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Zum Rössl In Der Au

Zum Rössl in der Au

Eines der renommiertesten Gasthäuser Höttings (bzw. dann auch Innsbrucks) war das „Rössl in der Au“, ehemals auch „Zum weißen Rössl“ genannt. Ursprünglich soll es sich dabei um ein Zollhaus gehandelt haben. Im Jahr 1667 erwarb ein gewisser Hans Schueler ein Haus „außer der Schießhütten“ in der Au und erhielt die Wirtgerechtsame. Hierbei dürfte es sich wohl um den Anfang der Geschichte des „Rössl“ handeln. Im Jahr 1842 kam des Gebäude in den Besitz der aus Strassburg eingewanderten Familie Flunger, deren Geschichte von diesem Zeitpunkt an eng mit dem „Rössl“ verbunden war. Dieses war bald vielmehr als nur ein Gasthaus: Johann Flunger vergrößerte den (Grund-)Besitz und betrieb eine umfangreiche Landwirtschaft sowie eine Rosshandel. Wie unten zu sehen war auch dir Milchwirtschaft nicht gerade klein. Auch ein Weinhandel war dem Betrieb angeschlossen. Johann Flungers Enkel Rudolf war einer der reichsten und mächtigsten Männer Höttings im frühen 20. Jahrhundert: als Großgrundbesitzer fiel er in die erste Steuerklasse, die vor Abschaffung des Zensuswahlrechts (auf Gemeindeebene bis 1918 inkraft) in der Gemeindepolitik beinahe „alleinherrschend“ war. Zudem war er Mitglied des Höttinger Gemeinderats.

Im Ökonomiegebäude war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine recht stattliche Zahl „Viech“ untergebracht (mehr zum Werdegang des Ökonomiegebäudes finde Sie hier) Stadtarchiv Innsbruck, Ph-30982.

Eng mit dem Rössl in Verbindung stand auch ein einst gegenüberliegender hölzerner Stadel, in dem jeden Sonn- und Feiertag nachmittags ein Bauerntheater stattfand, in dem hauptsächlich Ritterstücke gespielt wurden. Der Bau war sehr einfach: Die Bühne hatte zwar ein Vordach, der Zuschauerraum war nur durch eine Plache vor Wind und Regen geschützt, rundherum waren Holzwände angebracht. Trotzdem soll hier des Öfteren kaiserlicher Besuch vorbeigekommen sein – im Jahr 1814 war Marie-Louise Tochter von Franz I. und Frau von Napoleon Bonaparte im Bauerntheater zu Gast. Im Jahr 1838 wurde vor Kaiser Ferdinand ein Stück über Andreas Hofer zum besten gegeben. Im Franziszeischen Kataster (1855-57) ist das beliebte Bauerntheater eingezeichnet:

(Quelle: tiris)

Wie lange das Theater noch existierte ist nicht ganz klar, spätestens 1875 wird es noch einmal erwähnt. Das Rössl-Gebäude selbst bestand übrigens noch bis 1980. Der Name „Rössl“ wird heute noch durch das heute dort befindliche Studentenheim und den zwischen Höttinger Au und Sonnenstraße verlaufenden Rösslsteig sozusagen „in Ehren gehalten“.

(Titelbild: Kurt Reuter, Feber 1956. Stadtarchiv Innsbruck, KR-NE-8076)

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare
  1. Auf dem historischen Stadtplanausschnitt ist auch der „Höttinger Gießen“ zu erkennen, der ja noch bis Mitte des 20. Jhd. (?) offen floss und heute, obwohl noch immer vorhanden, wenn auch künstlich aus Grundwasser gespeist zu den leider versteckten unterirdischen Flüssen Innsbrucks gehört. Dieser versorgte ja eine Badeanstalt, und der Karte zufolge befand sich diese, zu erkennen als rechteckige Intervention im Verlauf des Gewässers, etwa an der selben Stelle wie das heutige städtische Schwimmbad Höttinger Au (Zufall oder nicht?). Fotos dieses Wasserlaufs fände ich besonders interessant!

    1. Lieber Herr Schneiderbauer,

      danke für die Anregung – es gibt ein paar Fotos vom unverbauten Gießenbach, Beitrag wird in nächster Zeit gebastelt…

  2. Der Zaun vom Rössl stand noch lange. Da war später ein Gebrauchtautohändler. Die Rösslstiege war beinahe lebensgefährlich, bevor dann die heutigen Serpentinen gebaut wurden.

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