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Hofers Gebeine

Hofers Gebeine

Heute vor 200 Jahren wurden in der Innsbrucker Hofkirche die Gebeine von Andreas Hofer feierlich bestattet. Im heutigen Beitrag blicken wir daher ein wenig zurück auf die Überführung von Hofers Gebeinen aus Mantua, wo dieser hingerichtet wurde, nach Innsbruck. Diese zunächst geheime Aktion und die anschließende feierliche Beisetzung waren ein wichtiger Schritt in der Entwicklung einer Erinnerungskultur an Hofer, gab es damit nun einen Erinnerungsort an den Passeirer Sandwirt.

Andreas Hofer war bekanntlich am 20. Februar 1810 in der Zitadelle an den Ufern des Mincio hingerichtet und dort begraben worden. Etwas mehr als ein Jahrzehnt später, im Jänner 1823 wurden die Gebeine Hofers schließlich von Kaiserjägern unter der Führung von Georg Hauger – im heutigen Titelbild zu sehen – in Mantua geborgen und nach Tirol geschafft. Hauger eilte damals schon ein gewisser Ruf voraus, hatte er sich doch schon als junger Mann im Jahr 1809 ausgezeichnet. Er stammte ursprünglich aus dem Breisgau, den ehemaligen österreichischen Vorlanden, und hatte sich als 17-jähriger im Sommer 1809 der Erhebung der Tiroler angeschlossen. Dabei nahm er im August 1809 am Kampf um die Lienzer Klause teil. Mit diesem Ereignis nahm seine erste Verklärung ihren Ursprung als er in scheinbar aussichtsloser Situation ein Kreuz ergriff, mit diesem voranstürmte und somit den Sieg in der Schlacht einläutete.

Bild einer Plastik, die Georg Hauger darstellt. Stadtarchiv/Stadtmuseum Ph-277.

Auch in den folgenden Kriegsjahren war Hauger noch in unterschiedlichen Regimentern aktiv, saß zeitweilig in bayerischer Gefangenschaft und trat 1816 schließlich den Kaiserjägern bei. 1822 war er zum Offizier aufgestiegen. Als er mit seiner Truppe auf dem Rückmarsch von Neapel, wo österreichische Truppen einen Putsch niedergeschlagen und die napoleonische Nachkriegsordnung wiederhergestellt hatten, durch Mantua kam, hatte er sich der allgemeinen Überlieferung nach kurzerhand dazu entschlossen, die Gebeine Hofers zu exhumieren (auf einer Karte, die im TLMF aufbewahrt wird, ist das klandestine Ereignis auch in Szene gesetzt) und sie nach Tirol zu bringen. Dort wurden die sterblichen Überreste zunächst bei den Serviten verwahrt.

Nekrolog auf Georg Hauger, Wiener Zeitung, 30. November 1859.

Ein solches Ereignis blieb natürlich nicht lange geheim, besonders nicht vor dem Gubernium und dem Wiener Hof. Letzterer hatte die Aktion Haugers gar nicht goutiert, war man dort doch bestrebt, die Erinnerung an Hofer, an das widerständige Tirol, nicht zu befördern. Vor vollendete Tatsachen gestellt ordnete Kaiser Franz dann allerdings doch die feierliche Beisetzung der Gebeine Hofers in der Hofkirche in Innsbruck an, die wie erwähnt heute vor 200 Jahren von statten ging. Ein Bericht über dieses Ereignis findet sich im amtlichen Boten für Tirol.

Bote von und für Tirol und Vorarlberg, 17. März 1823.

Wenig später erfolgte dann auch die Ausschreibung für ein Denkmal für Hofer. Die Schaffung, Errichtung und Einweihung desselben im Jahr 1834 ist aber wieder eine andere Geschichte. Haugers Gebeine hatten im Übrigen ein ähnliches Schicksal wie jene Hofers. Nachdem er 1859 in Wien gestorben war, wurde er zunächst am St. Marxer Friedhof beigesetzt. Im Jahr 1935 wurden schließlich auch seine sterblichen Überreste exhumiert, in die Innsbrucker Hofkirche übergeführt und dort am 20. Februar feierlich beigesetzt – auch der Ständestaat benötigte Helden.

Innsbrucker Nachrichten, 20. Februar 1935.
Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Nachdem der Beitrag zum Faschingsdienstag von der Redaktion vermisst wurde : Das Stichwort dazu hätte wohl die Statue mit dem zwielichtigen Kreuzfuchtler geliefert. Musterbeispiel für die Redewendung „Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur ein Schritt“.
    Der Spruch vom Erhabenen stammt von Napoleon, dem angeblichen Erzfeind Tirols.

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