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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Richard Steidle (XXIX.)

Richard Steidle (XXIX.)

Am 9. Februar 1928 titelten die Innsbrucker Nachrichten „Abrüstung und Entpolitisierung in Österreich. Besucher zu Entspannung der innenpolitischen Lage.“ Diese Schlagzeile, die man retrospektiv wohl als etwas optimistisch beschreiben darf, wurde von dem Bericht des Wiener Tagblattes gefolgt, dass sich „der Führer der Alpenländischen Heimatwehren, Bundesrat Dr. Steidle, derzeit in Wien [befindet]. Man bringt in politischen Kreisen seine Reise mit den Bemühungen der Regierung, eine Entspannung der politischen Lage herbeizuführen, in Zusammenhang“.

Hinter der zunehmenden Polarisierung und Arbeitsunfähigkeit des Nationalrates verortete der Artikel im Wesentlichen „die gegenseitige Aufrüstung. Die Sozialdemokraten betrachten die Heimatwehren als ihren Gegner und fordern ihre Auflösung, während umgekehrt die bürgerlichen Selbstschutzformationen vorerst die Auflösung des Republikanischen Schutzbundes verlangen, ehe sie selbst an einen Abbau denken wollen.“

Die Hoffnungen, welche man in diese Gespräche gesetzt hatte, wurden allerdings bereits rasch wieder untergraben. Was bedeutet rasch? Pessimisten würden sagen nach einem Tag, aber man es auch positiver sehen und sagen, dass man 24 Stunden, oder auch 1.440 Minuten oder sogar 86.400 Sekunden hoffen konnte.

Unabhängig davon, wie man sich entschied diesen Zeitraum zu unterteilen, fand sich am 10. Februar eine kleine Notiz in den Nachrichten, in der Steidle berichtete, „dass er wohl in den letzten Tagen in Wien weilte und dass er dort mit verschiedenen führenden Persönlichkeiten Besprechungen hatte, dass aber dabei von allem möglichen gesprochen wurde – nur von der Frage der inneren Abrüstung nicht. Dieses Problem sei noch niemals zur Diskussion gestanden, weshalb die Meldungen dies Wiener Blattes und die daran geknüpften Betrachtungen jeglicher Grundlage entbehren.“

Diese Sicht der Dinge wurde einige Tage später durch einen Bericht der Münchner Zeitung bekräftigt, in der ebenfalls von den „informellen Treffen“ Steidles mit Bundeskanzler Seipel berichtet wurde und dass „kein Wort über eine sogenannte Abrüstung der Heimatwehren gesprochen“ worden sei. Das bayrische Blatt stellte dazu fest, dass „Herr Dr. Steidle und die ganze immer mehr anwachsende Heimatwehrbewegung einem derartigen Ansinnen und den gegeben politischen Verhältnissen in Österreich entschiedensten Widerstand entgegensetzen.“ Die Innsbrucker Nachrichten spekulierten hingegen, dass die Opposition gegen das Ansinnen des Kanzlers v.a. von Seiten der Sozialdemokraten kommen werde. Die Münchner Zeitung beendete ihren Bericht mit dem wohl leider prophetischen Satz, dass „die Gefahr besteht, dass die Dinge durch ein allzu langes Fortwursteln einen schlimmen Verlauf nehmen“.

(FW-M-9_6, Gedenkmünze Ignaz Seipel)

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