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Kaum Wiederzuerkennen…

Kaum wiederzuerkennen…

Die Höttinger Au gehört zu den Stadtteilen, die sich ab der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts wohl am meisten verändert haben. Wo heute Studentenheime und Wohnblöcke die Straßenzüge säumen, waren einst stattliche Gast- und Ökonomiebetriebe zu finden. Auf unserem wunderbaren Foto aus der Sammlung Walter Kreutz vom 6. Oktober 1950 gibt es viel zu entdecken: Wir blicken Richtung Osten, auf Höhe des Fotografen mündet rechterhand der Fürstenweg in die Höttinger Au ein, im Hintergrund sind noch keine hochaufragenden Blöcke des Mariahilfparks zu sehen. Die Gebäude in diesem Gebiet sind so niedrig, dass sogar die Turmspitzen des Doms zu erkennen sind. Am Eckhaus ist gerade noch der Schriftzug „Schreibwarenhandlung“ zu lesen. Um welches Geschäft könnte es sich hier wohl gehandelt haben?

Davor sehen wir einen Rad- (oder Moped?)-Fahrer, der gerade in Richtung Unibrücke abbiegt. Das Verkehrsaufkommen ist gering (man halte sich kurz vor Augen, wie viel Verkehr sich heutzutage manchmal durch diese Kreuzung schiebt, für den Höttinger/Hungerburger Autofahrer vor allem in Zeiten der Riedgassen-Sperre ein besonders prägendes Erlebnis).

Linkerhand finden sich knapp nebeneinander zwei stattliche Gasthöfe: der „Tiger“ und das „Rössl in der Au“, laut Heimatforscher Hugo Klein die „ansehnlichste Herberge dieser Gegend“ (mehr zur Rösslwirt hier). Die unmittelbare Nachbarschaft dieser beiden Gasthäuser ist wohl noch ein Hinweis darauf, dass die Höttinger Au einst entlang einer wichtigen Verkehrsroute gelegen war und viele An- und Durchreisenden hier vorbeikamen. Das Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite gehörte ebenfalls zum „Rössl“, es handelte sich um das Wirtschaftsgebäude des Betriebes, „Flungerstadl“ nach den Besitzern des Rösslwirts genannt, wo Stallungen etc.untergebracht waren. Im Jahr 1937 wurde hier eine Botenzentrale eingerichtet, die auch nach dem Weltkrieg noch lange Bestand hatte. Hier kamen Waren von Lieferfirmen an und wurden zwischengelagert, bevor sie von den Boten abgeholt und an die Kunden ausgeliefert wurden. Während das Haupthaus des „Rössl“ im Jahr 1980 abgerissen wurde, bestand dieses unter anderem als Lagerräumlichkeit weiter und bis ins Jahr 2004.

(Stadtarchiv Innsbruck, KR-NE-829)

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare
    1. Sehr geehrter Herr Roilo,
      das dürfte stimmen – Auch der Hötting-Experte Ernst Wacker gab diesen Hinweis in seinen Erläuterungen, allerdings habe ich kein Datum dazu finden können

      1. Grüß Gott Frau Fritz! Ich bin inzwischen fündig geworden! Laut Innsbrucker Nachrichten vom 2.3.1937 Seite 7 wurde die Innsbrucker Botenzentrale im „Flungerstadel“ gegenüber dem Gasthof „Rössl in der Au“ in diesem Jahr eröffnet.
        http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ibn&datum=19370302&seite=7&zoom=33&query=%22Botenzentrale%22&ref=anno-search

        Die Botenzentrale war auch noch lange nach dem Krieg die zentrale Anlaufstelle der Boten aus ganz Tirol! Hier wurden Warenbestellungen bei Innsbrucker Firmen von diesen angeliefert, zwischengelagert, von den einzelnen Gebiets- / Talfrächtern bei ihren Botentagen übernommen und an die Kunden ausgeliefert.

        Ich habe zwei Kontaktpersonen, die mir viel über die Botenzentrale erzählt haben – den Seniorchef des Imster Boten, Adolf Mark, und meinen Schwager, der beim Hinterötztaler Boten Praxmarer Fahrer war.

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