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Die Auferstehung Des Joseph Holick

Die Auferstehung des Joseph Holick

In unseren Zeiten ist es vergleichsweise einfach, den Kontakt zur Familie, Freunde und Bekannten aufrecht zu erhalten, selbst wenn eines der Weltmeere zwischen uns liegen sollte. Die modernen Kommunikationstechnologien und -plattformen machen’s möglich.

Es ist aber noch gar nicht solange her, dass sich infolge der Zeitläufe Vettern und Basen, Brüder und Schwestern, je selbst Eltern und ihre Kinder ungewollt aus den Augen verlieren konnten, selbst wenn sie des Schreibens und Lesens mächtig waren. So erging es auch den Geschwistern Holick im ausgehenden 18. Jahrhundert.

Joseph Emanuel Holick (1755-1844) wurde in Znaim geboren und trat um 1773/74 in die kaiserlich-königliche Armee ein. Von 1774 bis 1779 diente er als Gemeiner im Infanterie-Regiment Nr. 22. In weiterer Folge kam er zunächst zum k. k. Feldjäger-Corps nach Tirol, wo er unter dem Hauptmann Thaddäus Graf Taxis diente, ehe er 1787 in das „Tyrolischen Infanterie-Regiment Nr. 46“ transferiert wurde, in dessen Reihen er bis 1800/01 dienen sollte. Über seinen Militärdienst brach der Kontakt zu seinen Geschwistern ab. Seine Schwester Anna Maria, verheiratete Schwarz, hielt ihn gar bereits für tot, nachdem sie über Jahre nichts von ihrem Bruder gehört hatte. Umso mehr freute sie sich, als sie schließlich einen Brief des Totgeglaubten aus Innsbruck in Händen hielt. Da gab es natürlich einiges nachzuholen und so schrieb sie ihm unter dem 26. Juli 1798:

Herzliebster Bruder!
Mich freut es vom Herzen, daß Du Dich doch wieder meiner erinnert, und mir doch geschrieben hast, ich bin der Meinung gewesen, daß Du schon wirklich verstorben seyest, aber nun freut um so mehr Deine Auferstehung. Du schreibst mir, daß Du Dich unter Militair Stand begeben, auch schon eine Metaille [sic] verdient hast, daß Du noch immer gesund bist, und es Dir recht guth gehet, welche beständige Gesundheit und gutes Wohlergehen ich Dir, für Deine mir auf meinen Namenstag abgestattete Gratulation, von Herzen wünsche, und kurz alles, was Du Dir nur selbsten wünschest. Wir sind bishero noch gesund, ich aber war schon mit 9 Kindern beladen, wovon schon 5 gestorben 3 noch am Leben geblieben, und das 4e sschon wieder auf dem Weege [sic] ist.
Auch muß ich Dir berichten, daß wir nicht mehr in … [?] Schallerdorf, sondern dermalen bereits schon 6 Jahre lang in Edlspitz seyn. Du ersuchtest mich lieber Bruder, Dir Auskunft von der Schwester zu ertheilen, aber so vergebens Du schon einige Briefe und eine extra Persohn [sic] an sie nacher Wien abgeschickt hast, so vergebens ist auch Dein Ansuchen bey mir; denn ich selbst habe schon über 6 Jahre lang von ihr, so wie auch eine unerdenkliche Zeit von unsern Vettern nichts zu sehen, noch die mindeste Einlassung von ihnen bekommen; aber nun will ich, durch Dein auf mich gemachtes Ansuchen mich durch mein Schreiben wieder aufs neue um sie erkundigen, und sobald ich die mindeste Einlassung von ihnen bekomme, so werde ich nicht unterlassen, es Dir lieber Bruder zu wissen machen.
Die Maaß Wein kostet hier wie gewöhnlich 8 xr [=Kreuzer] und die Maas Bier 4 xr, und sonsten ist an neuigkeiten [sic] nichts anders, als das Deine alte Liebste […] dermalen schon mit 2 Kindern versehen, und das 3e schon wieder auf dem Marche [sic], zu jedem Kinde ein anderer Vater, und von ihrem Mann aber nicht ein einziges ist, welches ich Dir zur Erinnerung der mit ihr schon lange vorgehalten Liebe zu wissen mache.
Uebrigens hoffe ich, daß Du Dich doch, wie es für einen rechtschaffenen und praven [sic] Soldaten zustehet, und auch bei Deinem H[errn] Hauptmann auffihrst [sic]. Es folget von meinem Mann so wie auch von meiner Tochter Liesel, die schon 16 Jahr alt ist, kurz von allen Bekannten und Freunden ein tausend… [?] Gruß, und wünschen Dir von Herzen. daß Du es Dir jederzeit an nichts fehlen, sondern immer wohl ergehe, und daß Du einstens einmal glücklich und gesund wuieder zurückkehren möchtest, worüber ich mich getröste, und jederzeit verbleibe
Deine
aufrichtige getreue Schwester
Anna Maria Schwarzinn
PS: Mein einziges und heftiges Verlangen ist nichts anders, als Dich, liebster Bruder, doch noch einmal sehen zu können, denn … [Textverlust] ich mich in der Absonderung, da ich nicht einmal ein Wort mit Dir reden konnte, gekränkt habe, so überaus möchte es mich freuen, Dir meine schwesterliche Liebe erweisen zu können.

(Anna Maria Schwarz an Joseph Holick, 26.7.1798)
Erste Seite des Briefes an Joseph Edmund Holick, datiert vom 26. Juli 1798.

Um 1800/01 verließ Joseph Edmund Holick die Armee und trat in Hall i. T. in die Zivilverwaltung ein. Wie es ihm Anno 9 erging, erfahren Sie nächste Woche.

(StAI, Geschenk Dr. Werner Butschek)

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Die für unsere Ohren so plakative Sprache lässt uns heute schmunzeln, wenn Frau Anna Maria darüber berichtet schon mit 9 Kindern ‚beladen‘ gewesen zu sein.

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