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Mit Den Augen Des Unbekannten Fotografen II

Mit den Augen des unbekannten Fotografen II

Der Titel dieser Serie ist nicht nur dazu gedacht, Neugier zu erregen. Er deutet auch auf ein tatsächlich ungelöstes Rätsel hin.

Denn über den Ursprung der Fotoplatten dieser Serie ist leider überhaupt nichts bekannt. Soweit Datierungen durch den Fotografen vorhanden waren oder bei unserer Erstbearbeitung vorgenommen wurden, bewegen wir uns in den Jahren um 1910 bis 1920. Doch wer war der Fotograf? Wo in Innsbruck lebte er? War er auch beruflich als Fotograf tätig? Und handelt es sich überhaupt um einen Fotografen – oder vielleicht doch um eine Fotografin?

All das wissen wir nicht. Oder noch nicht? Denn wer weiß, vielleicht lassen sich in der Beschäftigung mit diesen Bildern zusammen mit unseren aufmerksamen und engagierten Leserinnen und Lesern neue Details entdecken. Vielleicht finden wir da und dort kleine Steinchen, die sich zu einem Mosaik zusammenfügen lassen? Wir werden sehen…

Heute lernen wir nicht nur die unverbaute Sill in Richtung der alten Pradler Brücke kennen, sondern auch Menschen aus dem näheren Umfeld des Fotografen. Im Vordergrund sind am Flussufer eine Frau und zwei Buben – wohl ihre Söhne –zu sehen. Womöglich sind es die Frau und Söhne des Fotografen. Oder geht hier ein Großvater mit seinen Enkeln und der (Schwieger)Tochter spazieren? Auch ganz andere freundschaftliche oder verwandtschaftliche Verbindungen wären natürlich denkbar.

Aus der Kleidung können wir zumindest ablesen, dass die abgelichteten Personen aus dem (gehobenen) Bürgertum stammen. Die Frau trägt ein schlichtes aber modisches Kostüm, die beiden Buben Matrosenanzüge. Warten sie auf das nächste Schiff, um von der Sill aus über den Inn und die Donau im Schwarzen Meer in See zu stechen? Weit gefehlt. Der Matrosenanzug hatte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in verschiedenen Ländern Europas zu einem typischen Kleidungsstück für bürgerliche Knaben entwickelt. Im Deutschen Reich spiegelte er auch die Marinebegeisterung Kaiser Wilhelms und den Anspruch auf „Weltgeltung“ wieder. Ob die Kleidung der Buben auf diesem Foto nur Ausdruck der zeitgenössischen Mode ist oder auch Rückschlüsse auf die politische Orientierung der Familie liefern könnte, darüber können wir nur spekulieren.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum, Ph-Pl-724)

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare
  1. Leider wurde inzwischen (2019) das mittlere der drei Häuser links auch abgerissen – bin schon sehr neugierig, was daraus wird. Es war das Gasthaus „Zur Brücke“, der Pradler „Bruggnwirt“ oder der „Hagleitner“ nach der langjährigen Besitzerfamilie benannt. Irgendwann hieß dann das ebenerdige Restaurant „Bistro“. Derzeit sieht man nur die ganze nackte Feuermauer des alten Zinshauses dahinter. Das Haus ganz vorne links (es war auffällig rot angestrichen) ist schon lange weg – es beherbergte eine Schmiede bzw. Schlosserei (Wagnerei?)

    Auffällig sind auch die Kandelaber bei den Brückenköpfen – die wurden im Krieg abmontiert und eingeschmolzen, auf den verbliebenen Steinsockeln kletterten wir immer herum, sehr zum Missfallen der vorbeigehenden Erwachsenen. Geholfen hat uns dabei, dass die Eisenkonstruktion etwa 10 cm über den Beton abgeschnitten wurden und wir dadurch einen guten Griff hatten.

    Auf der pradlseitigen Brückenrampe war auf der Mauer ein Geländer angebracht, ein Rohr mit Eisenstehern (man sieht es gerade noch unter der Straßentafel) – das war bestens geeignet zum balanzieren und zum Reck turnen. Wir Buben verbrachten viel Zeit hier, der Platz vor dem Müllermetzger war auch einer unserer Dotzenhackerplatzln. Hier kamen ja immer viel Leute zusammen, die es eilig in die Stadt hatten und nicht lange warteten und zuschauten, was mit ihrem Zehnerle wirklich geschah!

    Das Haus ganz rechts am Beginn der Zeughausgasse war eines der Traditionsgasthäuser der Umgebung – das „Goldene Schiff“. Als ich flügge wurde, war es schon aufgelassen bzw. von der Firma Volland&Erb übernommen – aber meine Onkels erzählten immer begeistert, was hier alles los war! Links davon die ersten Häuser der Dreiheiligenstraße.

    Frage an das Stadtarchiv: Gibt es etwas über das „Goldene Schiff“?

  2. Irgendwie erkenn ich die Brücke überhaupt nicht, hatte die bis zum Schluss dieses schöne Geländer?
    V.a. hab ich aber die Abfahrt in Richtung Reichenauer Straße viel „steiler“ in Erinnerung… ich kann noch das Achterbahn-light-Gefühl spüren, wenn der Bus über den Buggl fuhr und man ganz hinten saß 🙂

    1. Grüß Gott Frau Wagner! Ob das Geländer selbst bis zum Abriss dieser Brücke bestand (da wohnte ich nicht mehr in Innsbruck), kann ich nicht sagen. Aber was ich genau weiß: Als die vier Kandelaber an den Brückenköpfen im Krieg entfernt und zu Kriegsmaterial eingeschmolzen wurden, blieb dieses Geländer erhalten. Auch verständlich: Eine Absicherung brauchte man weiterhin, Lampen nicht unbedingt, zumal die Straßenbeleuchtung aus Luftschutzgründen sowieso ausgeschaltet war.

      Die Rampe selbst war nicht so steil, aber ein allmählicher Übergang von der waagrechten Brückenfahrbahn fehlte – man hatte im Obus das gleiche Gefühl wie auf der Nordkettenbahn nach einer Stütze!

      Ein Fehler ist mir bei meinem Beitrag vom 19.10.2020 bezüglich des Geländers passiert: Es gab keine Eisensteher, sondern welche aus Stein (Granitsteine?) oder Beton, durch die das Rohr (unsere Reckstange) durchführte.

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