Verbotene Tänze
Die Faschingszeit war immer schon eine Zeit der (gezielten) Ausschweifung. Der Kirche beobachtete das wilde Treiben daher stets auch mit einem gewissen Argwohn, versuchte dieses in geordnete Bahnen zu lenken oder den ärgsten Auswüchsen durch Ermahnungen oder Verbote gegenzusteuern.
Zu letzterem passt die Warnung des Apostolischer Administrator von Innsbruck-Feldkirch, Sigismund Waitz, vor den damals modernen Tänzen im Februar 1926. Waitz griff damals eine Erklärung des Österreichischen Episkopats auf, der schon wenige Jahre geschrieben hatte:
Wir erklären diese [modernen] Tänze als mit dem kirchlichen Sittengesetz durchaus unvereinbar, als schwer sündhaft und schweres Aergernis gebend; christliche Mütter können es mit ihrem Gewissen nie und nimmer vereinbaren, ihren heranwachsenden Töchtern die Teilnahme an diesen diesen Tänzen zu gestatten, und die Beichtväter wären vorkommenden Falles genötigt, solchen die heilige Absolution zu verweigern.
Waitz folgerte daher apodiktisch:
Moderne Tänze, die – fast alle von übelster Herkunft – die Sittsamkeit und Schamhaftigkeit bedrohen, dürfen unter keinen Umständen, auch nicht in angeblich verfeinerter Form, länger geduldet werden.
Um welche Tänze es sich dabei handelt, erklärte Waitz indes nicht, wahrscheinlich hatte er aber wohl den Foxtrott besonders aber Shimmy und Charleston vor Augen. Gerade letzterer sprengte mit seiner Dynamik und den wilden Verrenkungen die Grenzen des traditionellen Tanzes und war Ausdruck wiederkehrender Lebensfreude in den schweren Nachkriegsjahren. Wenig überraschend ist außerdem, dass nur die „heranwachsenden Töchter“ angesprochen sind, zumal diese Tänze ja auch Ausdruck weiblicher Emanzipation und daher gefährlich für traditionelle Gesellschaftsvorstellungen waren.
Andere Zeitungsmeldungen legen allerdings durchaus nahe, dass diese (meist amerikanischen) Tänze, dennoch ihren Weg in die Innsbrucker Tanzlokale gefunden haben oder dort nachgeahmt wurden – oft gab es ja nur Beschreibungen der Schrittfolgen. Ob die Personen im Bild auch den Charleston übten, kann ich Ihnen nicht sagen. Jedenfalls scheint es Ihnen durchaus Freude zu bereiten, wenngleich doch noch etwas Übungsbedarf und ein Blick auf die Füße notwendig war.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum PH-Pl-2503)