Ein Unglück bei der Karwendelbahn
Heute vor 100 Jahren entgleiste ein Zug auf der Karwendelbahn (bzw. nach heutigen Begriffen der Außerfernbahn) auf der Linie zwischen Reutte und Garmisch-Partenkirchen. Laut Bericht der Innsbrucker Nachrichten lehnte sich der Lokführer aus dem Fenster, um etwas an dem Leitungsbügel zu kontrollieren und stürzte dabei hinaus. Der Zug befand sich gerade auf einem abfallenden Teil der Strecke und nahm rasch Fahrt auf. Als die Notbremse betätigt wurde, war die Geschwindigkeit bereits zu hoch und der Zug, neben der Lokomotive aus drei Personen-, zwei Lasten- und einem Gepäckswagen, entgleiste. Die Schienen wurden dabei aufgerissen und zahlreiche Bäume von den umstürzenden Wagons gefällt. Vier Passagiere wurden schwer, sieben weitere leicht verletzt. Der aus dem Zug gestürzte Fahrer überlebte das Unglück ebenfalls – er schaffte es zur letzten Station zurückzugehen und von dort aus die umliegenden Stellen zu alarmieren, wodurch bald Hilfe eintraf. Die Schwerverletzten, die Kopfverletzungen davongetragen hatten, konnten von einem zufällig vorbeifahrenden Auto rasch nach Garmisch ins Krankenhaus gebracht werden. Die restlichen Passagiere kamen mit verschiedenen Graden von Prellungen und Abschürfungen davon.
Dieser Teil der Strecke wurde von den deutschen Reichsbahnen befahren, am 13. April gab daher die Reichsbahndirektion München eine Erklärung ab, in festgehalten wurde, dass der Zugführer sich zusammen mit dem Lokführer ebenfalls auf der Lokomotive befinden hätte müssen. Die hiesige Presse kritisierte das Statement, welches die Schuld dem Zugführer zuzuweisen schien, dahingehend, dass die Reichsbahn immer mehr Personal eingespart hatte, wodurch die verbleibenden Posten überlastet würden. Speziell in diesem Fall war der Zugführer gerade in ein Gespräch mit einem Passagier bezüglich eines beschädigten Gepäckstückes verwickelt und befand sich daher im Gepäckswagen.
(Signatur sommer 2_335)