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Verwirrung Um Oberst Brosch

Verwirrung um Oberst Brosch

„Oberst Brosch Edler von Aarenau schlägt sich nach zwölftägiger Abwesenheit mit 1000 Mann seines 2. Tiroler Kaiserjägerregimentes zum Gros unserer nördlichen Armee durch“, so lautet die vertikal auf der obigen Kriegsansichtskarte angebrachte Beschreibung der abgebildeten Szene.

Die Darstellung bezieht sich auf die Ereignisse bei Rawa Ruska und Hujcze in der heutigen Westukraine. Die dortige Schlacht vom 6. bis 8. September 1914 endeten für die k. u. k. Armee in einem Desaster und hatte die vorübergehende Räumung fast ganz Galiziens zur Folge.

Mangelnder Informationsfluss, Fehleinschätzungen und Eigenmächtigkeiten führten zusammen mit dem schwierigen Terrain in den sumpfigen Wäldern zu einer unübersichtlichen Situation. Der links oben auf der Karte abgebildete Alexander Brosch, Edler von Aarenau (1870–1914), war einer der engsten Vertrauten des ermordeten Erzherzog-Thronfolgers Franz Ferdinand gewesen und kommandierte seit 1911 das 2. Regiment der Tiroler Kaiserjäger in Bozen. Entgegen der allgemeinen Rückzugsbewegungen unternahm er mit etwa zweieinhalb Bataillonen einen anfangs erfolgreichen Vorstoß auf ein russisches Lager, wurde dadurch jedoch von der Hauptarmee getrennt und sein Schicksal blieb zunächst völlig unklar.

Erst drei Wochen später, am 29. September, druckte die Wiener Reichspost die „von befreundeter Seite“ erhaltene Mitteilung, dass Brosch gefallen sei. Nur einen Tag darauf brachte dieselbe Zeitung eine „Berichtigung“, wonach der Oberst „nach zwölftägiger Verschollenheit mit tausend Kaiserjägern zur Armee“ zurückgekehrt sei. Die Produktion der gleichlautenden obigen Kriegsbildkarte muss unverzüglich erfolgt sein, denn knapp zwei Wochen später folgte bereits die Richtigstellung der Richtigstellung:

Am 10. Oktober berichteten die Bozner Blätter nämlich, dass der dortige Bürgermeister Perathoner die Presseberichterstattung zum Anlass genommen hatte, Broschs Ehefrau Natalie im Namen der Stadtgemeinde zu beglückwünschen. Diese „dankte für die Aufmerksamkeit mit dem Bedauern, daß sich die Nachricht von der Rückkehr ihres Gemahls leider nicht bewahrheitete. Oberst v. Brosch wird also noch immer vermißt.“

An diesem (Un)Wissensstand sollte sich auch in den folgenden Monaten nichts ändern. Die Innsbrucker Nachrichten ließen beispielsweise am 11. Februar 1915 die Kämpfe in einer von Heldenpathos getränkten Darstellung Revue passieren. „[U]m den heldenmütigen Obersten und seine tapfere Schar hat sich ein förmlicher Sagenkreis gebildet.“ Noch immer hielten sich Gerüchte, er habe sich durchgeschlagen, oder er sei schwer verwundet in russische Gefangenschaft geraten. Die Möglichkeit seines Todes mochte man nicht so recht wahrhaben.

Zweifelsfrei geklärt wurde Alexander Broschs Schicksal erst im Winter 1916, als die Leiche gefunden, exhumiert, identifiziert und im folgenden Frühjahr im Kriegerfriedhof in Zaborce bestattet wurde. Obwohl sich herausstellte, dass seine Kaiserjäger in der Nacht vom 6. auf den 7. September 1914 völlig aufgerieben und ihre Regimentsfahne von den russischen Truppen erbeutet worden war, tat dies dem Heldenstatus des Obersten keinen Abbruch, im Gegenteil. Die Erinnerungsliteratur der Zwischenkriegszeit zeichnete ein mitreißend-heroisches Bild vom Opfermut der Kaiserjäger bis zum letzten Mann und von Broschs „Heldentod“.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Slg. Günter Sommer Bd. 15, Nr. 151)

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  1. Mein Vater, geb. am 31.5.1895, gehörte dem 2. Regiment Tiroler Kaiserjäger an. Er wurde aber kurz vor den Kämpfen in Galizien als UK freigestellt und arbeitete in seinem erlernten Beruf als Drucker. Dadurch entging er den verlustreichen Kämpfen in Galizien, wo
    beinahe das gesamte Regiment aufgerieben wurde und der erwähnte Kommandant, Oberst Brosch von Aarenau, fiel.
    Nach der Kriegserklärung Italiens am 23.5.1915 an Österreich-Ungarn wurde mein Vater wieder zum 2. Regiment eingezogen und war an der Südfront bis zum Kriegsende im Einsatz. Am 4.11.1918 geriet er in italienische Gefangenschaft und war in der Nähe von
    Verona in einem Gefangenenlager bis zum Juli 1919 interniert.
    Im Tiroler Landesarchiv, Michael-Gaismair-Straße, kann man sich über Verwandte, die in den Tiroler Verbänden, wie Kaiserjäger
    oder Tiroler Landesschützen (ab 1916 Kaiserschützen), dienten ausführlich informieren. Erforderlich dazu sind Vor-Nachnahme
    und das genaue Geburtsdatum.

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