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Alt & Ehrwürdig

Alt & ehrwürdig

Als älteste Schule Westösterreichs und eine der ältesten Schulen im deutschsprachigen Raum darf sich das Akademische Gymnasium in Innsbruck betiteln. Mit Gründungsdatum 12. Mai 1562 wurde es im Zuge der Gegenreformation als Lateinschule der Jesuiten eröffnet. Mit 71 Schülern, hauptsächlich adeliger Söhne, startete der Unterricht erstmals am 25. Juni desselben Jahres. An das Gründungsdatum 1562 erinnert heute noch ein Wappenstein an der Ecke Universitätstraße/Angerzellgasse. Allerdings war es gar nicht so einfach, Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen: Vorerst fand der Unterricht in den Räumlichkeiten des späteren Volkskunstmuseums statt, die den Jesuiten vom Franziskanerorden zur Verfügung gestellt wurden. Allerdings eskalierte im Jahr 1575 ein Streit zwischen Franziskanern und Jesuiten und das Gebäude musste geräumt werden. Die Schüler wurden nun unter anderem in der heutigen theologischen Fakultät untergebracht, doch es herrschte eklatanter Platzmangel. Im Jahr 1599 mussten sogar zwei Klassen stehend unterrichtet werden.

Die Gebäudegeschichte bleibt spannend: Ein neues Schulhaus wurde im Jahr 1606 fertiggestellt. Dieses wurde jedoch bei einem Erdbeben beschädigt. 1724 zog die Schule deshalb in einen Neubau, von niemand geringerem als Georg Anton Gumpp errichtet: das heutige Gebäude der theologischen Fakultät. Hier war das Akademische Gymnasium bis 1868 beheimatet, dann musste es wieder in Räumlichkeiten des Volkskunstmuseums ziehen. Das heutige Schulgebäude wurde schließlich im Jahr 1909/10 am Gelände des ehemaligen botanischen Gartens des Jesuitenordens errichtet. Tatsächlich hörte der Platzmangel aber auch mit dem neuen Gebäude nicht wirklich auf: Vor allem in Kriegszeiten wurde es immer wieder eng. Erst mit Bau des Reithmanngymnasiums 1965 wurde die Situation entschärft.

Und noch etwas Anekdotenhaftes zum Abschluss: ursprünglich als Schule hauptsächlich für adelige Burschen begonnen, hat das AGI auch heute noch den Ruf einer „Eliteschule“ – sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. So ist das AGI mit dem Paulinum in Schwaz die einzige Schule in Tirol, wo man (noch) Alt-Griechisch als Fach wählen kann und damit die einzige in Innsbruck, wo man eine klassische humanistische Ausbildung erhalten kann. Auf der anderen Seite ist – wohl auch bedingt durch die Nähe zum Gymnasium Sillgasse, ein kleiner „Konkurrenzkampf“ zwischen den Schulen entstanden: die „AGI-ler“ (zu denen auch ich mich zählen durfte) wurden vor allem von den benachbarten Sillgasslern ganz gerne als die „Reichen und Schönen“ bzw. die „Schnösel“, bezeichnet („AGI“ selbst mauserte sich wohl zum bezeichnenden Ausdruck). Welche Attribute wir wiederum den Sillgasslern zuschrieben, wird an dieser Stelle verschwiegen… 🙂

(Foto: Friedl Murauer, Stadtarchiv Innsbruck, Ph-9250)

Neues Farbenkleid: seit Sommer 2020 erstrahlt das Schulhaus nun in Gelb. Davor war es rostorange. (Stadtarchiv Innsbruck, Ph-Dig-939).

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