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Ein Vergessener Publikumsliebling

Ein vergessener Publikumsliebling

Heute, knapp 80 Jahre nach seinem Tod, ist der Militärkapellmeister Karl Mühlberger, wenn überhaupt, so wohl nur mehr in der Blasmusikszene ein Begriff, obwohl er mit dem „Kaiserjägermarsch“ (Op. 42) eines der populärsten Stücke dieses Genre geschaffen hat.

Und das kam so. Karl Mühlberger war am 21. August 1857 als Sohn des k. k. Lotto-Kollektanten in Spitz an der Donau, Johann Mühlberger, und dessen Frau Josefa, geb. Sparrer zur Welt gekommen. Der musiklasisch begabte Bub absolvierte zunächst eine Bäckerlehre, ehe er nach Wien ans Konservatorium ging, wo er u.a. vom Violinvirtuosen und späteren Hofkapellmeister Joseph Hellmesberger sen. (1828-1893) Unterricht erhielt.

Nun war das Leben für einen angehenden Musiker auch in einer musikbegeisterten Stadt, wie es Wien im ausgehenden 19. Jahrhundert war, nicht einfach. Nicht wenige Größen der Wiener Musik – man denke nur an Carl Michael Ziehrer, Karl Komzák jr. oder Franz Lehár – dienten zumindest zeitweise als Musiker bzw. Kapellmeister in der österreichisch-ungarischen Armee und auch Mühlberger entschied sich schließlich für eine Laufbahn bei der Militärmusik.

Er hatte dabei nicht nur das Glück unter den bekannten Kapellmeistern und Komponisten Komzák jr., Ziehrer und Franz Josef Wagner in einigen der besten Regimentsmusiken der Monarchie zu spielen, sondern es gelang ihm auch, seine Vorgesetzen von seinen musikalischen Fähigkeiten zu überzeugen. Wenig verwunderlich also, dass er 1898 selbst eine der prestigeträchtigsten Kapellmeisterstellen erhielt, die die Armee zu vergeben hatte. Mit dem 1. Oktober jenen Jahres wechselte Mühlberger von der Musik des steirischen Infanterieregiments Nr. 47 zu jener des 1. Regiments der Tiroler Kaiserjäger nach Innsbruck.

Beim Innsbrucker Publikum erwarb er sich rasch einen guten Namen, wie folgende Konzertkritik vom 3. Dezember 1898 nahelegt: „Was das Concert selbst betrifft, muss gesagt werden, dass dem neuen Kapellmeister Karl Mühlberger volles Lob und uneingeschränkte Anerkennung für die treffliche Leitung und gute Schulung der Kapelle unseres heimischen Regi­mentes gebürt. Das Concert erfreute sich eines Massenbesuches, so dass alle Räumlichkeiten von einem sehr distinguierten Publicum über und über überfüllt waren und es schwer fiel, ein Plätzchen zu erringen. Mit diesem überaus gelungenen Concert, bei welchem die Officiere unseres Jäger-Regiments mit dem Herrn Oberst Minarelli an der Spitze in liebenswürdigster Weise die Honneurs machten, fanden die Jubelfeierlichkeiten erst in später Nacht ihr stimmungsvolles Ende.“ (IN v. 3.12.1898)

IN v. 5.11.1900

Neben seinen militärischen Dienstpflichten und zahlreichen Konzerten komponierte Karl Mühlberger über 70 Werke. Anlässich seines 25jährigen Dienstjubiläums fand am 4. Juni 1903 ein Konzert in den Innsbrucker Stadtsälen statt, dessen Programm „hauptsächlich die populärsten Kompositionen des Jubilars aufweist. Die vielen Freunde und Gönner, die Kapellmeister Mühlberger in Innsbruck besitzt, werden sich gewiß die Gelegenheit, ihren Liebling zu feiern, nicht entgehen lassen.“

Zum Mühlbergers Kompositionen zählen u.a. der „Mathilden-Walzer„, der „Innsbrucker Liedertafel-Marsch“ und eine „Große Phantasie aus der Oper ‚Tosca‘ von Giacomo Puccini“. Allerdings sind nahezu alle seine Werke heute in Vergessenheit geraten. Lediglich sein im Sommer 1914 komponierter „Kaiserjägermarsch“ gelangt auch heute noch regelmäßig zur Aufführung.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Zerfall der Habsburgermonarchie hängte Mühlberger den Uniformrock an den Nagel. Fortan wirkte er als ziviler Kapellmeister und Musiklehrer. Er starb am 15. März 1944 in Wien.

(StAI, ohne Signatur)

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  1. Das Grab von Karl Mühlberger befindet sich am Wiener Zentralfriedhof, nicht weit entfernt von den Ehrengräbern, Gruppe 15 F, Reihe 1, Nr. 14. Er ruht dort an der Seite seiner Gattin Karoline und seines Sohnes Karl, gefallen im November 1914 in Galizien als Leutnant im 1. Regiment der Tiroler Kaiserjäger.
    Anläßlich des 60. Todestages wurde das Grab vom Jahrgang „Kaiserjäger“ der Theresianischen Militärakademie, von der Tiroler Kaiserjägermusik und dem Tiroler Kaiserjägerbund restauriert und am 14. Juli 2004 in Anwesenheit einer Abordnung des Jahrgangs „Kaiserjäger“ und einem Fahnentrupp des Tiroler Kaiserjägerbundes vom Militärdekan der Akademie feierlich eingeweiht.

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