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Eine Halbe Doppelkirche

Eine halbe Doppelkirche

Sollten sie noch überlegen, wo Sie morgen den Sonntagsgottesdienst besuchen wollen: Hier in Mariae Heimsuchung geht es nicht mehr. Das Gotteshaus ist profaniert und dient nun als institutionalisiertes Ausweichlokal einer Tanzschule (der untere Teil) und als Veranstaltungssaal der städtischen Musikschulen (oberer Teil). Wenn Sie sich bei einem Konzert oder einer Ausstellung dort oben im Ursulinensaal schon einmal über die abgezwackten Fenster, die nicht erklärbaren Stuckbänder und die insgesamt unrund wirkenden Proportionen des Saales gewundert haben: So wie im Bild oben haben es die drei an der Errichtung beteiligten Baumeister der Familie Gumpp eigentlich geplant und von 1700-1705 für den gerade erst nach Innsbruck gekommenen Orden der Ursulinen gebaut.

Da es in Innsbruck immer zu wenige Veranstaltungsräume gibt, bespielen wir als Stadtarchiv/Stadtmuseum die obere Halle auch gerne und nützen die Gastfreundschaft des Kollegen Wolfram Rosenberger. Errichtet noch als Raiffeisensäle von einer gleichnamigen Bank, ist dieser Bereich der am wenigsten misslungene des ganzen Blocks. Alle Chancen, hier ein (für Innsbrucker Verhältnisse) riesiges innerstädtisches Entwicklungsgebiet zu gestalten, sind an den Bauherren (und den Architekten, Namen der Redaktion bekannt) gescheitert, die hier ein Freilichtmuseum schlechten 1980er Geschmacks errichtet haben, dessen Innenhof nicht nur bei 1 cm Neuschnee eine rutschige Todesfalle für Mensch und Tier ist sondern das ganze Jahr völlig ungenützt vor sich hin dümpelt. Dass man hier, in Steinwurfweite zur Altstadt, ein derart unurbanes (und eben auch ohne darüber diskutieren zu müssen in seiner Gestaltung gänzlich misslungenes) Niemandsland in die Stadt bauen hat lassen, ist eine Mischung aus falsch verstandener private-public-partnership und der chronischen Geldknappheit der Stadt, die nach Olympia nie die Ressourcen hatte, solche Orte selbst und damit im Sinn der Einwohner*innenschaft zu gestalten.

(Foto Richard Müller)

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