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Ein Ehemaliges Nadelöhr

Ein ehemaliges Nadelöhr

Wie man mit dem Verkehr auf den Straßen in einer Stadt umgehen soll ist stets ein heißes Eisen. Sowohl politisch als auch gesellschaftlich wird die Verbesserung fortlaufend diskutiert. Hinzu kommt, dass durch erhöhte bzw. sich verändernde Mobilität ein früheres Verkehrskonzept womöglich ausgedient hat. Ich möchte Ihnen ein interessantes Beispiel für die Umgestaltung des Verkehrskonzepts aus dem Jahr 1990 zeigen. Im Juni/Juli 1990 wurde eine Rohfassung eines neuen Verkehrsberuhigungskonzepts von deutschen Experten der hiesigen Bürgerversammlung vorgestellt. Kurz zusammengefasst ging es darum, die urbane Lebensqualität zu verbessern, indem man den innerstädtischen Verkehr für Autofahrer unattraktiver machte und stattdessen Öffis und Radfahrer/Fußgänger stärkte. Auf die Details dieses Konzeptes gehe ich nicht weiters ein, sondern verweise Sie auf die entsprechende Ausgabe der Innsbrucker Stadtnachrichten, wo Sie gerne noch einmal nachblättern können.

Einzig auf die Verbindung mit unserem Titelbild möchte ich eingehen. Bis in die 1990er Jahre wurde der Bogen am Franziskanerplatz von Autos und Bussen befahren. Parkplätze fand man ebenso entlang den Geschäften. Die Breite des Durchgangs machte diese Passage aber zu einem regelrechten Nadelöhr, da keine beidseitige Durchfahrt möglich war. Bei geringerer Mobilität (wie auf unserem Titelbild) stellt das kein unmittelbares Problem dar, steigt jedoch die Mobilität und viele Verkehrsteilnehmer möchten diese Durchfahrt verwenden, ist Stau vorprogrammiert. Auf der Seite 11 der Innsbrucker Stadtnachrichten vom Juli 1990 wird genau diese Situation abgebildet. In dem präsentierten Verkehrskonzept wurde auch die Schließung dieser Route für Autofahrer vorgesehen.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-7678)

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Das erste Bild ist ja sehr beschaulich, wenn man von den Kriegszerstörungen absieht. Es brauchte zur Verkehrsbewältigung nicht einmal eine Einbahn. Es muß aber sehr alt sein, beeindurckend ist die staubige Fahrbahn, die von der Feinverteilung des Bombenschuttstaubes herrühren wird.

    Das spätere „Nadelöhr“ war von der Stadt selbstverschuldet. Man hat sich mit dem – ebenfalls von „deutschen Experten“ geplanten – Vorgängerkonzept den schon mehrfach erwähnten Superstau eingehandelt. Ein Altstadtring mußte (wie auch in der Partnerstadt Freiburg) her, alles mußte im Kreis um die Altstadt, auch wenn man vom Innrain die paar Meter nach Hötting wollte, und dazu wurden Burg- und Marktgraben Einbahn, die Museumstraße aber nicht. Also kam noch der Abbiegeverkehr dazu. Und dann kommen solche Fotos heraus. Wobei natürlich die Presse einen besonders haarsträubend ausschauenden Zeitpunkt fürs Foto abgewartet hat, eh klar. Soo schlimm wars auch nicht immer. Und ich weiß auch nicht, wo man selber mit dem Abnicken anfängt weil man sich von daraus Nutzen ziehenden politischen Kräften aufbauen läßt. Eigentlich könnt einem das ja wurscht sein.

    1. Einen Stau handelt man sich nicht durch irgendwelche Maßnahmen ein. Der Stau wird von den Autofahrenden mit ihren grotesk ressourcenverschwendenden Gefährten erzeugt; sie _sind_ der Stau. Das hat man damals, am Ende der Ära der autogerechten Stadt, endlich erkannt. Seitdem weiß man: das Rezept gegen den Stau ist der Rauswurf des Autos. Der „Vorher/Nachher“-Vergleich der Gegenden wie eben dem „Franziskanerplatz“, die heute Zufußgehendenzonen sind und früher Autohöllen waren, zeigt doch äußerst plakativ, wie sehr die Stadt gewinnt, wenn sie die Blechkiste zurückdrängt. Heute ist das auf Grund des noch hinzugekommenen Klimaaspekts wichtiger denn je.

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