15h – 1 Minute Arbeitsruhe
Mit dem Slogan „Aus Liebe – auch für dich“ riefen – wohl in den frühen 1950er-Jahren – Flugblätter der katholischen Arbeiterjugend dazu auf, am Karfreitag um 15 Uhr im Gedenken an den Kreuzestod Jesu für eine Minute die Arbeit ruhen zu lassen.
In den 1930er-Jahren war Ähnliches bereits in Frankreich und Belgien praktiziert worden. „Auch die katholische Arbeiterjugend Salzburgs schließt sich heuer der Weltorganisation in der Einhaltung dieses Brauches an,“ vermeldete die Salzburger Volkszeitung am 5. April 1949 und legte eine gesellschaftliche Spitze nach: „Sie legt dadurch auch Protest gegen jene Taktlosigkeit von Landsleuten ein, die es trotz des langen Faschings für nötig gefunden haben, noch am Samstag vor dem Passionssonntag z. B. einen Ball abzuhalten.“ Glaube meets Klassenkampf.
Für die folgende Zeit findet sich auf anno eigentlich für jedes Jahr eine österreichische Zeitung, die auf diese Aktion hinwies. Beispielsweise 1950 noch einmal die Salzburger Volkszeitung, 1951 Das kleine Volksblatt und 1952 der St. Pöltner Bote sowie das Linzer Volksblatt, das einen ausführlichen Aufruf abdruckte. Im Jahr des Staatsvertrags reproduzierte die Obersteirische Zeitung aus Leoben das damalige Flugblatt und verkündete, dass die Aktion bereits in insgesamt 73 Ländern stattfinden werde. „Am Karfreitag um 15 Uhr werden überall dort, wo katholische Jungarbeiter stehen die Maschinen eine Minute schweigen und das Werkzeug weggelegt.“ Das dürfte wohl nicht überall einfach gewesen sein. Ein Jahr später richtete der Erlaftal-Bote aus Scheibbs „an die gesamte Bevölkerung die Bitte, am kommenden Karfreitag die Aktion der Kath. Arbeiterjugend zu unterstützen und in den Familien, Betrieben, Arbeitsstätten usw. dem größten Geschehen der Weltgeschichte einige Augenblicke stillen Gedenkens und Betens zu schenken.“
Unter den etwa 30 anno-Treffern bis 1958 fand sich nur eine einzige Meldung aus Tirol; eine kleine Notiz in den Tiroler Nachrichten vom 2. April 1953: „Gründonnerstag, 18.40 Uhr, bringt Radio Innsbruck eine Sendung zur Karfreitags-Gedenkminute, die heuer dank der Initiative der Katholischen Arbeiterjugend in zahlreichen Betrieben und Fabriken unseres Landes gehalten wird.“
Mich würde nun interessieren, ob jene unter Ihnen, die ab den 1950er- und 1960er-Jahren in entsprechenden Betrieben tätig waren, sich an diese Gedenkminuten erinnern können….
(Stadtarchiv Innsbruck, Fl-43)