Die erste ihrer Art? – Die Tankstelle
Dieser Tage erreichte uns eine Anfrage, ob wir Auskunft geben könnten, wann und wo die erste öffentliche Benzinzapfstelle beziehungsweise Tankstelle Tirols bzw. Kufstein eröffnet wurde. Selbige landete zielstrebig bei mir, dem (definitiv nicht selbst-)erklärten Experten für Autos, Motoren und dergleichen. Nun denn.
Erste Station, Innsbruck erinnert. Zum 100-jährigen Jubiläum der ersten österreichischen Zapfstelle, die 1924 in Graz eröffnet wurde, unternahm eine stadtarchivarische Gummi-, Motoren- und Treibstofffanatikerin einen Kurztrip durch die Geschichte des Volltankens. Überraschenderweise wurde weder in den Beiträgen, noch in den Kommentaren – ich bin schockiert – thematisiert, wo sich denn die erste Zapfstelle Innsbrucks oder Tirols befunden haben könnte. Wo schlägt man so etwas eigentlich nach? Gibt es einen Walter Kreutz des Individualverkehrs?
Online-Recherchen werden sicher auch durch die Terminologie erschwert, gilt es doch, neben Tankstelle auch Tanksäule, Zapfsäule, Zapfstelle, Benzinpumpe – und womöglich noch einige andere Begriffe(?) abzufragen. (Und es sei wieder einmal darauf hingewiesen, dass die anno-Texterkennung mit derartigen zusammengesetzten Hauptworten sicher auch ihre Schwierigkeiten hat.)
Auf anno führt uns die Suche nach Zapfstelle zunächst aus Innsbruck hinaus. Aber nicht in das Graz des Jahres 1924, das scheinbar ignoriert wird, sondern im Juni 1925 zuerst nach Hohenems und dann nach Landeck, wo der Gemeinderat am 23. Juni der Vacuum-Oil-Company „die Benützung öffentlichen Gemeindegrundes im Ausmaße von 2 Geviertmetern zwecks Anlegung einer Benzin-Zapfstelle nächst dem Gasthofe „Goldener Adler“ gegen einen jährlichen Anerkennungszins von S 85.- bewilligt“. Ein knappes Jahr später warb Franz Pirchner für seinen Gasthof „Zum Hirschen“ in Imst – samt Benzin-Zapfstelle.
Der erste Treffer aus dem heutigen Stadtgebiet Innsbrucks stammt spannenderweise aus dem Tätigkeitsbericht des Vereines für Heimatschutz für das Vereinsjahr 1927 (von Mitte April 1926 bis Ende März 1927): „Bei der Kommission wegen Errichtung einer Benzin-Zapfstelle vor dem schönen Spätbarockhause Höttingerau Nr. 4 war der Verein vertreten und gelang es zu erreichen, daß eine gefällige Apparattype gewählt und der Anstrich in nicht zu grellen Farben gehalten wurde.“
Auf der anderen Seite des Inns, am Innrain 12, wurde übrigens bereits im Dezember 1924 eine Benzinpumpe per Verkaufsannonce angeboten (wobei die Frage ist, ob es sich hierbei um eine öffentliche Tankstelle handelte).
Die Suche nach Benzinpumpe belegt weiters, dass im Mai 1925 in Landeck bereits eine solche betrieben wurde. Der Pachtschilling der amerikanisch-österreichischen Gesellschaft wurde damals von 100 auf 85 pro Monat herabgesetzt – der gleiche Betrag wie oben für die Konkurrenz genannt. Auch in Lienz waren im Herbst 1925 bereits öffentliche Benzinpumpen errichtet und weitere beantragt worden.
Der Begriff der Tankstelle tritt auf anno zeitlich etwas später auf. Im Mai 1927 warb Franz Kraus für sein Hotel zum Hirschen in Imst – nicht nur mit erstklassigen Zimmern und zivilen Preisen, sondern auch mit Mietautos, Tankstelle und Öl. Die logische Kombination aus Unterkunft und Autoservice Mitte der 1920er-Jahre kennen wir ja auch schon von unseren fotografischen Reisen Hinaus ins Land nach Stams und Zirl.
Wie man hier sieht, sind die Begrifflichkeiten alles andere als unwichtig und führen zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Analog zu anno finden die Adressbücher die erste Tankstelle erst 1939 in der Heiliggeiststraße 3 (Otto Mathé), die erste Zapfstelle hingegen bereits 1927 in der Leopoldstraße 4-6 (Triumphgarage Richard Holzhammer).
Das obige Foto zeigt die Einfahrt zur Triumphgarage, wo darauf hingewiesen wird, dass hier Autobenzin und Öl erhältlich seien. Als diese Aufnahme vor 5 Jahren erstmals eingestellt wurde, war auch die Datierung ein Thema. Von der 1927/28 errichteten Nordkettenbahn ist noch nicht zu sehen. Damit könnte das eine der frühen Innsbrucker Tankstellen sein. Denn wie das Benzin hier erhältlich war, darüber gibt die Aufnahme leider keinen Aufschluss. Und selbst wenn, ob es überhaupt die erste ihrer Art war, bleibt ungeklärt…
(Stadtarchiv Innbruck, Ph-Pl-1782-133)
Wenn man im Adressbuch nach dem sucht, was das Auto antreibt, nämlich Benzin, dann wird man schon 1904 und, präziser, 1906 mit der Firma Röthy und Wiedner in der Hl. Geiststraße fündig.
https://www.innsbruckerinnen.at/bild.php?seite=298&buch=1904&back=1&meta1=
und (allerdings ein ferner liefen in der letzten Zeile
https://www.innsbruckerinnen.at/bild.php?seite=67&buch=1906&back=1&meta1=
Und 1908 war schon die Konkurrenz da: Die Firma Holzhammer in der Erlerstraße 16 https://www.innsbruckerinnen.at/bild.php?seite=416&buch=1908&back=1&meta1=
Wobei diese Annoncen auch abseits des Themas interessant zum Lesen sind. Auch die nach Schriftgröße sortierte damalige Priorität – 1906 Öl und Benzin völlig in Gottesnamen an der letzten Stelle – spricht Bände. Und: Was war wohl ein Sultanrad, das beste vom billigen?