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Diebstahl Bei Der Arche

Diebstahl bei der Arche

Im (jugendlichen?) Leichtsinn kann es unter Umständen dazu kommen, dass in einem schwachen Moment kleinere Dinge entwendet werden. Seien es Gläser in einer Bar oder die ein oder andere Gabel, die dann in Studenten-WGs in Innsbruck wiederauftauchen. Die ethische Vertretbarkeit solcher Handlungen soll hier heute jedoch gar nicht Thema sein. Vielmehr will ich darauf hinaus, dass die Entwendung von kleineren (oder größeren und schwereren) Dingen auch in der Geschichte immer wieder auftaucht und uns bereits im 18. Jahrhundert begegnet.

So auch im Jahr 1762 und inmitten der Umbauarbeiten am Inn durch das Oberarcheninspektorat (mehr dazu später). Durch die schnelle Fließgeschwindigkeit des Inns und immer wieder auftretenden Hochwassern wurden seit jeher in Städten und Märkten, die nahe am Fluss (wie Innsbruck, Rattenberg, Schwaz oder Kufstein) lagen, sogenannte Archenverbauungen vorgenommen. Diese Uferschutzbauten sollten der Regulierung des Inns und damit auch dem Hochwasserschutz dienen. Als Baumaterial wurden dafür zu Beginn aufeinandergeschichtete Holzstämme oder Steine verwendet. Ab dem ausgehenden 18. Jahrhundert sind dann auch aufwendige Steinmauern als Archen greifbar. Solchen Archenbauten sind für Innsbruck in dieser Zeit unter anderem im Bereich zwischen der Völser Au und Kranebitten greifbar.

Jedoch schienen die einen oder anderen Bürger und Bürgerinnen der Stadt Innsbruck ihre Langfinger bis hin zu ebenjenen Archenbauten auszustrecken. In einem Erlass aus dem Jahr 1762 wird darauf hingewiesen, dass manch einer wohl Steine aus den Mauern der Archen entwenden würde, genauer gesagt aus den Mauern des Klambach [sic!].

„Es ist anhero zuvernemmen gekomen, wie das zu nicht geringen nachtheill der landtstrassen ausser Krännbithen von einichen Patricularn die in den Klambach-runßt brfündlich gewesste grosse stain willkurlich heraeus genommen, und verfüehret worden seyen.“

Gerade in Anbetracht des hohen Wasserstandes des Inns (im weiteren Verlauf des Jahres sollte es ja dann auch zu einem Hochwasser in Innsbruck kommen) werden alle Langfinger gebeten, solche Entwendungen dringendst zu unterlassen. Außerdem wird auch daran erinnert, dass von einer Bestrafung oder Anzeige nicht abgesehen werden könne:

„[…] ohne disseitigen vorwissen [nicht] mehr zu gestatten, sonderen die ybertrettrern allso gleich zur bestraffung anhero anzuzeugen.“

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde unter Maria-Theresia beschlossen, eine Wasserbaubehörde zu gründen um eine Begradigung des Inns herbeizuführen. Bisher wich der Fluss nämlich noch auf einige Nebenarme aus (im Bereich Kranebitten und Völser Au auf historischen Karten sichtbar). Durch die Begradigung hätte die Fließgeschwindigkeit zugenommen, was sich dann wiederum in der Transportkraft der Schiffe und Flöße auf dem Inn ausgewirkt hätte. Außerdem hätte sich das Flussbett automatisch angepasst, da Kiesablagerungen verstärkt abgetragen worden wären. Eine „gezielte Verarchung“ sollte das Flussbett für die Nutzung des Schiffverkehrs anpassen. Ziel war es, die Strecke zwischen Kufstein und Hall zukünftig in fünf statt acht Tagen zurückzulegen, was sich auch in einer Senkung der Kosten widerspiegeln würde. Als zentrale Figur in Tirol muss an dieser Stelle der Ingenieur-Leutnant Franz Anton Rangger genannt werden, der am 22. November 1745 zum ersten Oberarcheninspektor von Tirol ernannt wurde. Dieser war fortan für die Überprüfung der Archenbauten jeden Frühling und Herbst zuständig.

Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-6281, Verlauf des Inn, Völser Au und Kranebitten gegen Norden

Die historischen Karten des Inns sind auf die Arbeit Ranggers zurückzuführen, der im Zuge der Verbauung des Flusses das Gebiet flächendeckend kartographieren ließ. Viele der in diesem Zusammenhang entstandenen Arbeiten sind uns heute jedoch leider nicht mehr erhalten.

Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck Ph-6281, Akt-937

Eva Haslinger

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