Fahrradschule Schlumprecht
In einem früheren Beitrag hatte ich schon einmal an die Fahrradfabrik von Anton Schlumprecht erinnert. (hier). Neben der genannten Fahrradfabrik – den schön gestalteten Briefkopf derselben sehen Sie im Titelbild – betrieb er auch eine Fahrschule, mit der er den Absatz seiner Fahrräder ankurbeln wollte.

Hierzu mietete er für kurze Zeit die städtische Turnhalle in der Fallmerayerstraße. Im oben abgebildeten Schreiben können Sie die erste Seite des entsprechenden Mietgesuches von Schlumprecht an den Magistrat sehen. Darin bittet er als „heimischer Unternehmer und Steuerzaler“ um die Überlassung der Turnhalle für den Fahrradunterricht. Ein Hindernis war hierfür allerdings, dass zu dieser Zeit August Wittköpper und damit ein konkurrierender Fahrradradhändler die Turnhalle gemietet hatte – ebenfalls zum Zweck des Fahrradunterrichts. Zuvor hatte im Übrigen die Firma Röthy und Wiedner (Wilten) die Halle genutzt. Schlumprecht versuchte seine Konkurrenten daher auszubooten und führte ins Treffen, dass Wittköpper im Gegensatz zu ihm nur „ausländische und überseeische Fahrradfirmen“ vertrete und außerdem schon die Ausstellungshalle nutzen könne.
Das Ansuchen war schließlich von Erfolg gekrönt und Schlumprecht konnte die Turnhalle mieten. Mit der Eröffnung des Velodroms in der Anichstraße Anfang 1899 war dies dann aber hinfällig und Schlumprechts Fahrschule übersiedelte dorthin. So wie die Fahrradschule in der Turnhalle bestand auch jene im Velodrom indes nur kurz – die Episode zeigt aber, wie umkämpft der Fahrradmarkt um 1900 war und viele Unternehmer von dem Boom zu profitieren versuchten.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Coml 1898)