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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Das Schmiedehandwerk (II.)

Das Schmiedehandwerk (II.)

Bevor wir zu den vielgerühmten Waffenschmieden kommen, nehmen wir noch einmal einen Schritt zurück und werfen einen Blick auf das Material, mit dem sie arbeiteten. Die kürzlich thematisierten Kaltschmiede arbeiteten in der Regel mit Kupfer, Waffen hingegen werden seit dem Beginn der Eisenzeit aus – Trommelwirbel – Eisen geschmiedet. In der Historiographie bezieht sich Eisenzeit auf die Epoche von ca. 1.200 v. Chr. bis zum Beginn schriftlicher Überlieferungen. Würde man hingegen nach Produktionsvolumen gehen, so würden wir noch heute tief in der Eisenzeit stecken. Mit 1,6 Milliarden Tonnen produziert der Mensch jährlich mehr Stahl als alle anderen Metalle zusammen, selbst Plastik kommt nur auf 400 Mio. Tonnen pro Jahr.

Plattner und Waffenschmiede in Innsbruck wurden sowohl mit Eisenerz aus dem Stubaital als auch vom steirischen Erzberg, dessen Eisen als besonders hochwertig für die Waffen und Rüstungen galt, beliefert. Das Erz wurde zuerst zerkleinert und „geröstet“, womit Wasser und Verunreinigungen wie Schwefel und Phosphor (teilweise) entfernt wurden. Seit dem späten Mittelalter wurde das Erz anschließend in einem Hochofen wechselnd mit Kohle aufgeschichtet. Bei Temperaturen von 1.200 bis 1.400 °C wurde das Eisenoxid so reduziert – d.h. der Sauerstoff bindet sich an den Kohlenstoff anstatt dem Eisen. Das resultierende Roheisen, im Englischen wenig schmeichelhaft pig iron genannt, enthält selbst noch einen hohen Anteil an Kohlenstoff, der es spröde und für die sofortige Verwendung unbrauchbar macht. Um den Kohlenstoff aus dem Roheisen zu bekommen, wurde es zusammen mit gepulvertem Eisenoxid geröstet. Je nach beabsichtigter Verwendung wurde es so lange geröstet, bis der gewünschte Anteil an Kohlenstoff erreicht war. Die chemischen Hintergründe dieser Vorgänge waren den mittelalterlichen und neuzeitlichen Schmieden natürlich noch nicht bekannt. Die Prozesse waren die Ergebnisse langen Experimentierens und bedurften großen Fingerspitzengefühls. Anhand der Funken, der Flammenfärbung und der Konsistenz der Eisens musste man erkennen, ob es bereit für die weitere Verarbeitung war.

(Titelbild: Der steirische Erzberg auf einer 5-Schilling Note aus dem Jahr 1927, Signatur Div-5099)

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