Trauer um die Weide
An der heute mit einem Kreisverkehr ausgestatteten Kreuzung von Stafflerstraße und Sonnenburgstraße steht ein kleiner Brunnen, der im Volksmund als „Salz- und Pfefferfassl-Brunnen“ bekannt ist.
Für mich war jedoch stets die Trauerweide daneben der eigentliche Blickfang. Wann genau sie gepflanzt wurde, lässt sich heute nur mehr schwer feststellen. Die im Stadtarchiv erhaltenen Fotografien legen nahe, dass dies irgendwann zwischen 1909 und 1960 geschehen sein muss. Aufgrund ihrer bereits beachtlichen Größe auf den Aufnahmen von 1960 spricht jedoch vieles dafür, dass die Pflanzung deutlich früher erfolgt ist.
Vermutlich, um mit seinem rasch in die Höhe wachsenden Nachbarn Schritt zu halten, erhielt der Brunnen im Jahr 1989 einen Sockel und wurde zugleich restauriert. Die Weide hingegen musste 2016 leider gefällt werden.
Ihre Nachfolgerin, die zwischenzeitlich beinahe eine Linde geworden wäre, steht inzwischen ebenfalls schon seit zehn Jahren an diesem Standort. Auch sie hat sich mittlerweile zu einem stattlichen Baum entwickelt.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-Dig-133-234)
Um 1960 – jedenfalls während meiner Postdienstzeit – mußte die erste Trauerweide bereits entfernt werden.
Ob es diese erste Trauerweide war, die nachts plötzlich seitlich auf den Brunnen gekippt war – ich schwöre jeden Eid! Ich hab sie quer liegen gesehen, morgens. In meiner Erinnerung könnte das im April (evtl Mai) gewesen sein.
Auch die nächste gepflanzte Trauerweide überlebte die Jahrtausendwende nicht. Sie wurde noch zu Lebzeiten meiner Mutter (+ 1997) gefällt, da sie angeblich krank und „umsturzgefährdet“ war.
Somit wäre schon eine dritte oder gar vierte Nachpflanzung erfolgt.
Müßte da das Innsbrucker Stadtgartenamt nicht jeweils einen „Personalbogen“ haben, wann und wie oft eine neue Weide am „Dienstort Sonnenburgplatz“ gepflanzt und ihrem Schicksal überlassen wurde, nachdem die Vorgängerin entfernt werden mußte?
Und – Frage!!! – wieviel Wasser steht n e b e n dem Brunnen der Weide im zuasphaltierten Boden zur Verfügung?
Mir kam immer vor, diese Weide ist irgendwie ein vergessenes, da ungeliebtes Stiefkind – auch wenn vielleicht alle paar Jahrzehnte die hängenden Zweige unten alle zur gleichen Zeit waagrecht abschnitt. Zumindest erinnere ich mich auch daran, wie die Weide einmal sozusagen einen „Minirock“ trug und die beiden ineinander verschlungenen Delphine wieder sichtbar geworden warem.
Mit dem Trittroller im Alter von zehn Jahren in den Sechzigern allein in dieser Gegend, heute undenkbar wegen dem Verkehr und seit 2015 auch aus einem anderen Grund (wir haben es NICHT geschafft). Links vom T2 mit weißem Dach war der Geier-Metzger, später der Gallop. Der Geier hatte sehr gute Wurst. Wenn ich mir als Kind eine Wurstsemmel kaufte, standen im Laden bauchige Limonaden-Flaschen mit der Aufschrift „Aranciata Palermo“. Geografie war mein Lieblingsfach und ich wusste, daß Palermo weit weg war. Für mich war es sehr weit weg, denn der Urlaub nach Riccione mit Eltern, Onkel, Tante, Dachträger und 36 PS war schon eine logistische Herausforderung. Noch bevor ich die Wurstsemmel kaufte, gab es kurz nach dem Durchlass beim Cafe` Bozen im Bereich Stafflerstr. 20 sehr oft für mich als autobegeistertes Kind den ersten „Leckerbissen“ – einen dort geparkten himmelblauen 64er Buick Riviera, wie ihn die Seniorwirtin vom Gasthaus Kranebitten hatte.
Ich bin kein Gärtner aber habe auf meinem Grundstück viele Arten von Nadel- und Laubbäumen – mir hatte damals die gefällte Trauerweide auch keinen kranken Eindruck gemacht.
An diese Straße mit dem Brunnen und der Trauerweide kann ich mich sehr gut erinnern. In der ersten Hälfte der 50er Jahre hab ich zeitweise in der Sonnenburgstr. 20 bei meinen Großeltern gewohnt. (auf dem Bild nicht sichtbar, weil es etwas zurückversetzt war und durch das Haus Sonnenburgstr. 18 verdeckt ist. Im Haus Nr. 18 gab es in dieser Zeit das „Gasthaus Staatsbahn“, welches schon lange nicht mehr existiert. Praktisch hinter dem Rücken des Fotografen war ein Lebensmittelgeschäft namens „Harasser“ oder so ähnlich.
Natürlich, der Harrasser – der röstete den Kaffee selbst, er hatte im Laden rechts hinten einen kleinen Röstofen stehen. Wann er das Geschäft aufgegeben hat? Das muß Mitte oder 2. Hälfte der 60-er Jahre gewesen sein, denn 1968 war schon der Friseur Geiswinkler hier. Vorher war er in einem der beiden kleinen Friseurläden gegenüber auf Sonnenburgstaße 12, das zweite Ladele wurde als Damensalon von der Witwe Bibus betrieben – die war übrigens die Schwester von Frau Scheligo, Schuhreparatur Sonnenburgstraße 14. Später war ein Schneider hier.
Die Wirtin vom Gasthaus Staatsbahn war die Frau Grameiser – im Fischerhaus Sonnenburgstraße 18. Immer stand mittags eine kleine Stehtafel am Gehsteig, auf welcher dreierlei Varianten des Mittagsmenus mit Kreide aufgeschrieben waren. (3 oder 2 Gänge – oder ein einfacher „Teller“)
Und was das Haus Sonnenburgstraße 20 betrifft, fallen mir auf Anhieb nur Namen wie DRAXL, NAGELE, STANGER, WILHELM, PICHLER und SCHEIFLINGER ein, möglicherweise auch LAGGAUER, aber da bin ich mir nicht mehr ganz sicher…
Können Sie sich an den Hausmeister Grießenböck erinnern, welcher eisern darüber gewacht hat, daß Fahrräder durch den Hof nur geschoben werden durften? Es hat „einen Segen gebraucht“, bis Kleinkinder mit Dreiradler und Roller im Hof unterwegs sein durften…
Ja, ja! Wehret den Anfängen!!!
Die Namen Wilhelm und Scheiflinger sagen mir was. Die Frau Wilhelm Sofie hat im Parterre gewohnt und hat am Fenster sitzend manchmal irgendwelche Heimatlieder mit uns Kindern gesungen. Meine Großeltern haben Platzer geheißen und die Großmutter war Kellnerin im Gasthaus Pinzger in der A. Hoferstr. An einen Grießenböck kann ich mich nicht erinnern.
Jetzt erklärt sich Deine verblüffende Ortskenntnis dieser Gegend spät aber doch. Wir kamen einmal von einem Schinachmittag mit der Volksschule auf der Ferrariwiese am Nachhauseweg in der Nähe vorbei, und als ich meinen Durst vorjammerte, wußte der Laner Walter doch tatsächlich „ein Bründl“ in einem dieser Häuser, wahrscheinlich eh im 20er Haus. Gerettet. Unvergessen.
Ja, der Wohnblock in der Nähe des Sonnenburgplatzls war eine Welt für sich! Es ist schön, daß auch Sie sich gerne daran erinnern!
Ja – Platzer! Bitte korrigieren Sie mich – aber ich glaube, das war die Ostwohnung im 2. Stock, alle Fenster zur Sonnenburgstraße 17 hinüber, Vorraum gemeinsam mit „Floriani“, wenn ich mich nicht irre. Vor „Floriani“ das Ehepaar Pichler ist Mitte 1954 ausgezogen, als der Sohn die Matura gemacht hat. Der war übrigens schon deshalb „vielbewundert“, weil er EIN WILTENER SÄNGERKNABE gewesen war (und bemitleidet, weil die leibliche Mutter bei seiner Geburt verstorben sei). Ja – der Hof war ein Dorf! Man sehnte sich hinaus – und hatte dann Heimweh nach ihm…
Und der Hausmeister Grießenböck wohnte eh Andreas Hofer Straße 43, hat also „den Ostblock“, Sonnenburgstr. 20 und 22, nicht so betroffen. Sein Nachfolger war ein Herr Melmer, der die Agenden an die tüchtigste Frau übertragen hat, die ich je kennengelernt habe – nämlich an seine aus Oberösterreich stammende Gattin.
Entschuldigung – muß natürlich „Andreas Hofer Str. 53“ heißen!
Das mit der Ostwohnung im 2. Stock stimmt und unsere Fenster waren alle zur Sonnenburgstr. ausgerichtet. Und ich hätte es nicht mehr gewußt, aber wir teilten uns einen Stiegenhausvorraum und auch das WC mit einer Frau, deren Namen ich nicht mehr weiß. Vielleicht war es Frau Floriani. Die Scheiflingers war im gleichen Stock und ich glaube mit hofseitigen Fenstern. Im Hof war ein ebenerdiger Bau mit Waschküchen für den ganzen Block. Alle Wohnungen in diesem Haus waren ohne Bad, und eigenem WC. Fließend Wasser gab es im Stiegenhaus. Geheizt wurde vorwiegend mit Braunkohle, welche die Eisenbahner billig oder gar gratis beziehen konnten.
Oh, danke für diese Antwort – da steigt mir direkt wieder der schwefelige Geruch dieser Bundesbahnbraunkohle in die Nase…im Herbst…wenns oba druckte, das Wetter und von da an durch den Winter…
Nicht nur die Waschküchen waren genau eingeteilt für die jeweiligen Hausnummern, sondern auch die Wäscheaufhängestangen, zwischen denen man den eigenen Wäschestrick spannte. Ja – und daß die zur Wohnadresse gehörende Waschküche gebraucht würde, war zeitgerecht anzugeben.
Innen vorhanden waren: der (gemauerte) Herd mit (eingemauertem) Kessel. Ein Holzgitter, auf dem man stehen konnte. Ein großes ovales Wäscheschaff, das man auf ein hölzernes vierbeiniges Waschkreuz stellte. Der Schwemmtrog, zu dem die Wasserleitung führte, war gemauert. Waschbrett („Rumpel“), Bürsten etc. stellte man selbst bei.
Ja – ich schreibs nur deshalb hin, weil sich heute niemand mehr an diese Begriffe zu erinnern scheint. Damals – 1950, als wir einzogen – war noch nichts mit Waschmaschinen. Die ersten, die es gab, hatten keinen guten Ruf! „De z’reißn lei die ganze Wäsch!“ (Drehflügelmaschinen). Die Trommelwaschmaschinen kamen erst später. Und „Automatic“ (Vollprogramm mit abchließendem Schleudern der Wäsche), das dauerte – ich schätze, bis in die 70-er Jahre. Wenn es das vorher schon gab, dann war es für die überwiegende Mehrheit der Eisenbahnerfamilien noch nicht erschwinglich.
Soviel zum Alltag in den 50-er Jahren für Frauen im Eisenbahnerwohnblock, der am Titelbild hinter die prächtigen Bauten der Sonnenburgstraße zurücktritt.
Aber das Titelfoto dürfte eigentlich aus dem zweiten Drittel der 60-er Jahre stammen – oder irre ich mich?
Was sagen unsere Autofachleute?
Nur ein schneller Blick:
VW Golf I rechts kam im Frühjahr 1974 auf den Markt.
Weiter habe ich jetzt nicht geschaut.
… und der W123 kam 1975.
https://photos.app.goo.gl/W2JfYsyXrYpjWktf8
Dieses Foto stammt vom 5.8.1965.
Deutlich weniger Autos zu sehen, gell!