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Aus Dem Tourenbuch Der Jenny Steiner III

Aus dem Tourenbuch der Jenny Steiner III

Vor 60, 70 Jahren war es gang und gäbe, dass BergsteigerInnen sich auf ihr Radl schwangen, um den Ausgangspunkt für ihre Tour zu erreichen. Geradezu legendär ist die Geschichte von Hermann Buhl, der die 160 Kilometer von Landeck bis Bondo auf dem Fahrrad zurücklegte, um von dort aus die Nordostwand des Piz Badile zu erklimmen. Auf der Rückfahrt, die Buhl unmittelbar nach dem Abstieg angetreten hatte, war er derart erschöpft, dass ihn schließlich der „Sekundenschlaf übermannt[e] und er in hohem Bogen samt Fahrrad und Rucksack in den kalten Inn stürzte. Schlimmer als die Beule am Kopf war der Zustand des Fahrrades. An ein Weiterfahren war nicht zu denken. Kurzerhand wurde das Rad geschultert und von der Pontlatzerbrücke zum nächsten Gasthof getragen, wo ihn nach stundenlangem Warten das Postauto mit zurück nach Landeck nahm.“

Am 4. Juni 1921 stiegen auch Jenny Steiner und ihr Begleiter Robele in Innsbruck auf ihre Räder, um zu einer zweitägigen Bergtour aufzubrechen. Ihr Ziel war die Lamsenspitze im Karwendel. Jenny berichtet darüber in ihrem Tourenbuch:

Diesmal hatten Robele u. ich die Schnapsidee, mit den Rädern bis nach Schwaz zu fahren. Es war drückend heiss u. die Rucksäcke zogen. Wir waren recht froh, als wir in Schwaz angekommen waren u. am Bahnhof unsere Räder einem Bekannten übergeben konnte. Pascher u. Hias waren inzwischen auch eingetroffen u. gemeinsam setzten wir den Weg zur Stalleralm fort. Ich war von der Radlerei so ausgetrocknet, dass ich mich am liebsten ganz ins Wasser gelegt hätte. Ungefähr um [im Original freigelassen] kamen wir bei der Hütte an, aber leider war dieselbe fast voll besetzt. Nächsten Morgen marschierten wir gemütlich bis zum Einstieg der Kante. Dieser ist ein schräger Riss, nicht ganz leicht. Weiter gings nun ohne jede Schwierigkeit bis wir einmal die Markierung verloren u. bei ein paar schweren Stellen durchzukommen versuchten. Nach einiger Zeit hatte Robele die Route wieder gefunden u. in insgesamt 2 – 2 1/2 Stunden standen wir am Gipfel. Den Abstieg machten wir durch [im Original freigelassen], jausneten in der Hütte, u. bei inzwischen eingetretenem schwachen Regen marschierten wir nach Schwaz zurück. Robele u. ich setzten uns wieder auf unsere Räder, diesmal ohne Rucksack, u. in flottem Tempo sausten wir nach Innsbruck, wo wir wenig nach dem Zug eintrafen.

Jenny Steiner mit zwei ihrer Begleiter, aufgenommen bei der Tour auf die Lamsenspitze.

(StAI, Kleinsammlung Familie Georg Steiner)

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