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Ein Betrüger Und Heiratsschwindler Vor Gericht

Ein Betrüger und Heiratsschwindler vor Gericht

Der im Jahr 1887 in Hötting geborene Franz Walter stand ab 4. März 1913 in Innsbruck vor Gericht. Ihm wurden zahlreiche Betrugsdelikte und Heiratsschwindel vorgeworfen. Er war bereits vorbestraft und erst im Jahr 1910 nach zehn Monaten Haft aus dem Gefängnis entlassen worden. Ein paar Monate nach seiner Entlassung war er nach München gegangen, wo er sich seinen Lebensunterhalt nicht durch ehrliche Arbeit, sondern durch zahlreiche Betrügereien „verdiente“. Aber auch in Tirol beging Walter mehrere Straftaten. Am 11. Juli 1912 konnte er schließlich in Innsbruck verhaftet werden und kam in Untersuchungshaft.

Der mehrtägigen Prozess fand im März 1913 statt: Die Innsbrucker Nachrichten berichteten darüber ausführlich und tagesaktuell am 4., 5. und 6. März 1913. Am ersten Prozesstag wurden alle dem Angeklagten vorgeworfenen Straftaten den Geschworenen zur Kenntnis gebracht. Auch die Innsbrucker Nachrichten informierten ihre Leserschaft am 4. März 1913 über die einzelnen Delikte. Hier ein Auszug:

„Die Köchin Kunigunde Renner dort hatte in einem Münchener Blatte eine Heiratsannonce einschalten lassen, auf welche sich Walter bei der Renner als Bräutigam anbot. Er trat mit dieser in Verkehr und er­ zählte ihr, es liege in seiner Absicht, in der Schwanthalerstraße einen Zigarrenladen zu kaufen und sich auf diese Weise seine Existenz zu gründen. Walter bot der Renner das Heiraten an. Kunigunde Renner war mit dem Antrage einver­standen, sie schenkte ihm Vertrauen und zwar so viel, daß sie ihm im August 1911 den Betrag von 1760 Mark ausfolgte, welchen Walter von ihr angeblich zum Ankaufe des Zigarrenladens be­gehrt hatte. Sie gab ihm Pfandbriefe im Nominal­werte von 1600 Mark. Walter machte dann mehr­mals Andeutungen, daß er den Zigarrenladen schon gekauft habe, aber im nächsten Monat ging er seine Braut schon wieder um 1000 Mark an, weil er eine Tiroler Sängergesellschaft fürs Oktober­fest nach München engagiert habe und 1000 Mark Kaution erlegen müsse. Nach längerem Sträuben erhielt Walter 950 Mark, als er aber wenige Tage später wieder 100 Mark begehrte, wurde sein Begehren abgeschlagen, denn die Ersparnisse der Renner waren aufgebraucht. Sein Verhältnis mit der Köchin wurde von ihm bald darauf gelöst, denn der Betrüger hatte seine Absicht erreicht. […]

Einige Zeit später fuhr Walter mit dem Realitätenvermittler Hans Wimplinger aus München, dem er ebenfalls von einem Vermögen von 18.000 Mark vorgeredet hatte, nach Tegernsee, wo er mit der Besitzerin des Bahnhof-Gasthauses in Gmund, Marie Maisenberger, in Kaufsverhandlungen trat, indem er ihr die falsche Tatsache vormachte, in glänzenden Vermögensverhältnissen zu sein. Er bekomme von seinem Vater 70.000 Mark und seine Braut besitze 7-8000 Mark. Zu Beginn des Jahres 1912 kaufte Walter tatsächlich die Bahnhofrestauration in Gmund […]. Von Karl Wallner, Bäckergehilfen in München lieh er den Betrag von zusammen 5230 Mark aus, indem er ihm […] eine Existenz in der Restauration in Aussicht stellte. Nach dem Kaufvertrage betrug der Preis für das Hotel 115.000 Mark, wovon 81.000 Mark an Hypotheken zu übernehmen, 4000 Mark bar zu erlegen und das übrige später abzuzahlen war. Die 4000 Mark hatte er von dem leichtgläubigen Wallner ausgeliehen, dem er Mitbesitz an der Realität versprochen hatte, aber in dem Kaufvertrage, den der geschäftsunkundige Wallner ahnungslos mit unterschrieb, war von diesem Punkte gar keine Rede, ja Wallner war nach dem Kauf­vertrage auch noch für den ganzen restlichen Kauf­preis Bürge. Nach dem Zusammenbruche des auf Betrug aufgebauten Unternehmens in Gmund machte sich Walter im April 1912 heimlich aus dem Staube. Wallner wurde dadurch um sein ganzes Vermögen gebracht und erleidet einen Schaden von 5230 Mark.

Im Februar 1912 wurde Walter mit der heirats­lustigen Privaten Anna Burkhard in Krailling am Starnbergersee bekannt, der er ebenfalls von seinem angeblichen Vermögen und seinen glänzenden Verhältnissen erzählte. Sie schenkte dem Manne Ver­trauen und streckte ihm auf sein Verlangen einen Betrag in der Höhe von 10.000 Mark vor. Anfangs März 1912 schlossen beide vor einem Notar in Tegernsee einen Ehevertrag, wonach zwischen ihnen Gütergemeinschaft herrschen sollt‘. Als Walter zwei Tage darauf von seiner Braut wieder Geld begehrte, verweigerte sie ihm dieses. Nun zeigte sich Walter von einer neuen Seite; er schlug Anna Burkhard auf den Kopf, bedrohte sie mit Erschlagen und wies sie aus dem Hause. Die Bedauernswerte hatte mehrfache Verletzungen er­litten. Walter mußte sich dann der Anna Burkhard gegenüber vertragsmäßig als Schuldner der von ihr erhaltenen Beträge von zusammen 10.500 Mark bekennen, welche auf seiner Realität sicherge­stellt wurden. Der Angeklagte suchte dann sein Heil in der Flucht und als das Hotel unter den Hammer kam, wurde es um 79.500 Mark ver­steigert. Anna Burkhard fiel mit ihrer Forderung durch, sie erleidet also einen Schaden von 10.500 Mark. […].“

Am 5. März 1913 berichteten die Innsbrucker Nachrichten über den Fortgang des Prozesses und wie sich der angeklagte Franz Walter versuchte zu verteidigen unter anderem folgendes: „Der Angeklagte gibt zwar alle ihm zur Last gelegten Delikte zu, er stellte aber jede betrügerische Absicht in Abrede und zwar tat er dies mit einer Raffiniertheit sondergleichen, mit Aufgebot eines ununterbrochenen Redeschwalls und mit einer Geschicklichkeit, wie sie eben Hochstaplern eigen sind. Jedem Vorbehalt wußte er mit seiner guten Absicht zu begegnen, die Anschuldigungen versuchte er durch knifflige Ausflüchte zu beschönigen und sie als ungerechtfertigt darzustellen.“

Doch alle Ausreden und Beschönigungen nutzten dem Angeklagten nichts: Er wurde am 6. März 1913 zu fünf Jahren schweren Kerkers – verschärft durch einen Fasttag alle drei Monate – verurteilt. Laut Gerichtsurteil musste Franz Walter zudem die Prozesskosten selbst tragen und den angerichteten finanziellen Schaden wiedergutmachen. Ob ihm das tatsächlich gelungen ist und ob er nach seiner Haft ein rechtschaffener Bürger wurde entzieht sich leider meiner Kenntnis.

(Stadtarchiv Innsbruck, Ph-11501)

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