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Zentrum Und Peripherie: Mit Den Augen Des (un)bekannten Fotografen XXXIII

Zentrum und Peripherie: Mit den Augen des (un)bekannten Fotografen XXXIII

In Vorfreude auf die vielen bevorstehenden Osterausflüge bewegen wir uns heute wieder aus Innsbruck hinaus, nach Imst ins Damals und ins Heute. Wobei „heute“ nicht ganz präzise ist. Die Basis dieses Beitrags entstand im Gefolge unseres ersten Besuchs in Imst und liegt bereits seit einem Vierteljahr in meiner Mailbox. Allein, aus dem Schreiben ist noch nie etwas geworden. Damals stand der Nikolo vor der Tür, jetzt ist es der Osterhase, beide aus Schokolade, beide ein Genuss, also dann…

„Als ich 1961 das erste Mal nach Imst zum Arbeiten kam, war diese Schmiede noch in Betrieb,“ kommentierte Manfred Roilo damals zu dieser Aufnahme. Mehrmals begab er sich an Ort und Stelle, sprich an den „Rofen“, um ein aktuelles Foto dieser Szene zu schießen. Dabei kam er auch mit dem aktuellen Besitzer und Betreiber der Landwirtschaft in Kontakt. Er wusste zu berichten, dass diese Liegenschaft früher einmal in den Händen der drei Brüder Halfinger lag. Einer war Wagner und fertigte die Wagengestelle und Räder an, der zweite war Schmied und für die Eisenbeschläge sowie das Beschlagen der Pferde zuständig und der dritte soll ein „ganz Gescheiter, ein Diplomingenieur“ gewesen sein, der ein eigenes Kraftwerk am hier durchfließenden Malchbach errichtete und den ganzen Weiler mit Strom versorgte.

Der Standort als Schmiede ist aber schon deutlich älter. „Im Katasterplan von 1856 findet sich ungefähr an dieser Stelle die Bezeichnung ‚Schmideboden'“, erklärt dazu Sabine Schuchter vom lokalen Museum im Ballhaus. Entlang des Mahlbachs siedelten sich typische kleinere Betriebe an, die auf Wasser angewiesen waren, wie Gerberei und Mühle. „Weiter unten, beim Tschirgant, mündet der Malchbach in den Pigerbach, wo sich einige frühe Industriebetriebe befanden (Papierfabrik, Textilfabrik)“. Ein typisches Muster, dass Betriebe, die Schmutz, Geruch, Lärm und Gefahr mit sich brachten, außerhalb des Ortskerns ausgelagert wurden. Die Gegend „Am Rofen“ war zur Zeit der Aufnahme nämlich kaum verbaut; „das Siedlungsgebiet hat sich ja noch auf das Kerngebiet Obermarkt und Untermarkt konzentriert, mit der Bezirkshauptmannschaft am Stadtplatz“, so Schuchter.

Die Bezirkshauptmannschaft die ich – in völliger Ortsunkenntnis – damals schlicht als „gepflegten, mehrstöckigen Bau“ bezeichnet habe, kann man rechts im Hintergrund erkennen. Damit belegt die Aufnahme auch die in Innsbruck zu beobachtende Vorliebe der Vetters, aus dem jeweiligen Stadtzentrum in die nahe Peripherie zu spazieren und diese unterschiedlichen Lebenswelten festzuhalten.

Stichwort festhalten: Wie eingangs erwähnt, hat sich auch Herr Roilo auf den Weg gemacht, die obige Szene festzuhalten. Seinen Fang hat er dankenswerterweise mit uns geteilt, auch wenn er nicht ganz damit zufrieden war. „Man findet sehr schwer den gleichen Blickwinkel“, meinte er entschuldigend. Bäume sowie neue und geänderte Baulichkeiten verdecken viele Details. „Man müsste sich länger damit spielen, auch das richtige Objektiv und Format muss man erwischen.“ Fotografische Perfektionisten mit zu viel Zeit wissen nun, womit sie sich die viel zu langen Osterfeiertage vertreiben können. Aber für jetzt erfreuen wir uns einfach einmal am Vergleich damals und heute. Herzlichen Dank an Manfred Roilo und Sabine Schuchter für Ihre Unterstützung!

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-Pl-753; Manfred Roilo)

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