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Anatomie Einer Gasse

Anatomie einer Gasse

Wenn wir hier in die Hofgasse blicken, dann entbehrt es nicht einer gewissen Tragik, dass das Goldene Dachl, unbestritten „das“ Denkmal in Innsbruck akkurat von einer Hakenkreuz-Fahne verdeckt wird. Gott-sei-Dank sind die Fahnen und hoffentlich auch der damit verbundene Ungeist verschwunden.

Aber schauen wir uns die Gasse etwas genauer an:

Ein Pferdefuhrwerk des Bürgerbräu bringt möglicherweise Nachschub für das Gasthaus „Goldenes Dachl“, Pfarrgasse 2. Es dürfte sich aber eher um eine Lieferung an das Gasthaus mit dem vielsagenden Namen „Zum Touristen“ handeln. In der Hofgasse 12 befindet sich der Gasthof „Zum Burgriesen“. Auf dem Schild steht zwar Altdeutsche Weinstube, aber eigentlich war das Lokal die Bierhalle der Reininghaus-Brauerei aus der Steiermark.

In Haus Nummer 10 erahnen wir den Schriftzug des Bäckers Friedrich Schiller. Auch die Geschirrhandlung von Franz Glätzle hatte diese Adresse. Ebenso das Lebensmittelgeschäft von Elfriede Schiller. Dahinter in Haus Nummer 8 die Tabaktrafik des Alois Singer. Unter gleicher Adresse firmierte das Pfeifenspezialgeschäft des J. Fink. Wiederum ein Haus weiter ist der Laden des Friseurs Rudolf Petry und dann der des Fotografen Viktor Holy. Daneben gab es in der Pfarrgasse 4 noch einen Handel von fotografischen Bedarfsartikel von Viktor Holy. Auch in der Hofgasse 4 befand sich der Lebensmittelladen von Ferdinand Frasinelli. Im Haus Hofgasse 2 befand sich seit Jahrhunderten ein Gasthaus, das seit der Mitte des 19. Jahrhunderts „Beim Hummel“ hieß und im Eigentum von Robert Nißl stand. 1939 war Paula Haslwanter die Pächterin.

In Hausnummer 3 befand sich damals bereits das Geschäft des bekannten Glasers Paul Tollinger. Im gleichen Haus befand sich auch der Handel mit Stahlwaren von Aldo Lorenzi. Ebenso Das Geschäft von Speranza Kappeller. Sie handelte mit Kurzwaren und betrieb einen Spielkarten-Verschleiß. In der Hofgasse 5 befand sich das Lebensmittelgeschäft von Maria Jäger. An gleicher Adresse betrieb der Obst- und Gemüsehändler Maximilian Blöb seine Geschäfte.

Aber war das schon Alles? Eben nicht.

Ich habe für das Jahr 1939 versucht herauszufinden, welche sonstigen Betriebe in der Hofgasse angesiedelt waren. Es sind die kleinen Gewerbetreibenden, deren Ziel weniger das Anhäufen von Reichtümern war, sondern einfach irgendwie zu überleben:

In der Hofgasse 5 wohnte der Dienstmann Josef Blöb; gegenüber auf Nummer 4 mit Karl Ribnac einer der beiden Tierausstopfer, die es damals in Innsbruck gab. Auf Nummer 5 arbeitete der Schuhmacher Karl Koll; im Haus daneben der Schleifer Heinrich Lorenzi.

Johann Kleißl arbeitete als Kleidermacher in der Hofgasse 10. An gleicher Adresse firmierte Hermann Winkler. Er betrieb eine „Häuserreinigungsanstalt“ und das verwandte Gewerbe der Ungeziefervertilgung.

Wenn ich mich nicht verzählt habe befanden sich in der Hofgasse insgesamt 22 kleinere und kleine Betriebe.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Signatur: Ph-25.320)

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