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Der Alte Käsetrick

Der alte Käsetrick

Als ich bei der Vorbereitung für meine Beiträge während des Urlaubs in unserer Datenbank mit dem Schlagwort „Kalifornien“ recherchiert habe, kam auch dieses Plakat zum Vorschein. Mit dem Namen Hanussen sec. (Erik Jan Hanussen II.) konnte ich überhaupt nichts anfangen. Nach einem Blick ins Internet wurde mir aber schnell klar, dass sich hinter diesem Plakat äußerst kuriose Facetten und Geschichten befinden.

Beginnen wir aber kurz bei seinem Namensvorgänger, dem „richtigen“ Erik Jan Hanussen. Die Anführungszeichen weißen bereits darauf hin, auch hierbei handelte es sich bereits um einen Künstlernamen. Dahinter steckt der 1889 in Wien-Ottakring geborene Hermann (oder Herschel) Chaim Steinschneider. Steinschneider interessierte sich bereits in frühen Jahren für Telepathie und nach seinem Schulabbruch wandte er sich zum Zirkus hin. In seiner weiteren Laufbahn wurde er bekannt als Hellseher, Wünschelrutengänger und Gedankenleser. In den 1920er Jahren galt er als Meister des Okkulten und konnte Hallen in Europa und den USA füllen, wobei er hauptsächlich in Berlin tätig war. Als gebürtiger Jude unterstützte er paradoxerweise die NSDAP bei ihrem Aufstieg bis zu ihrer Machtergreifung im Januar 1933. Diese Verbindung sollte ihm kurze Zeit später zum Verhängnis werden. Nach einer Festnahme im März 1933 wurde er zwar sofort wieder entlassen, jedoch noch in derselben Nacht von SA-Männern aus Berlin hinausgefahren und kurzerhand erschossen. Meine spärlichen Ausführungen werden der Person Erik Jan Hanussen natürlich nicht gerecht. Weiterführende Artikel können Sie aber online in der Süddeutschen Zeitung oder dem WDR finden.

Sein „Nachfolger“ Erik Jan Hanussen II., den Sie auf unserem Titelbild sehen, kam am 9. Jänner 1918 als Gert Braun zur Welt. Auch er interessierte sich schon im Kindesalter für das eigene „Innenleben“ und parapsychologisches. Laut eigenen Angaben absolvierte er eine Lehrtätigkeit beim ersten Hanussen, wobei dies stark zu bezweifeln ist. Zum Todeszeitpunkt Jan Erik Hanussens 1933 wäre Gert Braun gerade einmal 15 Jahre alt gewesen und somit ist eine längere Lehrzeit äußerst unwahrscheinlich. Auch andere Angaben Brauns müssen kritisch betrachtet werden. So soll er zum Beispiel der Witwe des angeblichen Lehrmeisters die Namensrechte 1949 abgekauft haben. Zumindest ließ er später bei der Internationalen Artistenloge den Künstlernamen „Erik Jan Hanussen second“ eintragen. Bekanntheit erlangte Hanussen II. vor allem für seinen Zettel-Trick, der in der Magier-Welt allgemeinhin als „Käsetrick“ bekannt war. Einen interessanten Artikel zum zweiten Hanussen können Sie übrigens online im Spiegel lesen.

Im November 1986 gastierte Braun-Hanussen mit seinen Fähigkeiten auch im Innsbrucker Kongresshaus. Wieviel Interessierte zu dem Experiment mit dem Übersinnlichen gekommen sind ist mir nicht bekannt. Möglicherweise gibt es aus der Leser*Innenschaft Infos darüber oder sogar Teilnehmer*Innen.

Einen letzten Punkt möchte ich noch ansprechen, denn eine Frage wurde noch nicht beantwortet. Warum zeigt es mir dieses Plakat an, wenn ich in unserer Datenbank mit dem Begriff „Kalifornien“ suche? Der Grund liegt bei dem ausgestellten Doktorat der Metaphysik von der Universal Life Church in Kalifornien. Spätestens jetzt sollten eigentlich alle Alarmglocken schlagen! Diese Institution wurde bereits mehrfach als Sekte und Titelmühle kritisiert. Auch hierzu findet man beim Spiegel einen lesenswerten Artikel.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Pt-6469)

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