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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Die Kaltschmiede (II.)

Die Kaltschmiede (II.)

Nun haben wir im letzten Artikel etwas über die Zunftordnung der Kaltschmiede erfahren, aber was machten sie eigentlich den ganzen lieben Tag lang? Aus Kupfer sie Büchsen her, verschiedenste Arten von Küchengeschirr, Dachschindeln, Regenrinnen und Wasserspeier. Durch die Tiroler Bergwerke war das Metall leicht verfügbar, so entstanden Betriebe, die bis über die Landesgrenzen bekannt waren. Die Familie Kofler aus Absam etwa lieferte das Kupfergeschirr für den Brüsseler Hof. Aber auch innerhalb der gefürsteten Grafschaft gab es für die rund 68 Kaltschmiedemeister genügend Arbeit. Wiederum aus Absam kamen die 15.000 Schindeln für das Dach der Schwazer Pfarrkirche, für die stolze 85 Tonnen Kupfer verbraucht wurden. Auch die Wasserspeier brachten den Schmieden viel Arbeit, sie waren bereits im Mittelalter Kunstwerke und wurden im Zuge des Barocks immer aufwendiger. Im Titelbild ist einer der Wasserspeier des Stadtturmes zu sehen, die aus dem Jahr 1586 stammen.

Ein noch deutlich bekannteres Werk dieses Handwerks sind die Schindeln des Goldenen Dachls, unter deren goldenen Mantel sich das rote Metall verbirgt. Welche Schmiede damals vor 500 Jahren die Kupferschindeln anfertigten wissen wir allerdings leider nicht mehr.

Noch ein paar Randbemerkungen zum Haupthandwerksstoff der Kaltschmiede, dem Kupfer, denn es ist ein außerordentliches Element. Es gehört zu den wenigen Metallen, die auf unserem Planeten in gediegener Form (nicht in Verbindung mit anderen Elementen) vorkommt, die anderen sind seine glamouröseren Geschwister Silber und Gold sowie die Platinmetalle. Somit begleitet es die Menschheit seit ihrer Frühgeschichte – die ersten Funde von Kupferwerkzeugen stammen aus dem Neolithikum um 9.000 v. Chr. Sein relativ häufiges und gediegenes Vorkommen, zusammen mit seiner leichten Verformbarkeit machten es zu einem der ersten Metalle, die Menschen zu verarbeiten begannen. Es ist auch zusammen mit Eisen eines von nur zwei Metallen, die einer Epoche der Menschheitsgeschichte ihren Namen gaben – Bronze ist eine Legierung, und dort steckt wiederum Kupfer drin.

Während unsere Ahnen es für Schmuck und Werkzeuge verwendeten, hat es auch für unser heutiges Leben eine zentrale Bedeutung. Denn außer Silber leitet kein Metall den elektrischen Strom besser als Kupfer. Und da Kabel aus Silber relativ teuer kommen würden, brauchen wir das rote Metall genauso wie unsere Vorfahren.

Seinen Namen verdankt es übrigens der Insel, von der es die alten Griechen importierten: Zypern.

(Titelbild: Mariahilf in Richtung Altstadt auf Kupferplatte, Signatur Re-161)

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