      Die Brandenberger Holztrift ist im Gegensatz dazu fotografisch sehr gut dokumentiert.

    1. Danke für den verlinkten Artikel, Herr Hirsch! Gerade habe ich mich gefragt, wie man das Holz dazu gebracht hat, in den Kanal hinein zu triften. Die Stämme kamen sicher mit einer ziemlichen Wucht daher und der Kanal, so sieht es zumindest auf alten Karten aus, wurde doch in einem eher engen Winkel vom Inn weg angelegt. Von Booten aus wäre das mit Sicherheit sehr gefährlich, wenn überhaupt machbar gewesen und vom Ufer aus hätte man bestimmt nicht alle Holzstämme erreichen können.

      Wie man das Holz aus dem Kanal geborgen hat, kann ich nachvollziehen. Ich nehme an mittels Rechen oder sonstigen Quer-Einbauten, die man auch auf den Plänen sieht. Aber wie es tatsächlich in den Kanal kam, würde mich sehr interessieren. Die in dem Artikel beschriebenen Triften im Salzkammergut endeten ja meist in einem See. Das war sicher genauso gefährlich für die Arbeiter aber technisch vielleicht etwas anders als am Inn.

      Jedenfalls mehr als gerechtfertigt, dass die Arbeiter für diese Schinderei „gegen gute Entlohnung Verwendung fanden“, was auch immer man unter guter Entlohnung verstanden haben mag.

      1. Jetzt möchte man meinen, dass der Inn an der Eintrittstelle des Kanals eine besonders starke Verpfählung aufgewiesen hätte, damit die Stämme schön brav in den Kanal treiben. Wie dieser Ausschnitt aus einer Aufnahme aus dem Jahr 1880 zeigt, war der REchen an dieser Stelle durch eine relativ hohe Brücke ersetzt.

        https://postimg.cc/0M5kLpJV

        Das Bild zeigt offensichtlich die Trift außer Betrieb. Wenn Holz angekommen ist, wird man unter der Brücke und ihren Rampen zugemacht haben und das Wasser durch den Kanal fließen lassen. Auf der Brücke standen nach meiner Vorstellung die Arbeiter und stupften mit langen Stangen das Holz in die gewünschte Richtung. Ich nehme auch an, daß das erfahrene Triftpersonal schon gleich zu Beginn der Einleitung der Stämme vom fließenden Inn in den „See“ diese gleich schon einmal wenn nötig ausgerichtet haben, damit die Arbeit an der Kanaleinmündung einfacher ist. Wie sichs der Laie, der ich bin, halt so mechanisch vorstellt.

        1. Wie Herr Hirsch schon weiter oben schreibt, brauchte man ja auch in Hall viel Holz. Wahrscheinlich mehr wie in Innsbruck (Salzsud). Auch in Hall war ein Holzrechen. Dieses Holz musste „durchgelassen werden“, eben unter dieser Brücke. Kam Holz für Innsbruck, wurde der darunterliegende Rechenteil geschlossen.

        2. Habe jetzt erst Ihre Erläuterungen gesehen, Herr Hirsch, vielen Dank dafür! Ich denke, jetzt verstehe ich, wie das funktioniert hat. Ihre Beschreibung und die schönen alten Pläne waren sehr hilfreich. Ich hatte mir schon überlegt, ob man evtl. ein Seil oder eine Art Hängebrücke über den Inn gespannt hat, damit die Arbeiter halbwegs sicher die Holzstämme umleiten konnten. Ganz offensichtlich wurden aber auch die Sandbänke benutzt, um den Inn von einem Ufer zum anderen mehr oder weniger diagonal zu teilen und so einen „See“ zu erzeugen. Damit scheint auch die Kanal-Abzweigung nicht mehr in so einem engen Winkel gewesen zu sein – ich hatte zuerst gedacht, dass es an dieser Stelle sicher zu Verklausungen gekommen sein muss.
          Wenn aber, wie auch Herr Roilo meint, ein Teil des Holzes für den Bedarf in Hall ohnehin durchgelassen und der Rest mittels eines langgezogenen schrägen Rechens für Innsbruck abgeleitet wurde, dann stell‘ ich mir das Eintriften in den Kanal – nicht zuletzt auch dank der von Ihnen erwähnten Kraftlackeln von Holzarbeitern – doch nicht so undurchführbar vor, wie ich ursprünglich dachte.
          Was wär‘ die Welt wohl ohne Technik(er)?.

          1. Wahrscheinlich war es so, dass im Normalfall der Rechen unter der Brücke offen war, dass also Holz und Flöße, welche für Orte unterhalb Innsbrucks bestimmt waren, auch das Treibholz bei Hochwasser, ungehindert durch kam. Eine Holztrift (mit Langholz) für Innsbruck fand sicher nur sporadisch und für kurze Zeit statt (siehe auch das Inserat aus den Innsbrucker Nachrichten, dass uns Herr Auer weiter oben geliefert hat). Kurzholz (Brennholz) aus dem Oberinntal wurden eher mit Flößen angeliefert, die oberhalb des Innkanaleinlaufes oder auch linksseitig anlandeten.
            Dazu habe ich einen interessanten Artikel gefunden:
            https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&ved=2ahUKEwiRoIOH-KP0AhVSyaQKHWBhDK0QFnoECAMQAQ&url=https%3A%2F%2Fwww.tirol.gv.at%2Ffileadmin%2Fthemen%2Fkunst-kultur%2Flandesarchiv%2Fdownloads%2FInnkarteMS_neu.pdf&usg=AOvVaw11a6M2Vqte3crBd2QvNbq5

  7. Lebensrettung durch die Klugheit eines Hundes!

    1890 trug sich am Innkanal folgende Episode zu:

    „Als der Stadtmaschinist Josef Wachter heute gegen 1 Uhr Morgens seinem Hause am Prügelbau zuging, blieb plötzlich sein Hund gegenüber der Cadettenschule knapp beim Inncanal stehen und stieß ein klägliches Geheul aus. Als Josef Wachter hinzueilte, sah er eine dunkle Masse im Wasser und hörte schon……..“

    Alles weitere kann man im Innsbrucker Tagblatt nachlesen:
    https://digital.tessmann.it/tessmannDigital/Zeitungsarchiv/Seite/Zeitung/62964/1/03.07.1890/264275/2/filterId-62964%01264275%013383593-query-inncanal.html

    1. Der Fast-Ertrunkene Franz Fiechtner lebte noch vier Jahre und vollendete anno 1894 mit 78 Jahren in der Innstraße 28 das irdische Jammertal. Ruhe in Frieden.

  8. Wie Herr Hirsch schon weiter oben schreibt, brauchte man ja auch in Hall viel Holz. Wahrscheinlich mehr wie in Innsbruck (Salzsud). Auch in Hall war ein Holzrechen. Dieses Holz musste „durchgelassen werden“, eben unter dieser Brücke. Kam Holz für Innsbruck, wurde der darunterliegende Rechenteil geschlossen.

  9. Im Heimatbuch von Lana gäbe es ein schönes Bild vom dortigen Rechen, dort wurde ja vom Ultental heraus genauso das Holz getriftet und in Lana verarbeitet oder weiterverkauft. Der Rechen war genauso schräg im Bachbett, wie hier am Inn. Die zahlreichen senkrechten Pfähle wurden mittels schrägen Stämmen von hinten her gestützt. Zur Zeit der Trift wurden weitere Holzstämme dazwischen gegeben und somit das Wasser zum Ufer gedrängt. Dabei kam es zu einem See, an welchem das Treibholz anlandete. Danach wurde das Zwischenholz beim Rechen entfernt und der Fluß verlief wieder im normalen Bett. Vielleicht war der Teil bei der Rechengasse das Landungsgebiet, von wo es dann gestapelt wurde. Als Arbeitskräfte wurden die starken Holzfäller auch beim Rechen eingesetzt.
    Probleme gab es immer dann wenn das Hochwasser mit der Triftzeit zusammenkam.
    Und ich glaube auch, dass der größere Teil weiter nach Hall verbracht wurde. Das Salz war wichtiger, dieses brachte dem Land Geld.

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