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Der Fluch Des Goldes

Der Fluch des Goldes

„Fluch des Goldes“, „Urwaldzauber und Urwaldschrecken“, „Wilde Welt“ – Abenteuer und koloniale Exotik im Werk von Leopold Gheri.

Zum 70. Geburtstag des gebürtigen Innsbruckers Leopold Gheri (1866 – 1952) finden sich einige Artikel zu dem als „Reiseschriftsteller“ und „Malerpoet“ bezeichneten Autor in den Tiroler Zeitungen. So fasst die Innsbrucker Zeitung am 3. Juli 1936 zusammen, was den Tiroler Schriftsteller vor allem auszeichnete: „Sein Lieblingsfach wurde aber die Betätigung auf dem Gebiete des besonders von der Jugend alter und neuer Zeit sehr begehrten Reise- und Abenteuerromans, wo ihm durch die erstaunlichen Erfolge der Karl-May-Romane und durch seine eigene phantasievolle, auch wie Karl May Landschaft und Leute eingehend und spannend schildernde Schreibweise der Weg in die Zeitschriften und den Buchvertrieb des In- und Auslandes, auch in fremdsprachigen Ländern für die Übersetzungen seiner Werke gebahnt wurde.“

In einem weiteren Artikel zu Gheris 70. Geburtstag beschreibt Hans Lederer in der Neuesten Zeitung vom 1. Juli 1936 den Weg, den Leopold Gheri als Maler bestritt: „In den Zwischenzeiten seiner großen Reisen folgte Gheri seiner künstlerischen Neigung und trieb Malstudien an der Hochschule in Weimar, an der Akademie in Karlsruhe und in Venedig. In Weimar und Karlsruhe kam er auch viel an den Hof, besonders zum Großherzog Karl Alexander von Sachsen-Weimar, der als Knabe Goethe noch gekannt und gern davon erzählt hat. Wenn Gheri auch schon als Bub gezeichnet und gemalt hatte, so hat er doch erst Edmund von Wörndle seinem Talent den richtigen Weg gewiesen; er wendete sich von den Vorlagen ab und begann nach der Natur zu malen, mit Vorliebe versuchte er sich als Tiermaler, wozu ihm herumziehende Menagerien willkommene Gelegenheit boten. Seine Schulung als Kunstakademiker erhielt er dann durch den Tiermaler Albert Brendel In Weimar, der einer der Meister der „Schule von Barbizon“ war. Nachher kam er zu dem Landschafter Theodor Hagen, dann arbeitete er an der Karlsruher Akademie in der Meisterklasse des Tiermalers Viktor Weißhaupt und schließlich in Venedig bei dem Freilichtmaler Guglielmo Ciardi. Gheris dreiteiliges Temperagemälde „Venedig“ ist im Bozner Museum zu sehen, viele andere befinden sich in Privatbesitz.“

Hans Lederer betont im Artikel der Neuesten Zeitung, dass Gheri vor allem auch im Deutschen Reich Zuspruch als Schriftsteller erfuhr. Zugleich werden die Stationen seiner weitreichenden Reisen und die oft damit verknüpften Werke aufgezählt. Man merkt dem Artikel in der Neuesten Zeitung und auch den Titeln von Gheris Werken den wenig hinterfragten kolonialen Gedanken der „wilden Menschen“ bzw. der unbekannten „wilden Welt“ deutlich an. Zugleich dürfte die Exotik der Reiseziele und der gewählten Themen eine Anziehung auf die damalige Leserschaft gehabt haben: „Als Teilnehmer an Forschungsreisen oder selbständig kam Gheri weit in der Welt herum. Er durchquerte die Sahara („In fernen Zonen“, 1924, „Erlebnisse in der Sahara“, 1928), bereiste den Sudan und Aegypten („Die rächende Nemesis“, 1906), durchforschte auf dem italienischen Schiffe „Beata“ das Rote Meer und den Indischen Ozean („An Arabiens Gestaden“, 1907), bestand in den südamerikanischen Urwäldern und Bergwildnissen aufregende Abenteuer mit wilden Tieren und oft noch wilderen Menschen, wobei sein Leben oft nur mehr an einem Haare hing, durchzog die schaurigen Oeden von Arizona und der Sonora und überstieg auf einer Reise von Bolivien nach Peru die Kordilleren („Wilde Welt“, 1907, „Unter Dämonen“, 1910, „Stierkampf in Brasilien,“ 1924, „Indianerwache“, 1924, „Urwaldzauber und Urwaldschrecken“, 1925, „Durch pfadlose Wildnis“, 1925, „Der schwarze Jaguar“, 1928).“

Auch auf die besondere Verbindung zwischen Gheri und Karl May geht Hans Lederer ein und wusste sogar, wie der persönliche Kontakt zum weithin bekannteren und um einiges älteren Schriftsteller zustande kam: „Von Mitte 1906 bis Ende 1907 war er Schriftleiter des „Kunstfreund“ in Innsbruck. Dadurch ist er auch mit Karl May in Verbindung getreten, der für Gheris Zeitschrift die „Kunstbriefe“ schrieb. Er ist mit May bis zu dessen Tod auf freundschaftlichem Fuße gestanden und machte dessen persönliche Bekanntschaft im Sommer 1911 auf der Mendel. Uebrigens war Gheri einer der ersten, der, als Schriftsteller dem Schriftsteller helfend, mannhaft für May eingestanden ist, weil er Mitleid mit dem von seinen Feinden gehetzten alten Manne hatte.“

Auch als Mitarbeiter zahlreicher Tiroler Blätter war Leopold Gheri tätig. 1908 bis 1909 übernahm er die Leitung der Gardaseepost und verfasste hier redaktionelle Artikel zu heimatbezogenen Themen. Außerdem wirkte er in den Zeitschriften Burggräfler, Immergrün, Epheuranken, Raphael, Sonntagsglocken, Jugendpost sowie in den Tiroler Heimatblättern mit. So wurden seine Romane ganz in der Tradition der 1920er und 1930er Jahre in Fortsetzungen u. a. im Haller Lokal-Anzeiger oder im Schwazer Lokal-Anzeiger veröffentlicht.

Den Stil und die inhaltliche Ausrichtung der literarischen Werke Leopold Gheris beschreibt Hans Lederer im Artikel zum 70. Geburtstag in kaum verborgener Bewunderung: „Was Gheri erlebt und mit hellen Augen gesehen hat, breitet er, unterstützt von einer überaus üppigen Phantasie, anschaulich und lebendig vor dem Leser aus. Er weiß mit Frische und Lebendigkeit zu erzählen, mit Gemütswärme und einem sonnigen Humor, der ihn auch in den schwersten Lagen nicht verläßt, durch einen geschickten Aufbau der Handlung gelingt es ihm mühelos, den Leser in Spannung zu halten und durch lebensnahe Darstellung in seinen Bann zu ziehen. Eine besondere Stärke seiner Erzählungskunst ist die Naturschilderung. Da kommt der Maler zu Wort, der die Wunder der Schöpfung, die eigenartige Schönheit fremder Länder und Völker, die bunte Pflanzen- und Tierwelt mit außerordentlicher Naturtreue zu zeichnen versteht.“

Im EU-Projekt EODOPEN werden Bücher des 20. und 21. Jahrhunderts auf Vorschlag digitalisiert. Das Formular für Vorschläge finden Sie auf der Website der Universitäts- und Landebibliothek Tirol. Wenn Sie an bestimmten Titeln interessiert sind und uns entsprechende Vorschläge machen, werden ausgewählte Titel nach Prüfung der Urheberrechte über die die Digitale Bibliothek verfügbar gemacht. Einige Werke von Leopold Gheri wurden anlässlich des Public Domain Day 2023 digitalisiert: https://diglib.uibk.ac.at/ulbtirol/nav/classification/8302958

Die Inhalte der genannten Tiroler Zeitungen stehen nach einer umfassenden Digitalisierungsoffensive im Interreg-Projekt Zeit.shift online zur Verfügung. Demnächst werden die Zeitungen über ein neues Portal verfügbar gemacht. Die Links zu den gesamten Inhalten der im Artikel genannten Zeitungen sind (in Auswahl):

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Der gute Mann scheint ja gründlich in Vergessenheit geraten zu sein. Schade, habe nie von ihm oder seinen Werken gehört, was freilich auch nichts heißen mag. Romane der damaligen Zeit hab ich bisher zwar als schwulstig überladen empfunden, aber das wird ja nicht für alle zutreffen und überdies empfand man es damals sicher anders.

  2. So unbekannt ist der Autor im Kontext der Tiroler Literatur allerdings nicht, was der Eintrag mit der relativ niedrigen Kennnummer 189 im Literaturlexikon (bereit gestellt vom Brenner-Archiv / Universität Innsbruck) zeigt: https://literaturtirol.at/lexikon/189
    Auch hier ist der Lebenslauf noch einmal zusammengefasst – außerdem gibt es Verweise zu allen Werken von Leopold Gheri und auch zur Sekundärliteratur über ihn.

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