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Bewährungsprobe Bestanden

Bewährungsprobe bestanden

In den frühen Morgenstunden des 25. Juli 1858 brach in Innsbruck ein Großbrand aus, der zahlreiche Bürger aus ihrer wohlverdienten Nachtruhe aufschreckte. Auch der Innsbrucker Chronist und k. k. Gubernial-Registrant Gottfried Pusch wurde vom Lärm geweckt. Ihm verdanken wir eine plastische Schilderung der ersten Bewährungsprobe des von Franz Thurner gegründeten „Rettungscorps“, dem Nukleus der Innsbrucker Feuerwehr. Wörtlich berichtet Pusch:

„Einige Minuten nach 4 Uhr Morgens hörte man Feuer Rufen, dann erscholl die Feuerglocke und die am Stadtthurm aufgehängte rothe Fahne zeigte nach der Richtung des Brandes, es brannte nämlich das große an die Mauer des alten Friedhofe anstossende städtische Bau Materialien und Requisiten Locale, welches früher als interimistische […] Fleischbank galt […]. Eine ungeheuere Flamme loderte auf einmal auf allen 4 Ecken auf, die Ursache dieses Brandes ist noch unentdeckt.
Man eilte mit den Spritzen daher, es kamen auch die Spritzen aus den benachbarten Gemeinden Hötting, Wilten und Mühlau, allein dieses schon weit um sich ge… [?] Feuer konnte nicht mehr Einhalt gethan werden, und man beschränkte sich darauf, um die Weiterverbreitung zu verhindern diesen Stadel zusammenzureißen, in welchem sich ausser vielen Holzvorräthen auch die Baugerätschaften, die Nothbrücken, eine Menge Asphalt, und viele Zentner dem Kupferschmied Rauch gehörig Blechs befanden, von welchem letzte[ren] noch einiges gerettet wurde, das übrige gieng alles zu Grund, so auch die weißmarmorene Statue des h. Johannes, so [sic] vor mehrern Jahren von der hiesigen Innbrücke entfernt wurde.
Der Schaden, den die Stadt durch diese Feuersbrunst erlitt, schlägt man auf 8000 fl. [entspricht rund 110.000 Euro] an. […]
Auch das Rettungscorps unter Thurners Anleitung hat sich sehr brav gehalten.“

Pusch schließt seinen Bericht mit der Bemerkung, dass es zu wünschen sei, „daß dieses Rettungscorps eine große Ausbreitung erhalte, oder das in gleicher Weise mehrere solche Corps entstehen möchten, indem es bei diesem Brande wirklich an Arbeitern mangelte.“ Dieser Wunsch ging in Erfüllung. Mit ihrer Leistung bei diesem Brandeinsatz konnten Franz Thurner (den wir auf unserem Titelfoto im Kreise einiger Gründungsmitglieder sehen) und seine Männer auch den Innsbrucker Bürgermeister Josef Anton Neuner überzeugen, der bislang dem „Rettungscorps“ eher ablehnend gegenübergestanden war. Heute zählt die Stadt Innsbruck neben der Berufsfeuerwehr zehn Freiwillige Feuerwehren und zwei Betriebsfeuerwehren.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Pusch Chronik Bd. 1858-1865 / Ph-G-15295)

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