Post aus Shanghai
Im September 1905 näherte sich die Dienstzeit von Conrad Marcsák bei der k. u. k. Kriegsmarine ihrem Ende. An Bord des Kreuzers S.M.S. Kaiserin Elisabeth ging es von China zurück in Richtung Pola. Einen Zwischenstopp in Shanghai nütze er, um Lida (Lidwina) Kränzel seine Heimreise anzuzeigen. Er teilte ihr am 27. September 1905 folgendes mit:
Um mir etwaige Vorwürfe zu ersparen, sehe ich mich veranlaßt, Ihnen von unserer Heimreise Kunde zu geben.
Am 22. dss. verließen wir das schöne Peking und gelangten nach 15stündiger Eisenbahnfahrt nach Chinwangtau wo die „Elisabeth“ auf uns wartete. Um 9h abends schifften wir uns ein. Am 24. um 4h Früh liefen wir von Chinwangtao [sic] aus und kamen heute (27. – 11h vm.) hier an. Die Fahrt hieher war sehr angenehm, da wir nur ganz schwachen Seegang hatten.
Was mich betrifft, kann ich nur erwähnen, daß es mir vorzüglich geht. Von Strapazen und Manövern weiß ich gar nichts, da ich in der Schiffskanzlei als Dritter Profoß bestimmt bin. Zu tun ist nicht viel und mit meinen Vorgesetzen stehe ich auf gutem Fuß; und so hoffe ich, daß die zwei Monate, die ich an Bord noch zu machen habe, gut verstreichen werden.
In Pola laufen wir erst am 6. Dezember ein und werden wahrscheinlich erst am 11. oder 12. Dezember entlassen.
Morgen oder übermorgen werde ich Ihnen einige Karten schicken. Vorläufig stehen wir hier im Vorhafen vor Anker, werden aber wahrscheinlich in die Stadt, die noch 3 Stunden von hier liegt, hineinfahren. Hier ist jetzt die Regenperiode – ein erbärmliches Wetter. Ansonsten Alles wohl. –
Beigeschlossen ein Kappenband von unserem Schiffe.
Es grüßt Sie herzlichst
Ihr ergebener
C. Marcsák
Warte schon mit Sehnsucht auf Antwort auf meinen letzten Pekinger-Brief.
Etwaige Rückäußerungen erbitte an C. Marcsák
Poste restante Pola 1
Auch von der weiteren Heimreise schickte Marcsák regelmäßig Grüße nach Innsbruck. Mehr dazu lesen Sie hier demnächst.

(Slg. Kurt Klieber, Privatbesitz)