Post aus dem Karakorum
Vor 40 Jahren, am 26. Juli 1986, flatterte diese Postkarte in die Redaktion der Neuen Tiroler Nachrichten am Südtiroler Platz. Sie hatte in zwölf Tagen eine weite Reise zurückgelegt, vom Basislager am Fuße des Broad Peak bis nach Innsbruck. Geschrieben hatte sie aber weder die österreichischen Bergsteiger Peter Wörgötter, Hans Hirschbichler und Markus Prechtl, noch ein anderes Mitglied der Herrligkofffe-Karakorum-Expedition, sondern der Innsbrucker Alpinist Sebastian Hölzl. Vermutlich hatte ihm aber einer der drei Erstgenannten die offizielle Karte der Herrligkofffe-Karakorum-Expedition zur Verfügung gestellt (Ansichtskarten sollen ja recht rar sein, in so einem Basislager), die er dann kurzerhand etwas adaptiert hat. Immerhin hatte Hölzl ein Stück österreichische Alpingeschichte zu berichten. Und so diktierte er dem Chefredakteur der NTZ den Bericht gleich in die Feder:
Sehr geehrter Herr Schlechtleitner!
Am 7. Juli erreichte die Klagefurterin Henriette Eberwein mit ihrem Seilpartner Sebastian Hölzl als erste gebürtige Österreicherin einen Achttausender. Ohne künstlichen Sauerstoff standen die beiden als Erste der Münchner Broad-Peak-Expedition am 8047m hohen Gipfel. Hölzl ist nach Hermann Buhl der zweite Innsbrucker, den den Broad Peak bestieg. Innerhalb von 3 Tagen gelang die Besteigung. Vom Basislager auf 4850 m benötigten die beiden Österreicher nur zwei Zwischenlager. Im Lager III auf 7200 m verbrachten sie die letzte Nacht vor dem Gipfelsturm. Nach 7 Stunden erreichten sie über den ausgesetzten Grat (Schwierigkeit II-III) seilfrei den Gipfel. Bereits am folgenden Tag waren sie wieder im Basislager. Von den 15 Expeditionsteilnehmern standen bisher acht am Gipfel.
Mit freundlichen Grüßen
S. Hölzl

(StAI, Archiv NTZ)