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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Richard Steidle (XVII.)

Richard Steidle (XVII.)

Am 30. Januar 1927 fielen in Schattendorf die folgenreichen Schüsse, die zwei Menschen töteten und acht weitere verletzten. Unmittelbar nach den Ereignissen herrschte noch Unklarheit über die Einzelheiten. Im ersten Artikel der Innsbrucker Nachrichten vom 31. Januar waren unterschiedliche Berichte zu lesen. Die Frontkämpfer beteuerten, ihre Mitglieder hätten lediglich in Notwehr gehandelt, während der Schutzbund die Schüsse als gänzlich ungerechtfertigt darstellte. Während das Blatt dementsprechend titelte „Ein blutiger Sonntag im Burgenland“, war in der Volks-Zeitung zu lesen „Blutiger Frontkämpferüberfall auf Arbeiter“. Die Identität der Todesopfer war auch ein Grund für die Empörung: Matthias Csmarits, ein 34-jähriger Kriegsinvalide, der Frau und Kind zurückließ, wurde in den Hinterkopf getroffen; und Josef Grössing, der sechsjährige Sohn eines Eisenbahnarbeiters, ins Herz. Dass das eine Opfer in den Hinterkopf getroffen wurde, und das andere ein Kind war, ließ die Rechtfertigung der Tat als Notwehr prima facie wenig glaubwürdig erscheinen.

In dem kleinen burgenländischen Dorf hielten sowohl der Frontkämpferverband als auch der Schutzbund regelmäßig Veranstaltungen ab – normalerweise allerdings nicht am selben Tag. An jenem Tag war nur die Veranstaltung des ersteren angemeldet, der Schutzbund marschierte als Gegenprotest auf. Es kam zu teilweise handgreiflichen Auseinandersetzungen am Bahnhof als weitere Mitglieder der Frontkämpfer dort aus dem Zug aussteigen wollten. Nachdem der Schutzbund sie daran gehindert hatte, marschierte er durch das Dorf, wobei einige Mitglieder in den Hof und die Küche des Gasthauses Tscharmann, dem traditionellen Treffpunkt der Frontkämpfer, eindrangen. Die Söhne des Inhabers, Josef und Hieronymus Tscharmann, sowie ihr Schwager Johann Pinter verschanzten sich in ihren Wohnungen auf der dem Gasthaus gegenüberliegenden Seite des Innenhofes. Von dort aus feuerte zuerst einer von ihnen in den Innenhof, anschließend schossen alle drei von einem vergitterten Fenster aus auf die Straße. Während im Hof niemand getroffen wurde, töteten sie auf der Straße die erwähnten zwei Opfer und verletzten acht weitere.

Der Vorfall wurde nicht nur in allen Zeitungen kontrovers debattiert, sondern auch im Tiroler Landtag. Steidle betonte dort, dass nur die Versammlung der Frontkämpfer amtlich genehmigt war und dass die genauen Umstände noch ungeklärt seien.

Während das ganze Land angespannt auf den Prozess gegen die drei Schützen wartete, focht Steidle in seiner privaten Funktion als Rechtsanwalt noch einen weniger aufregenden Prozess. Er verteidigte den Bürgermeister von Tarrenz (nördlich von Imst) gegen eine Anklage wegen Meineids und erwirkte dessen Freispruch.

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