Pflugscharen zu Schwertern (III.)
Während man versuchte auch den kleinsten Kleinkram aus den Haushalten der Monarchie für den Krieg zu ergattern, waren auch die größten Metallobjekte in den Gemeinden des Landes nicht sicher: die Kirchenglocken.
Hier zu sehen ist ein Lager von „kriegswichtigem Material“ in Trient, am prominentesten die abgehängten Stücke, die darauf warten eingeschmolzen zu werden. Mitte 1915 gab es die ersten Aufrufe, die Kirchenglocken für das Militär zu spenden – vorerst blieb es eine freiwillige Sache. Kritische Stimmen ob dieser Aktion gab es in den Zeitungen, allein schon aufgrund der Zensur, keine. Der Allgemeine Tiroler Anzeiger meinte, dass es freilich bedauerlich sei, ein schönes Geläute zu zerreißen, aber dass doch sicherlich so manche Gemeinde eine Glocke entbehren könne, die ohnehin nicht so recht ins Ensemble passe. Und zuletzt hieß es, dass wenn der Sieg schließlich käme, ja alles wieder in Ordnung wäre:
Wenn wir siegen, erhalten wir ja wieder Material zu Glocken und das Metall, das dem Feinde Tod und Verderben entgegenspie, wird wieder lieblich und friedlich von den Kirchtürmen läuten.
(Signatur KR-PL-K-1210)