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Adele Obermayr – Sozialdemokratin Und Widerstandskämpferin

Adele Obermayr – Sozialdemokratin und Widerstandskämpferin

Aufmerksamen Lesern und Leserinnen unserer Webseite „Innsbruck erinnert sich“ wird es nicht entgangen sein, dass wir dieses Bild bereits am 07. Juni 2021 veröffentlicht haben. Dabei wurde über das „CARE“-Hilfsprogramm aus der USA berichtet, das nach dem II. Weltkrieg Notleidende in Europa mit überlebensnotwendigen Waren unterstützte.

Kollege Tobias Rettenbacher erwähnte dabei auch Adele Obermayr, die man inmitten der fröhlichen Kinderschar findet (in der vierten Reihe, die zweite Frau von links). Heute wollen wir uns dieser couragierten Frau widmen, die nicht nur eine bedeutende Tiroler Politikerin und eine der ersten Aktivistinnen in der Österreichischen Frauenbewegung war, sondern auch eine mutige Widerstandskämpferin während der NS-Zeit.

Adele Obermayr (1894 – 1972), eine gebürtige Oberösterreicherin, kam bereits in jungen Jahren nach Tirol, wo sie eine Lehre als Laborantin in einer Apotheke in Sankt Johann absolvierte. Im Jahre 1920 heiratete sie Alois Obermayr und zog nach Mühlau. Hier wurde sie bald für die Sozialdemokratische Arbeiterpartei in den Gemeinderat gewählt. 1924 zog sie als Abgeordnete ihrer Partei in den Tiroler Landtag, dem sie zehn Jahr lang, bis zum Verbot der Sozialdemokratischen Partei 1934, angehörte. Zusätzlich war sie von 1926 bis 1930 Vorsitzende des Frauenkomitees der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs. Sie setzte sich besonders für Frauenthemen ein, für die Weiterbildung von Mädchen und gegen das Lehrerinnenzölibat. Auch die erste Frauenberatungsstelle in Innsbruck ist ihr zu verdanken.  Ihr Engagement richtet sich aber auch auf andere soziale Bereiche wie der Schaffung eines eigenen Landesjugendamtes zur besseren Lösung von Kinder- und Jungendbelange oder der Unterstützung der Flüchtlinge aus Südtirol.

Besonders hervorgehoben werden muss ihr Widerstand gegen das NS-Regime. Adele Obermayr war nicht nur Mitglied einer Widerstandsgruppe, sie stellte auch ihre Wohnung in Mühlau als Treffpunkt und Versammlungsort zur Verfügung. Ihre Aktivitäten führten im Mai 1942 zur Verhaftung und zur Internierung ins Konzentrationslager Ravensbrück.

Nach Kriegsende wurde sie erneut als SPÖ-Abgeordnete in den Tiroler Landtag gewählt, wo sie unter anderen für eine bessere Ernährung der Tiroler Bevölkerung in der Nachkriegszeit kämpfte. Es bestand nicht nur die Gefahr der Unterernährung, sondern auch der Fehlernährung, da es an Fett, Eiweiß und Zucker mangelte. Adele Obermayr setzte sich für eine gerechte Verteilung der Nahrungsmittel und Hilfsgüter ein und forderte, dass die Tätigkeit der Hausfrauen als Schwerarbeit zu bewerten sei und ihnen damit der entsprechende Kaloriensatz von 2 700 Kalorien täglich zustünde.

Im Jahre 1953 erfolgte die Vereidigung in Wien zum Mitglied des Bundesrats. Als Bundesrätin war sie acht Jahre bis November 1961 aktiv.

Die Verbauung des Gebietes zwischen Sillufer und dem Freischwimmbad brachte es mit sich, dass dort 2007 eine Straße nach ihr benannt wurde: die Adele-Obermayr-Straße.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, KR-NE-7398)

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