Militär ade
Nach beinahe 20 Jahren in der k. k. Armee sagte Jacob Lininger im Juli 1833 dem Militär Ade. Der gelernte Schneider war mit 19 Jahren Soldat geworden, hatte vermutlich gleich zu Beginn den Feldzug der Verbündeten gegen Napoleon im Jahr 1814 mitgemacht und all die Jahre als „Gemeiner, Hautboist [=Militärmusiker] und Tambour treu und rechtschaffen gedient.“
Jacobs Regiment, das ungarische Infanterieregiment Nr. 48, war seit 1832 in Vorarlberg stationiert. In Bregenz dürfte er auch eine Frau kennengelernt haben, die er zu heiraten bebasichtigte. Vermutlich nahm er deshalb auch Abschied vom Militär, denn Soldaten konnten nicht einfach so heiraten. Seitens der Militärbehörden wurde Jacobs Gesuch bewilligt; allerdings musste er im Gegenzug auf alle Versorgungsansprüche und Abfertigungen verzichten. Dafür erhielt er diesen „Abschied“, der nicht nur sein tadelloses Verhalten im Dienst bezeugen, sondern ihm auch das Wohlwollen der Zivilbehörden sichern sollte.

Wie und warum dieser „Abschied“ in die Akten des Innsbrucker Magistrats gelangt ist, lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Sehr wahrscheinlich landete er aber dort, weil sich Jacob und seine Frau Maria, geb. Herz, im Juli 1833 in der Stadt niederließen, wo Jacob sein Handwerk in der Höttinger Gasse (Haus Nr. 405) ausüben sollte.

Mit 18 Jahren war Anna Maria Lininger bereits Vollwaise. Ihre Mutter verstarb am 2. März 1852 im Alter von 41 Jahren an einer Luftröhrenschwindsucht; Vater Jacob war bereits zuvor gestorben. Anna schlug sich als Dienstmagd durch, eröffnete 1869 ein Handschuhgeschäft am Franziskanergraben und heiratete schließlich im Oktober 1870 den Wundarzt Josef Wind (1838-?).

Herzlichen Dank an meinen Kollegen Niko Hofinger für die Unterstützung bei der Recherche!
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, ohne Signatur)