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Ausnahmsweise: Mils Bei Imst

Ausnahmsweise: Mils bei Imst

In der unglaublich umfangreichen Sammlung von Walther Kreutz findet sich natürlich auch viel Material aus fernen Weltgegenden. Und weil ich diese Aufnahme für recht interessant halte, reisen wir diesmal in die heutige Gegend von Herrn Roilo: Mils bei Imst.

So ganz klar ist nicht, was sich uns hier präsentiert. Eine große Zahl von Arbeitern ist mit Schaufeln und Stangen ausgerüstet und steht entlang eines provisorischen Gerinnes. Die Szenerie vermittelt den Eindruck eines Notfalls. Eventuell ein Hochwasser? Oder ist es doch ein geordneter Bau, beispielsweise der Kanalisation, weil sich links hinten bereits die Rohre stapeln?

Beachtlich erscheint, dass alle Männer in Joppen und Hüten gekleidet sind, aber keiner hat eine der zu erwartenden Pfeife in Hand oder Mund. Darauf hätte ich gewettet.

Und was hat es mit den sehr provisorischen Hütten im Hintergrund auf sich? Da Herr Roilo damals wohl noch (oder schon?) in Pradl seine ersten kindlichen Abenteuer erlebt hat, kann er sich im westlichen Ausland befunden haben…Schade. Aber vielleicht können andere Leserinnen und Leser die Fragen klären.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Sammlung Kreutz)

Dieser Beitrag hat 18 Kommentare
  1. Irgendwas kommt da bald vom Hang herunter. Die vielen Männer stehen hier nicht zum Spaß, sie müssen wohl bald eingreifen. Vielleicht muss ein Verklausen bei einer Holzdrift verhindert werden?
    Ob da Stange und Schaufel das richtige Werkzeug darstellt? Auch die Bretterwand scheint als Schutz von herabrutschenden Baumstämme etwas mickrig.
    Aber was kommt denn da wirklich?
    Schafe kann man auch ausschließen, vielleicht sind’s Heuballen?
    In Wirklichkeit hab ich keine Ahnung.

  2. Vermutung: Ein Bach (der Larsennbach?) ist offenbar über die Ufer getreten und die männliche Dorfbevölkerung versucht die Wassermassen irgendwie umzuleiten.

  3. Fast bin ich der Meinung dass uns der Hinweis auf die fehlenden Pfeifen in die Irre führen soll. Die Rohre – wenn schon nicht Kanal dann vielleicht andere Entwässerungsrohre – werden wohl irgendwie zur Geschichte gehören.

  4. Mir kommt vor, dass das künstliche Bachbett ein wesentlich geringeres Gefälle als das natürliche hat. Aber wozu diese Umleitung? Was kann daherkommen, dass die Arbeiter zur Schaufel greifen müssen? Rechts hinten passen die Mäner mit langen Stangen, ob nicht etwas zum Wegstochern daherschwimmt, was sonst den unerwünschten Weg zwischen den Planken nähme. Das durfte anscheinend unter keinen Umständen passieren, wozu sonst das Großaufgebot so vieler Arbeiter? Mühle? Sägewerk? Schmiedehammer?

    Pfeifen waren ein Werkzeug der Mußestunde. Und man hatte oft nur eine. Katastrophe, wenn die aus dem Mund in den Bach fällt, so lustig es auch wäre. Außerdem braucht eine Pfeife ständiger Aufmerksamkeit, man muß nachstopfen, wieder anzünden, Asche ausklopfen. Das verträgt sich nicht mit einer jederzeit zum Schaufeln bereiten Hand.

  5. Leider bin ich am Vormittag nicht dazugekommen, etwas zur Lösung beizutragen, obwohl im Text zweimal mein Name genannt wird (danke, Herr Morscher!) und ich eigentlich etwas unternehmen hätte müssen. Aber: Der Herr Roilo weiß es auch nicht, um was es geht! Vielleicht eine Art von Schottergewinnung (Bahnschotter??). Der Larsennbach bringt ja bei Hochwetter eine schöne Menge davon und dies könnte eine Art Siebanlage gewesen sein.
    Jedenfalls habe ich jetzt eine Mail an die Dorfchronistin Frau Bullock geschrieben!

  6. Bei so viel Wasser und so vielen Rohren denke ich automatisch an eine zu errichtende Trink- oder Abwasserleitung. Das Gerinne sieht für mich nach einem temporären Objekt aus. Vielleicht musste man ein Gewässer kurzfristig umleiten, um die Rohre ins Erdreich verlegen zu können.

    Ich könnte mir auch noch vorstellen, dass die Bretterwände als Begrenzung für sehr große Steine dienten, die man zur Uferbefestigung benötigte und auf diese Art halbwegs sicher den Hang hinunter „rollen“ lassen konnte. Und die extrem langen Stangen waren hilfreiche Hebel, um damit einen Felsbrocken weiter zu bewegen, falls er liegen blieb und ein Fels-Stau drohte.

  7. Ich glaube nun doch, dass auf diese Weise Schutzdämme „geschüttet“ wurden, man hat das Wasser arbeiten lassen, um das Material in den Holzrinnen an die gewünschte Stelle zu transportieren. Man musste nur darauf achten, dass nicht Hölzer oder größere Steine in die Holzrinne gelangen (deshalb die Männer mit den Stangen) und keine Stopfer in der Rinne auftraten (dafür waren die Schaufler zuständig, die auch die Rinnen weiterbewegen mussten).

  8. Endlich hab ich mich einmal bequemt, Luftbilder anzuschauen. An dieser Stelle befindet sich eine große Schotteransammlung, die den Spuren nach zu schließen auch heute noch zur Schottergewinnung genutzt wird. Somit wird Herr Roilo mit seiner Deutung recht haben. Eine Schottersortieranlage zu einer Zeit, als die menschliche Arbeitskraft das Billigste war.

    1. Leider hat sich Frau Bullock noch nicht gemeldet, was mich ein etwas wundert! Aber ich möchte darauf hinweisen, dass Frau Helene Bullock als Helene Thurner einen großen Innsbruck-Bezug hat: Sie war 1964 die Gewinnerin der ersten olympischen Bronzemedaille im Rodelsport! Im oben angeführten Blog kann man unter Bullock Keith & Leni viel Interessantes erfahren

  9. Hallo
    Habe erst vor einem Tag das E-Mail bekommen und werde nun über das besagte Foto berichten:
    Beim Foto handelt es sich -Hochwasser im Larsennbach.
    Dazu eine kurze Vorgeschichte des Larsennbaches in Mils.
    Unwetter mit starken Regengüssen und Hagel führen dann im Larsenntal zu Murabgängen und der Bach befördert mit Hochwasser eine riesige Menge Geröll zu Tale. Diese Ereignisse ist nach Berichten aufgrund Katastrophenaufzeichnungen in der Chronik durchschnittlich alle 10 Jahre zu erwarten. ( Inzwischen wurde eine Verbauung des Larsennbaches durchgeführt sodass bei Hochwasser, wenn notwendig Maschinen eingesetzt werden können.)
    Nun zum Foto: Das Foto zeigt Männer die in einer Rinne mit Schaufeln das Geröll (Schotter) weiter in Richtung Inn transportieren. Das war die einzige Möglichkeit um eine „Auflandung“ des Bachbettes zu verhindern und somit die angrenzenden Häuser geschützt wurden. Obwohl es trotzdem oft zu Überschwemmungen kam.
    Links im Bild sieht man Rohre von der Betonwarenerzeugnis / Praxmarer in Mils.
    Mit freundlichen Grüßen aus Mils bei Imst
    Helene Bullock – Chronistin

  10. Wie schon erwähnt, war der Larsennbach in Mils bei Imst bei Starkregen oder Hagel immer eine drohende Gefahr.
    Wenn der Bach viel Schotter zu Tale brachte, musste die Bevölkerung „Rühren gehen“ das heißt: Mit Schaufeln, Hauen und verschiedenen Werkzeugen den Schotter rühren, den dann das Bachwasser weiter zum Vorfluter Inn weiter transportierte.

    Dazu eine amüsante Geschichte aus der Chronik:
    7. Juli 1946 Hochwasser in Mils: Infolge der in den letzten Tagen herrschenden starken Regenfällen stieg der Larsennbach bei Mils, der die Bezirksgrenze zwischen Imst und Landeck bildet gewaltig an. Er führte dabei auch sehr viel Schotter mit sich, sodass das Wasser ständig das Bachbett wechselte. Durch das Hochwasser wurde die Wasserleitung von Mils unterbrochen, sodass die Bevölkerung länger Zeit kein Trinkwasser hatte. Die Bevölkerung verhielt sich sehr passiv und musste energisch zur Arbeit „Rühren“ im Larsennbach angehalten werden. Bezirkshauptmann Dr. Bachmann ist in Mils persönlich erschienen. Denn die arbeitsfähigen Männer hielten sich, es war Sonntag, auf der Kegelbahn beim Gasthof Sonne auf. Dr. Bachmann wies die Männer an mit der Keglerei aufzuhören und sich am Hochwasser tätig zu machen. Es kamen noch 2 Gendarmen, weil der Bezirkshauptmann nicht ernst genommen worden war. Die meisten Männer gingen nach Hause. Aufgrund dieses Vorfalles wurde dann bei allen arbeitsfähigen Männern in Mils die „Raucherkarten“ auf ein halbes Jahr entzogen.

    Mit freundlichen Grüßen aus Mils bei Imst
    Helene Bullock – Chronistin

    1. Recht lieben Dank, Frau Bullock, dass Sie meiner Bitte nachgekommen sind und verzeihen Sie mir, dass ich etwas ungeduldig war!
      Ihre Ausführungen sind sehr interessant und ich hoffe, dass doch einige Innsbrucker (das *Innen erspare ich mir, ich habe mein Leben lang schon unsere lieben Frauen in meinem Denken eingeschlossen und brauch somit nicht die deutsche Sprache noch mehr verhunzen) mitbekommen haben, dass es auch ein Mils bei Imst gibt. Für Viele unserer Landeshauptstadt hört ja bei Zirl die Welt auf – so war es zumindest früher!

      Ich habe noch einen Google-Link von Mils bei Imst und vom Larsennbach hinzugefügt:

      https://earth.google.com/web/@47.20624904,10.6722883,746.38003503a,332.49735741d,35y,-0.0017001h,43.63186302t,0.00039891r?utm_source=earth7&utm_campaign=vine&hl=de

      Nochmals möchte ich auf den weiter oben von Herrn Schönherr eingefügten Link zu Ihrem umfangreichen Blog hinweisen! Dies nicht nur wegen des Larsennbaches, sondern auch wegen der Falkenkamera im Milser Kirchturm.

      Was ich noch fragen möchte: Aus welcher Zeit könnte dieses Foto stammen? Hatten sie das Bild schon in Ihrer Chronik? War der Praxmarer mit seiner Betonwarenerzeugung früher neben dem Larsennbach (heute ist er doch ein Stück weit weg davon)?

      Schöne Grüße die paar Kilometer weiter ins Oberland!

      1. Guten Abend Herr Roilo. Die Zeit geht nicht, sie läuft dahin, denn mein Tagesablauf ist so vielfältig, dass ich erst Abend zum Computer sitze. Also zum „Larsennbachfoto“ kann ich berichten, dass es mit 1933 datiert ist. Der Urheber ist nicht bekannt. Das Foto ist im Chronik-Ordner Larsennbach.
        Die Betonwarenerzeugung Praxmarer war bis 1958 noch beim Haus Nr. 22 am Larsennbach. Dann wurde die Betriebsstätte an die Bundesstraße verlegt.
        Die Geschichte zu den Falkenkameras im Milser Kirchturm: Die Schulkinder bastelten mit Toni Vorauer vom WWF einen Nistkasten für Turmfalken und der wurde hoch oben im Turm befestigt. Einige Jahre dauerte es bis die Falken diesen Nistkasten entdeckten. Es kam die Idee auf mit live-Kameras die Falken zu beobachten. Mit Hilfe der Gemeinde und teils private Investoren wurden 4 live Kamera installiert. Besonders die Schulkinder im Bezirk können laufend das Geschehen im Nistkasten beobachten.
        Im „google earth“ ist die Schule falsch markiert. Die Volksschule ist im Gemeindezentrum .
        Schöne Grüß aus Mils

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