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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
In Richards Müllerversum VIII

In Richards Müllerversum VIII

Manche Menschen kommen an einen Ort, machen ihre Arbeit für ein paar Jahre, und dann sind sie wieder weg. Sie haben keine Nachkommen, keine Nachfolger, keine Nachrede. Zu dieser Gruppe Stadtbewohner:innen gehörten auch Anton und Maria Mitschka. Ich musste, als ich das Titelbild bei Richard Müllers Plattenladen entdeckte, erst einmal im Adressbuch nachschauen, wo diese Fassade denn gewesen sein könnte. Überraschung: In der Maria-Theresien-Straße 7. Zentraler gehts nicht.

Die Auslage des Geschäfts sieht ja nicht so sehr nach Kolonialwarenladen mit Spezialitäten aus aller Welt sondern eher nach einem Schnapstschocherl der Firma Lauda aus (solche gab es in den 1990ern noch in der Museum- und der Andreas-Hofer-Straße. Die gebrannten Getränke sind recht unempfindlich gegen Verderb und können ohne besondere Pflege einige Dutzend Monde im Fenster stehen; wenn nicht zu viel Sonne herein scheint, bleibt die Ware verkäuflich.)

Um in Innsbruck ein wenig bekannt zu werden, wurde hier ab 1906 noch Kaffee und Kakao mit Milch serviert. In den frühesten Annoncen bewarben Anton Mitschka (* 1875, + 1927 in Innsbruck) und seine Frau Maria geborene Härtel (* 1874 in Wien, + 1937 in Innsbruck) ihr Geschäft zunächst als Meinl Kaffee-Niederlage. Zu Zeiten des nie straffällig gewordenen Julius Meinl I. wurde bei Schnuppertagen besagter Kaffee und der als gesunde Kindernahrung vermarktete Maltin Kakao ausgeschenkt, laut Innsbrucker Nachrichten vom 10. April 1908 wurden in den Tagen zuvor 900 Portionen mit insgesamt 65 Liter Milch zur Verkostung ausgegeben.

Das Segelschiff holte die wertvolle Ware aus den fernen Kolonien. Anton und Maria Mitschka wohnten hingegen sehr nahe beim Laden Am Karl-Ludwigs-Platz, der heute Adolf-Pichler-Platz heißt.

Mit ihrem Geschäft sind waren die Mitschkas recht präsent in den Tageszeitungen, privat erfährt man nicht viel von ihnen. Kollegin Renate Ursprunger hat in ihrem Claudiaplatz-Bild die von 1911 bis 1920 betriebene Filiale des Geschäftes entdeckt; vielleicht war die Ehe nicht harmonisch und Frau Mitschka begab sich untertags lieber ans andere Ende der Welt… nach dem Tod Antons 1927 übernimmt Maria ganz die Geschäftsführung; ab 1935 ist der Laden in Konkurs und der Nachbar, das Tuchhaus Greil, verkauft die Einrichtung „spottbillig“ per Inserat. Nachfolger an dieser Stelle wird eine Filiale der Firma Tachezy. Hätte Richard Müller das Geschäft nicht fotografiert, hätten wahrscheinlich weder Sie noch ich heute an das Besitzerehepaar gedacht.

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