skip to Main Content
#bilderschauen --- #geschichtenlesen --- #gernauchwiederimarchiv
Das Glück Dieser Erde…

Das Glück dieser Erde…

….liegt auf dem Rücken der Pferde (Tierisches Innsbruck II).
Dieser altbekannten Weisheit kann ich als passionierte Reiterin nur zustimmen. Umso trauriger finde ich es, dass der Reitsport sich immer mehr in die ländlichen Gebiete zurückzieht und der Stadt lediglich die Kutschen geblieben sind. Doch das war nicht immer so, denn vor einigen Jahrzehnten war der Pferderücken nur einen Katzensprung entfernt.

Mit dem heutigen Foto möchte ich euch die Reitschule Foltin vorstellen. Hier hatte der Innsbrucker Reitclub sein Zuhause, mitten im Herzen der Stadt, am Rennweg Nr. 3. Schon damals befand sich die heute bekannte Dogana an dieser Stelle, doch dort wo heute das Tanzbein geschwungen wird, trabten und galoppierten vor rund 90 Jahren noch edle Rösser quer durch die Halle. 1904 wurde die Reitschule, damals noch als Hofreitschule betitelt, gegründet und erfreute sich großer Beliebtheit. Aber  dann kam der Erste Weltkrieg und der Betrieb musste vorerst für eine sehr lange Zeit eingestellt werden. 1925 erwachte der Innsbrucker Reitclub aus seinem Kriegsschlaf und man bemühte sich um eine Neugründung. Der Club konnte den bekannten diplomierten Reitlehrer und ehemaligen Oberstleutnant der reitenden Tiroler Kaiserschützen Franz Foltin für sich gewinnen, unter dem die Reitschule mit neuem Namen nun wieder ihren Betrieb aufnahm.

Der Wirbel um die Reitschule war groß, in zahlreichen zeitgenössischen Berichten findet man Artikel, die für den Reitsport warben und betonten welche Bereicherung er für die Stadt Innsbruck doch sei. Gleichzeitig lobte man auch den Reitlehrer Foltin, der wegen seines Talentes in aller Munde war, denn auf internationalen Reit- und Springturnieren sicherten sich überwiegend seine Reitschülerinnen und -schüler die begehrten Podiumsplätze. Wenn es mal kein Turnier gab, so demonstrierte man das Können der Schützlinge auf Veranstaltungen, bei denen neben Einzelritten vom Reitlehrer selbst auch Schaureiten, Paarreiten oder Voltigieren auf dem Programm stand. Für ruhigere Tage bot der Reitclub Ausritte an, die teilweise bis ins Aachental, Zillertal, nach Mittenwald oder sogar bis nach München gingen. Wie lang das wohl gedauert hat? An Sonn- und Feiertagen wurde kostenloser Reitunterricht für Pferdebesitzer angeboten.

Wer hätte gedacht, dass der Reitsport in Innsbruck damals so präsent und begehrt war. Jedoch war es nur eine Frage der Zeit bis ein PS nicht mehr ausreichten und man auf Automobile umstieg, um schneller von A nach B zu kommen, wodurch die Nachfrage nach Reitunterricht sicher zurückgegangen ist. Des Weiteren wird auch die zunehmende Bebauung der Stadt eine Rolle gespielt haben, aber immerhin ist der Reitsport nicht gänzlich aus Tirol verschwunden, man muss nur ein paar Kilometer fahren, um dann wie Lucky Luke auf seinem Jolly Jumper in den Sonnenuntergang reiten zu können.

Noch ein Ausflugstipp zum Schluss: Für Franz Foltin wurde ein Gedenkstein am Innsbrucker Tummelplatz errichtet, der jederzeit besucht werden kann.

(Verena Kaiser)

Blick auf die Dogana vom Rennweg aus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back To Top
×Close search
Suche