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Ein Gefährliches Amt (IX.)

Ein gefährliches Amt (IX.)

Nach den Fragen um die überaus bedeutenden Verse zum Bild der Erzherzogin ging das Verhör Bieners weiter, seine gesamten Tätigkeiten im Dienste des Tiroler Landesfürsten wurden unter die Lupe genommen. Schließlich wurde er auch wegen seiner Ansprüche an die Kammer verhört. Obwohl man ihn eigentlich wegen Verbrechen gegen den Fürsten anklagen wollte, wurde er auch wegen privaten Transaktionen vernommen – so wurde im etwa vorgeworfen, er habe 600 Dukaten, die er für die Schwester des Bischofs von Freising verwahrt hatte nicht rechtzeitig zurückgezahlt.

Indes wurde der ehemalige Kanzler während seiner Gefangenschaft völlig von der Außenwelt isoliert. Er konnte mit niemanden kommunizieren, Schreibzeug war ihm streng verboten und er verbrachte die gesamte Zeit zwischen den Verhören in seiner Zelle. Sein Sohn wurde für das Verbrechen, zu versuchen, seinem Vater einen Brief zukommen zu lassen, zu sechs Monaten Haft verurteilt.

Das Urteil über ihn listete alle Vorwürfe gegen ihn erneut auf – egal mit wie viel Beweismaterial man sie hatte bekräftigen können – inklusive der „schmählichen Verse“ gegen die Erzherzogin und auch weiterer Beleidigungen gegen Ferdinand Karl und seine Räte in seinem Notizbuch. Es waren vor allem diese Beleidigungen, auf welche sich das Urteil stützte: „Deshalb ist er mit dem Schwerte vom Leben zum Tode zu richten“.

Dass sich auch die treibenden Kräfte über das Unrecht im Klaren zu sein schienen zeigt, dass der Scharfrichter, den man nach Rattenberg bestellte, angewiesen wurde, niemandem vom Zweck seiner Reise zu berichten (auch nicht seiner Frau). Er wurde heimlich ins Schloss gebracht.

Der Landrichter, welcher Biener das Urteil mitzuteilen hatte, kannte den Kanzler und war mit ihm befreundet gewesen. Er hatte zu diesem Zeitpunkt über das Urteil bereits vom Hofprediger erfahren. Der Richter bat Biener um Verzeihung, worauf dieser erwiderte, dass er weder ihm noch dem Erzherzog etwas übelnehme. Er erzählte ihm auch, dass das erste Buch, welches er in der Schule gelesen hatte, von Sir Thomas More (1478–1535) gehandelt hatte, dem Lordkanzler Heinrichs VIII. (1491–1547), den dieser aufgrund seiner Weigerung den Eid auf Heinrichs Supremat über die Kirche zu leisten, wegen Hochverrat hinrichten hatte lassen. Er habe sich manchmal gewünscht eines ähnlichen Todes zu sterben, nun habe ihm Gott diesen Wunsch erfüllt.

Zwischen 10 und 11 Uhr wurde Wilhelm Biener auf Schloss Rattenberg hingerichtet. Vier Stunden später traf ein Bote mit der Nachricht ein, der Erzherzog habe verfügt, die Hinrichtung vorerst auszusetzen.

(Schloss Rattenberg, Signatur Bi-k-69)

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