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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Explosion In Einer Innsbrucker Branntweinbrennerei

Explosion in einer Innsbrucker Branntweinbrennerei

Das Titelbild zeigt eine Farbpostkarte auf der der Falknerkeller im Hotel Central in der Gilmstraße 5 abgebildet ist. In den Räumlichkeiten betrieb Josef Falkner im Erdgeschoss eine Branntweinbrennerei in der sich am 30. April 1926 ein folgenschwerer Betriebsunfall ereignete. Die Innsbrucker Nachrichten berichteten am 3. Mai 1926 ausführlich über das Unglück:

Explosionsunglück in einer Branntweinbrennerei. Am Freitag vormittags gegen ¾ 11 Uhr ereignete sich in der Branntweinbrennerei Josef Falkner, die in den Erdgeschoßräumlichkeiten des Hauses Gilmstraße 5, im Hause des ehemaligen Café „Zentral“, wo gegenwärtig die Filiale der Merkurbank untergebracht ist, ein Explosionsunglück. Seit 10 Uhr vormittags war der mit Unterfeuerung geheizte Brennkessel im Betrieb, der Weintrebern destillieren sollte. Der schon seit Jahren als Brenner tätige 26jährige Hans KofIer bemerkte nichts Außergewöhnliches, nur kam ihm vor, daß der Verschluß des Kessels nicht mehr ganz fest schien. Er zog daher die Schrauben an und begab sich auf einen Augenblick außerhalb des Brennraumes, in dem nur der als Faßbinder in der Brennerei beschäftigte 19jährige Franz Wanner, der beim Brennen zusehen wollte, anwesend war. Kaum hatte Kofler den Raum verlassen, als eine gewaltige Detonation erfolgte und die in den Vorraum führende Türe aus ihren Angeln flog. Kofler be­gab sich, nachdem er sich von dem ersten Schreck erholt hatte, in den Brennraum zurück, der von Rauch und Staub erfüllt war. Der Brennkessel war in die Luft geflogen, der kupferne Verschluß durch die Gewalt der Explosion wie ein Papierknäuel zusammengedrückt. Die Brunnenleitung war von der Wand gerissen, die Türe in den Vorraum gesprengt und die vermauerte Türe in den angrenzenden Treberkeller demoliert. Als Kofler in den Brennraum zurückkam, hörte er die Hilferufe Wanners, der mit einer schweren Kopfverletzung am Boden lag, sich jedoch allein, über und über mit Staub und Schmutz bedeckt, ins Freie begeben konnte, von wo aus er in die chirurgische Klinik überführt wurde. Die Explosion war so stark, daß durch den Luftdruck die Fenster der angrenzenden Räume der Merkurbank zertrümmert wurden. Die Explosion ist dadurch erfolgt, daß in einem Uebersteigrohr durch einen Holzspund den Dämpfen der Weg versperrt war. Wieso der Spund in das Rohr gelangt ist, konnte nicht festgestellt werden. Der Schaden, der durch die Explosion entstanden ist und der in der Demolierung der beiden Brennlokale, Kesselraum und Trebernkeller, gekennzeichnet ist, wird auf zirka 1500 S geschätzt. Da durch die Explosion auch die angrenzenden Mauern teilweise beschädigt wurden, wird erst eine baukommissionelle Untersuchung die baulichen Schäden feststellen. Zu diesem Unfall wird uns vom Besitzer J. Falkner folgendes mitgeteilt: Die Branntweinbrennerei ist eine ganz kleine Anlage, die ausschließlich nur jenes Spezialquantum Branntwein herstellt, das mein Gassenschank benötigt. Nach dem Vorfall zirkulierten allerlei Gerüchte über komplizierte maschinelle Anlagen, ungeprüfte Heizer usw. Das ist natürlich ein phantastisches Gerede, da es sich um einen Betrieb handelt, der keinerlei maschinentechnische Kenntnisse erfordert und bei dem man sogar mit Absicht sehr schwer einen solchen Unfall herbeiführen kann. Die Ursache wurde auch von mir sofort erkannt und von Sachverständigen durch Untersuchung bestätigt. Es hat sich nämlich ein kleines Spundstück im Steigrohr vorgefunden, das auf zweierlei Weise dorthin gelangt sein kann. Entweder ist es beim Füllen der Blase zwischen die Trestern geraten und von dort durch eine Siedewallung durch einen ganz außerordentlichen Zufall in das Steigrohr geschleudert worden, oder es wurde vom Finanzkontrollorgan zur Versiegelung des Apparates benötigt und ist beim Ablösen des Siegels unbeachteterweise in das Rohr gefallen. Durch die heißen Dämpfe mußte das Spundstück aufquellen und das Rohr derartig verlegen, daß die Zerstörung unvermeidlich wurde.“

Die Filiale der Merkurbank an der Ecke Gilmstraße / Erlerstraße wurde am 1. Oktober 1927 aufgelöst. In einem Bericht in den Innsbrucker Nachrichten vom 29. September 1927 wurden die Leserinnen und Leser über die Schließung der Bank informiert. Weiters wurde in diesem Artikel die mögliche Wiedereröffnung des Café Central angedeutet: „Wie verlautet, beabsichtigt der Besitzer des Hauses, der Weingroßhändler Falkner, die bisher von der Bank benützten Lokale wie­der für ein Kaffeehaus zu verwenden.“

(Stadtarchiv Innsbruck, Ph-35969)

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