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Glanz Und Elend

Glanz und Elend

Am 18. August 1910 beging die Habsburgermonarchie den 80. Geburtstag Kaiser Franz Josephs (1830–1916). Im Rahmen der offiziellen Feierlichkeiten wurden an diesem Tag – wie jedes Jahr am „Kaisergeburtstag“ – die Zöglinge des letzten Jahrgangs der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt bzw. der 16 Infanterie-Kadettenschulen feierlich ausgemustert. Für sie begann damit ihre Laufbahn als Berufsoffizier. Angehörige des Offizierskorps genossen in Österreich-Ungarn eine Reihe von Privilegien, darunter „die Steuerfreiheit für das dienstliche Einkommen ihrer Person“ oder auch den Anspruch auf taxfreie Erhebung in den Adelsstand nach einer bestimmten Dienstzeit. Ihr Gehalt war jedoch vergleichsweise schmal bemessen, sodass das geflügelte Wort vom „glänzenden Elend“ durchaus eine gewisse Berechtigung hatte.

In Innsbruck existierte seit 1869 eine Infanterie-Kadettenschule und auch hier fand am 18. August 1910 die Ausmusterung der Zöglinge des vierten Jahrganges statt – allerdings nicht in den Räumlichkeiten der Kadettenschule am Innrain, sondern ausnahmsweise in der Ausstellungshalle im Saggen (unser Titelfoto zeigt den Moment der Eidesleistung). Insgesamt 24 junge Männer schlossen an diesem Tag in Innsbruck ihre Offiziersausbildung ab. Wer von ihnen wohl dabei daran gedacht haben mag, dass sie tatsächlich in nicht allzu ferner Zukunft in den Krieg ziehen würden?

Nur vier Jahre später trug Österreich-Ungarn mit der Kriegserklärung an Serbien wesentlich zur Entfesselung des Ersten Weltkriegs bei. Von den 24 jungen Offizieren war einer inzwischen bei einer Bergtour in den Dolomiten verunglückt. Alle anderen zogen mit ihren Regimentern nach Galizien oder Serbien. Nahezu alle von ihnen scheinen in den sogenannten Verlustlisten auf, manche sogar mehrfach. Mindestens fünf verloren im Ersten Weltkrieg ihr Leben, acht von ihnen wurden mehr oder weniger schwer verwundet, zwei mussten infolge einer Erkrankung ins Spital und vier gerieten in Kriegsgefangenschaft. Unter letzteren befand sich auch Gottfried Jenny, der 1914 als Leutnant im 3. Regiment der Tiroler Kaiserjäger verwundet in russische Gefangenschaft geriet, in ein Offizierslager in Tomsk (Sibirien) kam und erst im Sommer 1920 aus Russland zurückkehren sollte. Kein Einzelfall.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Sommer-1)

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