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Halt! Staatsgrenze!

Halt! Staatsgrenze!

Grenzkontrollen an den Staatsgrenzen in Tirol sind mittlerweile relativ lang passé – zum Glück finde ich. Auf unseren beiden Bildern aus dem Herbst 1927 blicken wir auf die Verhältnisse an der Brennergrenze. Ein größerer Komplex der hier selbstverständlich gänzlich fehlt ist die kapitalistische Pilgerstätte, auch bekannt als Brenner-Outlet. Ebenfalls noch nicht einmal ideell vorhanden war die Pfarrkirche Maria am Wege, nur der Turm der Pfarrkirche St. Valentin ragt hervor.

Lassen Sie uns zum Thema Zoll zurückkehren. Trotz meiner jungen Lebensjahre schweben selbst mir noch graue Bilder von Zollkontrollen vor Augen – hauptsächlich von der Zollstelle Kufstein. Fragt man die älteren Generationen in besagtem Bezirk nach Schmuggel-Stories, dann kann man zahlreiche Bände füllen. In dem erst kürzlich erschienenen 4. Band der „Edition Kufstein“ findet man beispielsweise solche Erzählungen. Ich gebe zu, auch aus der eigenen Familie gäbe es diesbezüglich den ein oder anderen Beitrag.

Mich würde aber Interessieren ob sich die Erfahrungen der InnsbruckerInnen mit denen der zollflüchtigen Unterländler decken. Was wurde denn gerne über die italienische Grenze undeklariert überstellt? Wer weiß, vielleicht waren die Beamten am Brenner ja nachsichtiger als bei uns.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Slg. Gottfried Newesely, GoNe-8798, GoNe-8797)

Dieser Beitrag hat 11 Kommentare
  1. Meine Nachbarin sagt, dass man hier oft Schuhe und Lederwaren geschmuggelt hat. Zum Beispiel unter Äpfeln und anderem Obst versteckt.

    1. Vielen Dank an Ihre Nachbarin und an Sie Herr Auer 🙂
      Wenn ich mich nicht irre sind Lederwaren in Italien immer noch günstiger als hierzulande.

  2. Die Edition Kufstein ist sehr interessant und informativ. Im Rahmen des Projekts „Kufstein schreibt Stadtgeschichte“ sind offenbar mindestens sieben Editionen und ein Stadtalbum geplant.

  3. Manche Urlaubsgäste aus Deutschland buchten ihren Sommerurlaub genau so, dass sie den zweimal im Monat stattfindenden Brennermarkt nicht einmal, sondern beide Male besuchen konnten. Hier wurde von den Gästen immer viel eingekauft.

  4. Das ist ja heute alles verjährt und so darf ich meine „wildeste“ Schmuggelei erzählen. Wir waren zu viert, alle zwischen 20 und 30 Jahre alt, in meinem klapprigen Renault R4 nach Sterzing gefahren um uns mit Schottischen Single Malt Whiskys zu versorgen. Erlaubt war die Mitnahme von einer Flasche Hochprozentigem pro Kopf. Es waren jeweils sechs oder sieben Flaschen. Wir wurden glücklicherweise einfach durchgewinkt und hatten dann ca. 25 Flaschen daheim am Wohnzimmertisch – eine legendäre Verkostung durfte stattfinden :-), wir haben es nicht geschafft jeden Whisky an diesem Abend zu beurteilen.

  5. Meine Brennergeschichte spielte sich zwar nicht am Brenner selbst ab, sondern im Personenzug bald nach Franzensfeste. Mein damaliger Freund – der spätere und leider 2018 verstorbene Landtagsdirektor HR Dr. Raimund Skoficz, und ich hatten 1951 gerade unsere ersten Reisepässe erhalten. Das war ein Grund, gemeinsam Verwandte in Obermais bei Meran zu besuchen. Es war dies unser erster Grenzübertritt, natürlich ging dafür nichts ohne Pass (dazu kam später sogar noch ein Visum – nach Südtirol!).
    Auf der Rückfahrt stiegen in Franzenfeste österreichische Zollerler zu, die bis zum Brenner sämtliche Personen durchkontrollierten. Raimund hatte eine Wehrmachtsfeldflasche mit, diese hatten die Verwandten noch mit eigenem Wein, bestimmt für seinen Vater, gefüllt. Die Zollbeamten waren entsetzt. Jugendliche möchten Wein über die Grenze schmuggeln! All unsere Beteuerungen, dass dieser Wein ein Mitbringsel für daheim sei und wir davon keinen Schluck trinken werden, nützten nichts. Raimund musste damit ins WC und dann die leere Flasche vorweisen!

  6. Meine Schwester hat auch einmal einen Schmuggelversuch am Brenner unternommen. Es blieb allerdings beim Versuch. Damals wurde Wolle noch nicht als Knäuel, sondern in Strähnen angeboten. Zu Hause musste dann ein Familienmitglied für kurze Zeit seine Unterarme zur Verfügung stellen, darüber wurde der Strähn gespannt und eine zweite Person wickelte die Wolle ab, machte sozusagen aus dem Wollsträhn einen Wollknäuel.

    Auf dem Brenner-Markt erstand meine Schwester einst einige solcher Wollsträhnen. Um die Verzollung zu umgehen, wickelte sie sich die Strähnen unter ihrem Pullover um den Oberkörper. Dem Zöllner schien die Frau mit der etwas unförmigen Figur wohl verdächtig. Die Wolle wurde entdeckt und einbehalten, eine Strafzahlung war ebenfalls fällig. Ein teurer Nicht-Kauf, aus dem meine Schwester ihre Lehren gezogen hat. Sie wurde allerdings noch viele Jahre nach dieser doch recht blauäugigen Aktion von uns aufgezogen.

  7. Es war auch üblich, in den 60- und 70ern, mit seinem Fiat oder Alfa nach Südtirol zu fahren, um dort kleine Reparaturen zu einem günstigem Preis durchführen zu lassen. Dies bekamen die Zöllner bald mit, es wurden einige Spitzel engagiert um bei den Werkstätten zu kontrollieren. War ein Tiroler Kennzeichen dabei wurde es an die Grenze gemeldet. Die Zöllner kontrollierten diesen PKW auf Reparaturschein und Kassenbeleg. Bei nichtanmelden konnte so eine Auspuff-Reparatur dann recht teuer werden.
    Und vom Brennermarkt kamen viele trotz sommerlicher Hitze viele mit mehreren Pullovern an über die Grenze.

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