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Baulärm In Der Stillen Gasse

Baulärm in der Stillen Gasse

Etwa um die Mitte des Ersten Weltkriegs entstand in der gesamten Monarchie das Bedürfnis nach Frieden im trauten Heim und weil man weder die Möglichkeit einer Niederlage in Betracht zog noch undankbar gegenüber den tapferen Soldaten sein wollte, bediente man sich für Planungen im sozialen Wohnbau des leicht irreführenden Begriffs der Kriegerheimstätte. In jeder mittleren und größeren Stadt Österreichs wurden bald solche Orte und halbe Viertel geplant. In Innsbruck gelangte ein Geviert in Pradl, das direkt an die Katastralgemeinde Amras grenzte, zur Ausschreibung. Mit ein wenig alpin urbaner Stadtkenntnis sieht man auf dem noch straßennamenlosen Plan gleich, wo das sein könnte.

Ein großer Wettbewerb wurde ausgeschrieben, 16 Projekte wurden mitsamt einem individuellen Siedlungstitel eingereicht. Beteiligt haben sich bekannte Namen wie Welzenbacher und Prachensky, gewonnen hat der Entwurf des städtischen Baudirektor-Stellvertreters Jakob Albert (*1880 in Lohr am Main/Bayern – 1971 Innsbruck) mit dem Titel Stille Gasse. Sein kleiner Plan (hier auch interaktiv zu betrachten) enthält laut Legende erstaunliche 153 Einfamilienhäuser und 3 Zweifamilienhäuser, von denen ein Viertel auch noch 300-400m2 Grund dabei hat. Er zeichnet in die grüne Wiese jene Straßen, die heute Landseestraße, Koflerstraße, Mittererstraße, Schretterstraße, Schwindstraße, Dürerstraße, Rilkestraße und Hans-Sachs-Straße heißen und ziemlich genau dem Straßenmuster von Alberts Entwurf 1918 folgen (und bis heute von keinem Taxler auf Anhieb gefunden werden weil es tatsächlich stille Gassen sind).

Von den Gebäuden, die Jakob Albert dort vorgesehen hat, ist dann kein einziges errichtet worden. Das Vorhaben der einheitlichen Baugruppe wurde schon bald nach dem Ersten Weltkrieg aufgegeben und Mitte der 1930er Jahre begann die Stadt, die Parzellen bei Barzahlung zu günstigen Preisen abzugeben, um die Bauwirtschaft anzukurbeln. Kindergarten, Sportplatz und Bad wurden nicht gebaut, statt der geplanten Schule steht heute die Schutzengelkirche an der Gumppstraße. Im Stadtarchiv gibt es noch drei Pläne für eine zwischenzeitlich als Alternative gedachte städtische Einzel-Häusersiedlung von 1930. Auch aus diesen Varianten wurde nichts. Nur die Häuser Landseestraße (nach Karl Landsee, 1924 verstorbener Ehrenbürger und Hotelier) 2-4-6-8 und die Schretterstraße (nach dem Inzinger Maler) 1-8 wurden als städtische Blocks 1934/35 errichtet und bezogen. In der Dürerstraße, der Hans-Sachs-Straße und der Schwindstraße baute die „Gemeinn. allg. Bau-, Wohn- u. Siedlungsgenossenschaft“ 1937/38 Mehrparteienhäuser, die dann in Privatbesitz übergingen.

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