Grab gesucht
Nein, dieser Beitrag ist keine Drohung. Auch kein verzweifelter Aufschrei (die Wohnraumknappheit hat derzeit noch nicht das Jenseits erreicht). Er richtet sich nicht an morbide Halloweenfans. Und ich hoffe sehr, dass niemand so lange nicht mehr am Familiengrab war, dass er/sie es am morgigen Allerheiligentag nicht mehr findet…
Nein ich nehme den Anlass zum Anlass, wieder einmal auf die mittlerweile sieben Jahre alte Gräbersuche der städtischen Friedhosverwaltung zu verweisen, auf der man nicht nur die aktuellen, sondern auch aufgelassene Gräber findet. Eigentlich also eine Verstorbenensuche. Nur wenn jemand exhumiert und umgebettet wird, dann wird auch das Grab verschoben, wie man mir dortamts erklärte.
Aus Verwaltungsgründen völlig verständlich, aus Nutzergründen natürlich höchst bedauerlich ist der Umstand, dass diese Datenbank lediglich auf die Daten der städtischen Friedhöfe zugreifen kann. Und das sind lediglich 8 von 20 Friedhöfen auf Innsbrucker Stadtgebiet. Für die Rätselfreunde: Können Sie alle nennen, ohne auf diese Liste zu klicken?
Für fünf kirchliche Friedhofe gibt es inzwischen ebenfalls eine Suche (die für jeden der Friedhöfe separat durchzuführen ist), allerdings erst ab ca. 2010 – es wird also noch ein Weilchen dauern, bis sie für historische Forschungen wirklich nützlich ist. Auch bei anderen Friedhöfen finden sich einzelne Suchfunktionen.
Die Onlinesuche zeigt übrigens, dass man auf einer Website namens „Find a Grave“ selbst Gräber eintragen kann. Dass das der Renner wird, kann ich mir nicht ganz vorstellen. Da bräuchte es Sammler:innen und Fotograf:innen, die sich ganz diesem Zweck verschreiben. Bei der Gelegenheit, ich erinnere mich, dass vor einigen Monaten ein Besucher bei uns war, der leidenschaftlich Tiroler Friedhöfe fotografisch dokumentiert – und zwar jedes einzelne Grab.
Das heutige Titelbild ist bei uns als Depotfund aufgetaucht und stellt einen Vorläufer der heutigen Datenbanken dar. Der zur Heftform faltbarer Friedhofsplan mit den Namen der Bestatteten stammt wohl aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Um herauszufinden, um welchen Friedhof es sich handelt, habe ich einzelne Gräber mit der Grabsuche abgeglichen – jeweils ohne Erfolg. Die englischen Fräulein rechts oben haben dann zum Fallen des Groschens geführt, mit dem Eintrag ganz links oben „Ehrengrab der Stadt Meran“ traf er klingend auf dem Boden auf. Nachdem diese Gräber bei uns niemand sucht, darf auch der Plan statt in unsere Bestände ab in den Süden reisen.